Da laufen sie wieder - schnaufen Bambergs sieben Hügel hinauf und hinab: Der Countdown zum Weltkulturerbelauf hat begonnen. Also runter mit dem Winterspeck, Chillen war gestern! Stattdessen trainieren ambitionierte Läufer, um sich in den kommenden 59 Tagen in Höchstform zu bringen. Allerdings gibt's ungeahnte Risiken und Nebenwirkungen, die Friederike Schmöe in "Zuträger" beschreibt: Dem jüngsten Kriminalroman der Schreibtischtäterin, die der ersten Läuferin gleich im Prolog den Garaus macht. Und damit nicht genug, nachdem die Fränkin einige Seiten weiter einen Anschlag auf Bambergs größtes Sportereignis erahnen lässt. Tja, "Sport ist Mord", wie schon Winston Churchill wusste.


Zuvor die Landesgartenschau
Über 300 Seiten zieht sich der Bamberg-Krimi, in dem Friederike Schmöe ein Mordsspektakel um das nächste Großevent inszeniert, um Läufer und andere Leser zu bannen. Wieder muss Katinka Palfy retten, was noch zu retten ist: Die taffe Privatschnüfflerin, die's zur Eröffnung der Landesgartenschau 2012 mit einer Leiche im Fischpass und abgetrennten Körperteilen (auf Rosen gebettet) zu tun bekam. Weniger spektakulär ist demgegenüber der rätselhafte Tod einer 21-jährigen Joggerin, die in der Regnitz ihr Leben aushauchte. Bald aber stirbt die zweite WKEL-Aspirantin, die's allerdings nicht beim Training, sondern einer TV-Show vor laufender Kamera erwischt. Klappe zu, Läufer tot.

Das alles bedeutet Stress für Schmöes Heldin, die glücklicherweise auf Zack ist: So trainiert Palfy in ruhigen Momenten für den Halbmarathon, sofern sie sich nicht gerade im Spezial ein Rauchbier gönnt. Ja, in mancherlei Hinsicht ist die Powerfrau eine Vorzeige-Bambergerin, die die Kneipenszene frequentiert und am Ufer der Regnitz einen geschichtsträchtigen Altbau saniert. Noch herrscht Ebbe in der Kasse der Hausbesitzerin, allerdings sind die Aussichten auf Besserung angesichts der im Buch genannten Mietpreise vielversprechend: 80 Quadratmeter für 1200 Euro.

Eine Information, die die Detektivin dem FT verdankt, in dem sie auch zu beruflichen Zwecken recherchiert. Auf diese Weise erfuhr Palfy vom ersten genannten Mord (dem vier weitere folgen). Wobei die Bambergerin der Online-Version die Printausgabe aus einleuchtenden Gründen vorzieht: "Man kann das Papier mit Kaffee und Brotbröseln verzieren ohne ein Desaster auszulösen, Interessantes rausreißen und alles andere nachher mit einer gewissen Befriedigung in die blaue Tonne stopfen." Und in noch anderer Hinsicht profitiert die Spürnase vom FT: So recherchiert an Palfys Seite Dante Wischnewski, ein glatzköpfiger Redakteur, dem die Ermittlerin neben einer Mordsstory auch den Umzug in eine ihrer Altbauwohnungen in Aussicht stellte.


Gnadenloser Erfolgsdruck
Bald stößt das Schnüfflerduo auf erste Verdächtigte. Darunter ein Romeo, der einer WKELäuferin nach der anderen den Kopf verdreht, um ihr anschließend wieder den Laufpass zu geben. Zwei seiner Ex-Geliebten überleben Schmöes Krimi nicht, der an Machos auch nur in zweiter Linie Kritik übt. Aufs Korn nimmt die Autorin vor allem Unternehmen, hinter deren Hochglanzfassade Mitarbeiter bespitzelt, drangsaliert und in Schablonen gepresst werden. Ganz nach dem Motto "Wer nicht passt, wird passend gemacht (oder umgebracht)" zieht sich der Psychoterror dynamischer Chefs vom ersten Aussieben im Assessment-Center bis hin zum mehr oder weniger freiwilligen Ausscheiden des Mitarbeiters aus dem Betrieb: in Schmöes Roman das IT-Unternehmen Kvintu.

Klar, dass Kvintu Mitarbeitern nach einem harten Arbeitstag nochmals Beine macht, bevor sie restlos geschafft ins Bett sinken dürfen: Wer punkten will, trainiert für den Halbmarathon, Jammerlappen zumindest für den 4,4-Kilometer-Lauf - im flotten Kvinto-Shirt. Keine Müdigkeit vorschützen, der Erfolgsdruck geht weiter!

Wohin das alles führt, verraten wir an dieser Stelle natürlich nicht. Sondern überlassen es Schmöes Ermittlerin, ihren zehnten Fall abzuschließen - zielorientiert, dynamisch, kompromisslos, ichbezogen und damit nicht unbedingt sympathisch. Geschmackssache ist auch das jähe Ende der Geschichte, die zuvor mit Lokalkolorit punktet und es auch an Spannung nicht vermissen lässt. Aber lesen und urteilen Sie selbst!


Auf einen Blick
"Zuträger", der neueste Kriminalroman von Friederike Schmöe erschien im Gmeiner-Verlag. Er ist in allen Geschäftsstellen des Fränkischen Tags und im Handel unter ISBN 978-3-8392-1685-9 erhältlich.