"Unsere Arbeitsteams werden massiv gespalten", erzählt sie. So gebe es etwa "Mitarbeiter, die sagen: 'Weil ihr so stur bleibt, sind es wir, die bleiben, die dann später mehr arbeiten müssen'". Auch eine weitere Sache beschäftige sie. "Da haben Pflegekräfte, wie auch ich, sich zum Beispiel über Jahre um kranke Menschen, manchmal im Umgang schwierige Personen gekümmert, da gab es schon mal Aggressionen, es wurde gespuckt und geschlagen - und dann soll man plötzlich einfach nicht mehr gut genug sein".
"Darf Enkel nicht besuchen" - Bambergerin berichtet auch von Konflikten im Privaten
Sie fühle sich "mittlerweile oft krank, bin dünnhäutig geworden und unkonzentriert". Das finde sie schlimm, sagt die Bambergerin. "Ich habe das Gefühl, als würde mir ein Stück meiner Würde abgeschnitten werden". Oft denke sie sich, "ich gelte nicht mehr als Mensch, sondern nur noch als unsolidarisch, manchmal auch als asozial, weil ich ungeimpft bin". Bei der Arbeit schiebe man das Thema besser beiseite, "um dem normalen Tagesgeschäft nachzugehen", so ihre Erfahrung. Nicht nur beruflich, auch privat seien "die Fronten sehr verhärtet". So dürfe sie etwa ihren Sohn und ihren Enkel nicht mehr besuchen, "weil ich ungeimpft bin".
Persönlich sei sie "schon immer impfkritisch, aber früher hat sich niemand darum Gedanken gemacht, weil es ja eine Privatsache war". Schon seit den 80er Jahren habe sich die Pflegerin nicht mehr impfen lassen, erzählt sie. Auch bei ihren Kindern habe sie "immer genau mit den Ärzten besprochen, welche Impfentscheidung notwendig ist und welche nicht". Den mRNA-Impfstoffen stehe sie skeptisch gegenüber. Sie seien für sie "ein genbasiertes Medikament, das im besten Fall einen schweren Verlauf verhindert".
Sie wisse gleichzeitig, "dass die Versorgung von Corona-Intensivpatienten die Pflegekräfte massiv belastet". Doch aus ihrer Sicht könne man "eher von einer Be- als von einer Überlastung" sprechen. "Verschiebungen von planbaren Operationen, wie zum Beispiel Hüftoperationen, gehören meiner Meinung nach dazu, gerade im Winter wegen der vielen zu behandelnden Infektionskrankheiten in den Kliniken", sagt sie. "Priorisierungen vor dem Hintergrund medizinischer Indikationen" seien für sie "klinischer Alltag".
Freude und Skepsis nach Söder-Vorstoß - "bin da etwas hoffnungslos"
Die Impfpflicht im Gesundheitswesen sei aus ihrer Sicht nicht notwendig. "Ich weiß, wie ich mich und andere vor Corona schütze, mit Schutzkleidung, Abstand und Hygienemaßnahmen. Wir haben auf der Arbeit Maskenpflicht, wir achten auf Abstände, wir waschen und desinfizieren regelmäßig die Hände und ich beachte jederzeit individuelle Sorgen", erzählt sie. Pflegekräfte im Gesundheitssektor seien "ja auch die bestgetesteten Personen auf diesem Planeten".
Viren gehörten für die Bambergerin zum "Lebensrisiko", erzählt sie. Durch ihre Arbeit fühle sie sich "auch gefestigt genug, um zu wissen, dass ich daran sterben kann". Dies sei aber "natürlich eine sehr persönliche Aussage". Die Ankündigung Söders, die Impfpflicht aussetzen zu wollen, werde sie "erst glauben, wenn es schriftlich fix ist".
Söder habe "während der Pandemie immer wieder seine Meinung geändert, das ist vielleicht auch wieder nur ein politischer Schachzug, denke ich". Bei ihren Kolleginnen hingegen habe die Aussage positive Resonanz ausgelöst. Sie hätten sich "sich sehr gefreut, ich bin da noch etwas hoffnungslos", erzählt die Bambergerin. "Aber er könnte damit, wenn positiv gemeint, auch die Gesundheitsämter entlasten, die ja die Impfpflicht kontrollieren müssten, das wäre gut." Ganz allgemein wünsche sie sich für die Zukunft, Menschen "mehr zuzuhören", es fehle aus ihrer Sicht aktuell daran, "auch wieder Gemeinsamkeiten zu betonen".
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