Samstagnachmittag in Bamberg - es ist beste Einkaufszeit. Die Stände am Grünen Markt haben noch geöffnet. Es werden Krapfen gegessen, Bratwürste und Eis verdrückt. Die frühlingshafte Sonne hat die Bamberger hinaus auf die Straße getrieben. Jetzt ist es 15 Uhr. Spätestens jetzt muss einer, wenn er den ganzen Tag in der Stadt unterwegs war, seinen Durst gelöscht haben - und eine leere Flasche mit sich herum schleppen, die er loswerden will.

Die beste Zeit also, um sie in den Pfandring zu stellen, der an einem der Mülleimer am Gabelmann angebracht ist. Es ist Viertel nach drei. Noch keiner hat sich mit Flasche genähert, der Pfandring ist leer. Lediglich eine Frau hat ihre Zigarette an dem gelben Metallteil ausgedrückt. Weiter warten.

Berühmte Ringe

Der Pfandring am Gabelmann und sein Bruder am ZOB - sie sind derzeit in aller Munde in Deutschland. Viele überregionale Medien haben das Pilotprojekt aufgegriffen. Die Jungen Liberalen aus Frankfurt fordern Pfandringe für die hessische Metropole, in Köln will man als zweite deutsche Stadt nach Bamberg nachziehen, wie Kölner Zeitungen in diesen Tagen melden, auch Doris Schröder-Köpf - Frau des Altkanzlers und Mitglied des niedersächsischen Landtags - verbreitet die Idee auf Twitter. Berühmte Ringe.

Und in Bamberg? Es ist kurz nach halb vier. Ein junger Kerl mit Freundin im Arm nähert sich dem Objekt der Begierde. Eine Flasche für den Ring? Fehlanzeige. Er zückt sein Smartphone. Der gelbe Ring wird fotografiert wie der Bamberger Reiter im Dom.

"In unserer Wahrnehmung sind die Pfandringe relativ häufig leer", sagt Ulrike Siebenhaar, Sprecherin der Stadt. Ihr sei aber auch bekannt, dass die Ringe angenommen würden - die Pfandsammler diese auch ansteuerten.

"Es gibt Menschen, die vom Pfand leben oder sich zumindest dadurch ein kleines Zubrot verdienen", diesen Menschen könne man so helfen und das Pfandsammeln menschenwürdiger machen. Kritik daran, dass mit dem Geld für die beiden Ringe (knapp 1000 Euro) besser Bedürftigen geholfen werden könnte, weist sie zurück. Schließlich sei mit 1000 Euro nicht viel getan.

Zurück am Mülleimer. Es ist dreiviertel vier. Eine Frau nähert sich mit Kinderwagen. Sie zieht etwas aus ihrer Tasche. Das könnte die erste Flasche sein. Nein. Sie öffnet eine Plastikbox und entsorgt eine Bananenschale im Müll. Wieder nichts.

Unterstützung von Diebstahl?

Bamberg interessiert sich in dieser einen Stunde am Samstag nicht so richtig für die Pfandringe und ihre eigentliche Funktion. Deutschland dagegen schon. Hauptsächlich positiv wird über die Testphase berichtet.

Die Aufmerksamkeit bringt aber auch die Kritiker auf. In einem Schreiben wurde die Stadt in der vergangenen Woche mit der Vermutung konfrontiert, dass sie mit dem Anbringen solcher Pfandringe eine Müllentnahme unterstütze. Die Wegnahme von Müll ist in Deutschland Diebstahl - was viele nicht wissen.

In dem Schreiben wird um Stellungnahme gebeten, ob die Stadt sich rechtlich darüber im Klaren war, als die Entscheidung pro Pfandringe fiel. Dass sie den Diebstahl von Müll somit unterstütze. Die Stadt habe das nachgeprüft, sagt Siebenhaar. Es handle sich demnach hierbei um "Dereliktion" - um die Aufgabe des Besitzes.

Das heißt: Dadurch, dass der ursprüngliche Besitzer einer Flasche diese nicht in den Müll wirft, sondern in den Pfandring stellt, zeigt er "nicht nur, dass er sein Eigentum aufgibt, sondern dass er möchte, dass die Flasche eben nicht der Abfallbeseitigung der Stadt zufällt", so Siebenhaar. Die Flaschen im Pfandring wären also herrenlos und damit stelle sich der Tatbestand des Diebstahls nicht.

Am Samstag hätte sich diese Frage ohnehin nicht gestellt - die Pfandringe blieben leer.