Mehrere hundert Gläubige beteiligten sich am Sonntag an der Prozession zu Ehren der Muttergottes. Höhepunkt ist stets die Begegnung der Muttergottesfiguren von St. Martin und Obere Pfarre (Zu unserer lieben Frau) am Grünen Markt.

Seit mehr als 300 Jahren wird die Muttergottesstatue anlässlich des Hochfestes der Aufnahme Mariens in den Himmel (15. August) von der Oberen Pfarre vom Altar genommen, in ein kostbares Brokatkleid gehüllt, reich mit Blumen geschmückt und in einer feierlichen Prozession von 16 kräftigen Männern durch die Straßen der Stadt zur Martinskirche getragen. Dort kommt es dann zur symbolträchtigen Begegnung: die glorreiche Muttergottes vom Kaulberg wird der Schmerzensmutter von St.
Martin gegenübergestellt, die den Tod ihres Sohnes Jesu beweint.

Im Gegensatz zur glorreichen Madonna in ihrem purpurrotem Umhang und barocken Kleid präsentierte sich das Gnadenbild aus der Martinskirche heuer ohne Prozessionsrobe. Grund sind die noch Sanierungsarbeiten in dem Innenstadt-Gotteshaus: Man hätte die Figur in ihrer vollen Kleiderpracht nicht durch das Gerüst transportieren können, das noch in der Kirche steht. In der Pfarrei war man froh, dass es möglich war, die Muttergottes überhaupt hinaus zu schaffen; an der Fronleichnamsprozession hatte sie heuer gefehlt, weil der Haupteingang nicht benutzt werden konnte.

Anders als 2015 spielte das Wetter am gestrigen Sonntag mit und blieben die Prozessionsteilnehmer auf ihrem Weg von der Oberen Pfarre über die Untere Brücke hin zum ersten Altar an der Institutskirche der Englischen Fräulein hin zur Martinskirche und zurück über die Obere Brücke trocken. Zwar sah es zu Beginn noch nach Regen aus, aber als die Gläubigen die Botero-Figur am Heumarkt passierten, kam die Sonne durch die Wolken.

An der Prozession dürften wieder einige hundert Katholiken teilgenommen haben. Die Zahl der Zuschauer schien wesentlich kleiner gewesen zu sein als in den Vorjahren. So zückte Am Kranen nur eine Gruppe von Touristen die Handykameras; selbst vor der Kirche der Englischen Fräulein warteten wenige Zuschauer.

Nur am Grünen Markt war eine größere Menge versammelt, die betend auf die Prozession wartete. Als sich die beiden Gnadenbilder gegenüberstanden, betonten die Geistlichen, dass die Marienprozession nicht nur ein Folkloreakt sei, sondern ein Glaubenszeugnis.