Auch ein Rückzug muss geordnet ablaufen. Gerade ein Rückzug. Bei den US-Truppen gibt es deshalb schon einen Namen für die gewissermaßen letzten Mohikaner der Warner Barracks. Es ist das "Base Closure Team". Mit circa 20 Beschäftigten wird die Standortschließungsgruppe dafür sorgen, dass die Kaserne nach dem Abzug der Amerikaner bis zum Frühling 2015 besenrein und vollständig entleert übergeben wird.

Das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Wenn die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) das Gelände übernimmt, darf sich in der Kaserne nichts mehr regen. Alles ist verriegelt und eingemottet, sämtliche Leitungssysteme sollen abgeschaltet sein. Und das nicht nur für wenige Wochen, sondern für Monate, wenn nicht gar Jahre.

Was das bedeutet, weiß man am besten bei den Bamberger Stadtwerken, die das Leitungsnetz der US-Armee als Dienstleister seit vielen Jahren betreuen. Das ist naturgemäß kilometerlang. Das 450 Hektar große und immerhin ein Zehntel der Stadtfläche umfassende Gelände wird nicht anders als der Rest der Stadt mit Gas und Strom, aber auch mit Fernwärme und Wasser versorgt.

Und bei letzteren beginnen die Probleme: Fernwärme- und Wasserleitungen wie jetzt geplant am Kaserneneingang "abzuschiebern", kann Christian Fendt von den Stadtwerken beim besten Willen nicht empfehlen. Der Grund: In Wasserleitungen, die entleert sind, siedeln sich relativ schnell Legionellen an. Fernwärmerohre drohen zu korrodieren, wenn sie nicht mehr befüllt sind. Selbst Heizungsrohre können nach einer Entleerung noch Restfeuchtigkeit enthalten und bei strengen Frösten auffrieren. Die Folge: Dem Nachnutzer, wer immer dies sein mag, stehen Sanierungskosten in beträchtlicher Höhe ins Haus

Doch kann es dem künftig zuständigen Eigentümer der Liegenschaften, also der Bundesrepublik recht sein kann, dass ihre Gebäude Schaden nehmen? Offenbar schon: "Die Bima will sämtliche Leitungen kappen, weil sie kein Geld für den Unterhalt der US-Liegenschaften in Bamberg aufwenden will", sagt Christian Hinterstein, Konversionsreferent im Rathaus. Billigend werde in Kauf genommen, dass die Leitungen durch einen mehrmonatigen Stillstand Schaden nehmen könnten.

Genau dies, eine monate-, wenn nicht jahrelange Brache droht die Warner-Barracks ab 2015 in eine Geisterstadt zu verwandeln. Denn im Rathaus geht niemand ernsthaft davon aus, dass eine Übernahme des Militärkomplexes durch die Stadt gleich im Anschluss an die Freigabe erfolgen könnte. Der Grund liegt im unüberwindlichen Interessenkonflikt zwischen Stadt und Bund. Er wird die Verhandlungen über den Preis für das Gesamtgelände zwangsläufig in die Länge ziehen.

Zwar besitzen die Kommunen mittlerweile ein erklärtes Erstzugriffsrecht, doch ist dies nur ein stumpfes Schwert. Denn es setzt ein Nutzungskonzept und ein darauf basierendes Wertgutachten voraus, was den Preis zumindest für die Filetstücke explodieren ließe, fürchtet man im Bamberger Rathaus. Die Bima, die wir dazu befragt haben, blieb uns am Montag eine Antwort schuldig. In der Stadt sieht man es so: "Nach wie vor liegt es im Interesse des Bundes, sich die Rosinen aus dem Kasernengelände herauszupicken und sie an den Meistbietenden zu verkaufen", sagt Konversionsreferent Hinterstein. Das ist so etwas wie die Horrorvision der Bamberger Stadtgewaltigen: Der Bund würde kassieren und der Allgemeinheit vor Ort bliebe dann die undankbare Aufgabe, die Infrastruktur für neue Wohngebiete zu finanzieren und die Altlasten zu beseitigen.

Einen genauen Überblick darüber, was auf dem Kasernengeländen an verbotenem Material schlummert, hat derzeit niemand. Zwar besitzt die US-Armee eine auf Aktenlage basierende Vorstellung, doch das genügt der Stadt nicht. Sie will nach 2015 eine zumindest stichprobenartige Untersuchung der Kaserne vornehmen und dabei vor allem auch die Gebäude auf in Deutschland verbotene Gefahrenstoffe sondieren.

Hintergrund ist die Erfahrung aus der Konversion in Fürth, bei der ein im Parkettkleber vorhandenes Lösungsmittel, zu spät entdeckt worden war und die die kommunale Wohnungsbaugesellschaft an den Rande des Ruins gebracht hatte, weil viele Verträge rückabgewickelt werden mussten.

Zumindest in der Bamberger Kaserne gibt man dazu Entwarnung: "Großartige Altlasten sind aus unserer Sicht nicht zu befürchten. Wir haben hier sehr strenge Umweltauflagen. Nicht umsonst hat der Standort Bambergs einen Umweltpreis gewonnen", sagt Betriebsrat Eduard Mayer. Auch für die Leitungsprobleme nach einer Stilllegung der Kaserne hat man an der Weißenburgstraße in Bamberg ein konkretes Angebot: Die Bima könnte einen Teil des Personals vor Ort zur Unterhaltung der Leitungen übernehmen.

Dass es dazu kommt, ist eher unwahrscheinlich. Die Ziele der Bima, wie sie bisher kommuniziert wurden, sind eindeutig: Sie will die Konversionsflächen zu Geld machen und keines ausgeben.

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