"Mit großem Interesse habe ich gelesen, dass in Bamberg ein Betonschiff konstruiert wurde und dieses an einer Regatta für Wasserfahrzeuge aus Beton teilnehmen soll (,Bedongboodla' soll siegen. FT 22./23.06.2013). Den ambitionierten Konstrukteuren - Berufsgrundschüler der Bauabteilung des Beruflichen Schulzentrums Bamberg - ist vielleicht nicht bewusst, dass Bamberg eine lange Tradition im Schiffbau hat und dass diese auch innovative Ansätze enthält.

So wurden noch vor 1850 von zwei örtlichen Mechanikern unabhängig voneinander zwei Dampfschiffe gebaut. Diese kamen auch zum Einsatz, aber dabei blieb es. Ihre Spur verliert sich bald. Aufträge für weitere Exemplare blieben aus, weil sich keine Geldgeber fanden.

Was die beiden Schiffe leisteten, ist nicht mehr feststellbar. Immerhin schaffte das erste Dampfschiff, das für den noch nicht vollendeten Ludwigkanal gebaut wurde, die Probefahrt auf dem Main bis Frankfurt. Zurück kam es nicht.

Das erste Dampfschiff, das die Bergfahrt auf dem Main bis Bamberg bewältigte, stammte aus Frankreich. Es war in Nantes an der Loiremündung gebaut worden.

Die Bamberger Schiffbauer verarbeiteten Holz. Das Modell eines Holzschiffs ist in der Regnitzausstellung im Historischen Museum zu bewundern. Sich auf Eisenschiffe umzustellen, haben die Schiffbauer nicht versucht. Ihr Gewerbe starb aus.

Das erste seiner Art in Bayern

1922, kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs, veröffentlichte der preußische Ministerial- und Oberbaudirektor Leo Sympher eine umfangreiche Bestandsaufnahme sämtlicher wasserbaulicher und wasserwirtschaftlicher Bereiche unter dem Titel ,Die Wasserwirtschaft Deutschlands und ihre neuen Aufgaben'. Darin stellt der Diplom-Ingenieur Gottfried Feder, Inhaber einer Unternehmung für Hoch- und Tiefbau, Murnau-München- Bamberg, sein Eisenbetonschiff vor. Es wurde demnach 1918 gebaut und soll das erste seiner Art in Bayern gewesen.

Dazu gibt es ein im Abdruck schlechtes Foto, auf dem das Schiff im Becken des damals noch relativ neuen Bamberger Prinz-Ludwig-Hafens zu sehen ist. Es liegt da, wo heute die Kreuzfahrtschiffe anlegen (Kai 5). Im Hintergrund befindet sich an dem gegenüberliegenden Kai 4 ein Getreide-Elevator. Das turmartige Gebäude ist erhalten.

Das Foto lässt den Schluss, dass das Schiff in Bamberg gebaut wurde. Bestimmt war es für den alten Ludwig-Donau-Main-Kanal; mit dem geplanten Neubau, dem heutigen Main-Donau-Kanal, war noch nicht begonnen.
Das damalige Bamberger Betonschiff soll bei nur 41 Zentimeter Leertiefgang die gleiche Tragfähigkeit wie vergleichbar große, normale Kanalschiffe der Bavaria-Linie aus Eisen gehabt haben. Es war 32 Meter lang und 4,32 Meter breit.

Konstruiert war es als Motorschiff, also Selbstfahrer. Ob der Prototyp bereits mit einem Motor ausgerüstet war, ist dem Text von 1922 nicht zu entnehmen und damit auch nicht, wer den Motor geliefert hätte. Im letzten Satz des Textes kündigt Feder an, bei einem Wiederaufleben des Güterverkehrs werde sein Unternehmen die Schiffsbautätigkeit wieder aufnehmen. Der Güterverkehr auf dem Wasserweg lebte wieder auf, der Schiffbau nicht.

Schicksal ist unbekannt

Gottfried Feder wurde 1883 in Würzburg geboren. Er soll in Ansbach aufgewachsen sein. Als Ingenieur und Schiffskonstrukteur hatte er keinen Erfolg. Die wirtschaftliche Entwicklung ließ Initiativen wie die des Bamberger Eisenbetonschiffs hinfällig werden. Erst während des Zweiten Weltkriegs griff man in Deutschland, aber auch in den Vereinigten Staaten auf die Betontechnologie zurück.

In Bamberg erinnert sichtbar nichts an Feders Kanalschiff. Was aus ihm wurde, ist unbekannt. Aufklären ließe sich vielleicht, wie der Bau des Schiffs erfolgte und wo 1918 Beton hergestellt wurde. Im Stadtarchiv gibt es eine Akte, Errichtung einer Schiffbauwerft in den Hafenanlagen dahier durch die Fa. G. Feder in München, nun Weiterverpachtung des Platzes an die Fa. Hans Wich, Holzhandlung und Flößerei dahier', Laufzeit 1917 bis1921."

Krings beendet seinen Beitrag mit dem Hinweis, dass die lokale Technik-, Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte in Bamberg noch darauf wartet, erforscht zu werden.