Mit Herbert Blomstedt verliert die Musikwelt einen seiner bedeutendsten Dirigenten. Auch die Bamberger Symphoniker, die er als langjähriger Chefdirigent maßgeblich prägte, trauern um ihn. In ihrem Nachruf heißt es: "Was bleibt, ist tiefe Dankbarkeit."
Die Bamberger Symphoniker trauern um ihren Ehrendirigenten Herbert Blomstedt. Der Amerikaner mit schwedischen Wurzeln war einer der besten Dirigenten seiner Zeit und mit 99 Jahren der älteste noch tätige Dirigent. Er starb am Mittwoch (4. November 2026).
Mehr als 200 Konzerte in gut 50 Städten absolvierte das Orchester gemeinsam mit Blomstedt. Seit den frühen 1980er-Jahren prägte er die Entwicklung und den unverwechselbaren Klang der Symphoniker entscheidend mit.
Bamberger Symphoniker nehmen Abschied: Ehrendirigent Herbert Blomstedt mit 99 Jahren gestorben
In einer Mitteilung schrieben die Symphoniker: "Von Jahr zu Jahr, von Konzert zu Konzert berührten uns seine Interpretationen tiefer, wurden die Begegnungen mit ihm bedeutsamer.“ Für ihn, "den immer neugierigen, hochmusikalischen und tiefgläubigen Dirigenten, war jedes Konzert ein Gottesdienst". Das Orchester erinnerte zudem an sein aufrichtiges Interesse an den Mitmenschen: Wer mit ihm sprach, bekam seine uneingeschränkte Aufmerksamkeit. Nun ist Herbert Blomstedt endgültig zur Ruhe gekommen. Er wird uns fehlen", heißt es im
Nachruf der Symphoniker.
Blomstedt wollte bis zu seinem 100. Geburtstag und darüber hinaus dirigieren, auch mit Auftritten bei "seinen" deutschen Orchestern in Leipzig und Dresden. Zunehmende gesundheitliche Einschränkungen machten dies zuletzt unmöglich. Er musste seine Engagements der letzten Monate absagen, darunter drei Konzerte in Leipzig im September. Seine Agentur teilte mit: "Seine Liebe zur Musik und das Bedürfnis, sie mit dem Publikum zu teilen, waren ungebrochen."
Die Sächsische Staatskapelle Dresden hatte ihren Ehrendirigenten für die laufende Saison eingeladen. Dort sollte er im kommenden Februar das Konzert zum Gedenken an die Zerstörung Dresdens leiten. Blomstedt war von 1975 bis 1985 Chef der Staatskapelle, also noch vor dem Fall der Mauer. Von 1998 bis 2005 wirkte er als Gewandhauskapellmeister in Leipzig.
Respekt vor der Partitur
Blomstedt prägte Orchester in Europa und den USA. Er leitete neben Dresden und Leipzig auch das NDR-Sinfonieorchester als Chefdirigent und stand zehn Jahre lang an der Spitze der San Francisco Symphony. Als Gastdirigent war er unter anderem in Boston, Chicago und Los Angeles gefragt.
Die Agentur würdigte ihren Künstler als außergewöhnlichen Menschen, dessen Leben und Handeln durchweg von seinem Glauben als Siebenten-Tags-Adventist geprägt war.
Seine große Lebenserfahrung und seine besondere Persönlichkeit hätten bei jedem, der ihm begegnete, einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Im Laufe seiner langen Karriere habe er sich durch seinen Respekt vor dem kompositorischen Willen, seine Partiturkenntnis, seine herausragende Musikalität sowie seine Disziplin und Bescheidenheit die uneingeschränkte Anerkennung der Musikwelt erworben. "Sein größtes Anliegen war es stets, der Musik zu dienen."