Es sind sehr unterschiedliche Interessen, die beim geplanten Abbruch und Ersatzneubau eines Teils des Altenheims St. Otto aufeinandertreffen. Da ist zum einen der Bauherr, der Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg. Der will den Gebäudeteil an der Ecke Ottostraße/Hainstraße erneuern, um mehr Barrierefreiheit zu schaffen und effizienter arbeiten zu können, daneben sollen eine Tagespflege und eine "Pflegeoase" für Schwerstpflegebedürftige entstehen.

Daneben gibt es die städtische Sicht, die bei der Ausgestaltung unter anderem Wert auf die Einhaltung des Rahmenplans für das Haingebiet legt. Zweimal wurden deshalb auch schon verschiedene Umbauvarianten im Stadtgestaltungsbeirat besprochen.

Und dann sind da noch die zehn Mieterinnen der dem Heim angegliederten Wohnungen. Sie leben zu für Bamberger Verhältnisse traumhaft günstigen Preisen auf 40 bis 60 Quadratmetern Fläche, mit eigenem Bad und Küche. Die Seniorinnen sind noch ausgesprochen selbstständig, aber bewusst in der Nähe des Ottoheims - für den Fall, dass sie einmal pflegebedürftiger werden. Diese Mieterinnen blicken in eine ungewisse Zukunft, denn ihre Wohnungen sind in der aktuell weiterverfolgten Planungsvariante nicht mehr vorgesehen. Zwischenzeitlich hatte es Überlegungen gegeben, die Wohnungen über ein zusätzliches Staffelgeschoss zu ermöglichen, doch diese Pläne fanden im Stadtgestaltungsbeirat keinen Zuspruch.

"Wir stehen dem machtlos gegenüber", sagt die 88-Jährige Barbara Kremer, die vor sechs Jahren in die Wohnung eingezogen ist. "Das geht jetzt schon seit März 2017 so und niemand sagt uns, wie es weitergehen soll." Sie lebt wie viele ihrer Nachbarinnen seit Jahrzehnten im Haingebiet. "Der Mietmarkt ist insgesamt schwierig und eine 60-Quadratmeter-Wohnung für 490 Euro krieg' ich nicht mehr. Woanders müsste ich gleich 850 Euro zahlen", sagt eine andere Bewohnerin.

Kein viertes Geschoss angestrebt

"Wir haben gehört, die Caritas sucht nach Wohnungen, vielleicht als Ersatz für unsere?", fragt Verena Sadri, mit 71 Jahren eine der jüngeren Bewohnerinnen. Die Ungewissheit mache ihr sehr zu schaffen. "Wir gehören zu nichts mehr dazu. Ich weiß noch nicht, ob wir das aussitzen, uns selber etwas Neues suchen oder klagen sollten. Aber ohne Kündigung ist keine Klage möglich - und die würden wir wahrscheinlich auch erst Ende nächsten Jahres kriegen." Auch Sadri hätte sich sehr viel frühere Informationen gewünscht. Ein einziges Mal sei im September bei einer allgemeinen Besprechung am Rande erwähnt worden, dass die Caritas noch nicht wisse, ob sie Wohnungen baue oder nicht.

In der jüngsten Sitzung des Stadtgestaltungsbeirats am 20. September sah es kurz danach aus, als ob es doch noch eine Lösung geben könnte, die vielleicht allen gerecht wird. Zwar hatte sich der Beirat zunächst für eine dreigeschossige Walmdach-Planung als "die zielführendste Variante" ausgesprochen, bevor dann aber nach Wortmeldungen von Ursula Sowa (GAL) und Bewohnerin Barbara Kremer noch einmal das Wohnungsthema auf den Tisch kam.

Der Vorsitzende des Stadtgestaltungsbeirats, Ludwig Wappner, ein Architekt und Stadtplaner aus München, erklärte: "Wir sind in der Bredouille. Ich gönne es jedem, der da wohnt, aber ein Staffelgeschoss passt da leider nicht drauf und korrespondiert auch nicht mit der Nachbarschaft." Die favorisierte Variante sei dagegen "gemeinsam entwickelt und städtebaulich gut". Doch könne sich der Beirat vorstellen, das Ganze mit einer viergeschossigen Mansardendach-Variante noch einmal zu diskutieren.

"Wir werden den Vorschlag aufgreifen und lieber noch mal eine Runde drehen, um die Wohnungen zu erhalten", hatte Caritas-Bereichsleiterin Friederike Müller darauf zunächst erklärt. Doch der städtische Baureferent Thomas Beese wies darauf hin, dass bei einem vierten Vollgeschoss auch größere Abstandsflächen einzuhalten seien, was die Gestaltungsmöglichkeiten einschränke.

"Die Caritas hat inzwischen abschließend verbindlich erklärt, ein viertes Geschoss nicht mehr anzustreben", erklärte Thomas Beese vor kurzem auf unsere Anfrage. Der Baureferent freue sich über dieses klare Ergebnis.

"Wir müssen umbauen, damit das Haus den Vorgaben des bayerischen Pflege- und Wohnqualitätsgesetzes entspricht. Das müssen wir umsetzen", sagt Klaus-Stefan Krieger, der bei der Caritas für die Unternehmenskommunikation verantwortlich ist. "Unsere Absicht war es, die Wohnungen zu erhalten. Aber mit diesen Vorgaben können wir das im Neubau nicht verwirklichen." Die Caritas werde für die Bewohnerinnen Lösungen suchen und "sobald eine Lösung da ist, werden sie auch darüber informiert".

Bewohnerinnen wie Verena Sadri machen aber auch deutlich, dass sie nicht jeden Vorschlag akzeptieren würden: "Wir wollen nicht irgendwo in den Landkreis oder an den Stadtrand. Viele von uns leben schon lange hier und wollen auch weiterhin mit dem Rollator ihre Einkäufe erledigen."

KOMMENTAR von Stefan Fößel

Über Lösungen sprechen

Es ist eindrucksvoll, wie geistig rege die Bewohnerinnen der dem Pflegezentrum angegliederten Apartments noch sind. Sie können ihre eigene Situation gut einschätzen und hätten es verdient, dass sie an der Diskussion über ihre Zukunft beteiligt werden.

Mit günstigen Senioren-Wohnungen lässt sich nicht viel Geld verdienen. Doch zeigt das Beispiel aus dem Ottoheim auch auf, wie ein selbstbestimmtes Leben im Alter aussehen kann, wie über 80-Jährige ihren Alltag trotz einiger körperlicher Gebrechen meistern und sich gegenseitig dabei unterstützen. Dieses Modell könnte auch Jüngeren die Angst vor dem Alter nehmen.

Wenn die Caritas die Wohnungen nun im Neubau nicht mehr verwirklichen kann, muss sie ihrer Verantwortung gerecht werden und Lösungen finden. Dass das auf dem Bamberger Wohnungsmarkt für keinen leicht ist, schon gar nicht für hochbetagte Mieter, wissen alle Beteiligten. Aber das soziale Netz und auch das Netzwerk des Caritasverbands sind bestimmt groß genug, um auch zehn rüstige Seniorinnen aufzufangen.