Auf Skiern Richtung Südpol, im U-Boot zum Wrack der Titanic oder gleich ein Senkrechtstart in den Weltraum: Den Kick suchen mehr und mehr Reisende über spektakuläre Erlebnisse. Spektakulär war der Kurzbesuch von Hans-Wolfgang Graf in dem südafrikanischen Kloster Mariannhill sicher nicht. Von den Ergebnissen seiner Stippvisite, die keineswegs nur Fotoalben oder Festplatten füllen, profitieren aber viele Menschen. So entstand daraus ein Kontinente übergreifendes Hilfsprojekt, das am 26. April vielstimmig startet: "Kinder singen für Kinder."

Ein Schlüsselerlebnis
Was brachte den Bamberger Tenor dazu, eine Hilfsbrücke bis in den Süden Afrikas zu initiieren? "Der Anblick spielender Kinder, die ich vom Zaun aus auf dem Klostergelände beobachtete", erinnert sich Graf.
"Welch' unglaubliche Lebensfreude strahlten die Jungen und Mädchen aus, deren Eltern an Aids starben, wie ich später erfuhr!" So wollte der Sänger mehr über das Waisenhaus St. Vincent in der Nähe von Durban wissen und informierte sich bei seiner nächsten Konzertreise. "Über 100 Jungen und Mädchen zwischen 2 und 18 Jahren leben hier." Ein Großteil davon Aids-Waisen. Darüber hinaus betreuen die Ordensfrauen Kinder, deren Mütter und Väter zu arm sind, um sie ernähren zu können.



Nur sind die Mittel in St. Vincent wie vielen Einrichtungen des Landes Graf zufolge knapp. Ein Teil der Aufwendungen sei nur über Spenden zu finanzieren. "Man müsste drei zusätzliche Grundschullehrer einstellen, um die Kinder so zu fördern, dass sie später weitergehende Schulen besuchen können", meint der Sänger. Und hofft auf die Signalwirkung seiner Konzertreihe mit fränkischen Jungen und Mädchen, um in der Region entsprechende Unterstützung zu finden.



Rund 250 Kindergärten und Kindertagesstätten der Erzdiözese schrieb der Tenor an, der möglichst viele Jungen und Mädchen in sein Hilfsprojekt einbeziehen möchte. Mit St. Michael kam's gleich zur Zusammenarbeit. "Fränkische Kinder können auf diesem Weg ja auch viel über Südafrika lernen: die Lebensbedingungen und Nöte von Gleichaltrigen, die in Armut aufwachsen." So zeigte der Sänger bei seinem Besuch in dem Kindergarten auch einen Film über die Aidswaisen von St. Vincent. "Und es war rührend, zu sehen, wie viel Mitgefühl die Jungen und Mädchen angesichts solcher traurigen Schicksale haben."

Afrikanische und deutsche Songs
Auf Swahili sangen die Waisen bei Grafs Besuch "Nakupenda sana, Afrika", um die Liebe zu ihrer Heimat zum Ausdruck zu bringen. Den Song greifen die Bamberger Kinder des Kindergartens St. Michael am 26. April (ab 17 Uhr) auf und stimmen darüber hinaus deutsche Lieder wie beispielsweise auch "Ein Fünkchen Liebe" von Hans Ulrich Pohl oder Robert Jungs "Wir sind alle Kinder Gottes" an.

Der Eintritt zu dem Konzert ist frei. "Wir hoffen aber, dass stattdessen großzügig gespendet wird", so der Tenor, der sich in den vergangenen Jahren auch für Bamberger Einrichtungen wie die Bertold-Scharfenberg-Schule der Lebenshilfe einsetzte. Fast 50.000 Euro hatte Graf ersungen, als man ihm Ende 2011 die Stadtmedaille verlieh. Und führt sein Engagement nun ab 26. April mit vielen Kindern an der Seite fort, um Gelder bis in den Süden Afrikas fließen zu lassen.