• Corona-Krisenstab tagt in Bamberg
  • Stv. Landrat: "Infektionsgeschehen ist längst außer Kontrolle geraten"
  • Krankenhäuser am Limit: Kein einziges freies Intensivbett in Stadt und Landkreis Bamberg
  • Bundeswehr und Polizei sollen Gesundheitsamt unterstützen
  • 12-Punkte-Plan: Diese Schritte sollen dramatische Corona-Lage entschärfen

Das Landratsamt Bamberg hat am Donnerstag den Katastrophenstab wegen der dramatischen Corona-Situation einberufen. Am Vortag hatte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erneut den Katastrophenfall im Freistaat ausgerufen, um nach eigener Aussage insbesondere die Kliniksituation besser koordinieren zu können. Am Donnerstagmorgen (11. November 2021) wurde dann ein 10-Punkte-Katalog des Katastrophenstabs angekündigt. Daraus wurde später ein 12-Punkte-Plan, der nun helfen soll, die aktuelle Lage zu entschärfen.

Dramatische Corona-Lage: 12-Punkte-Plan für Bamberg

  1. Impfzentrum in Hallstadt erhöht Kapazitäten: Das Hallstadter Impfzentrum auf dem Gelände der Robert-Pfleger-Stiftung wird ab sofort 600 Impfungen pro Tag durchführen können. Bislang waren nur etwa 250 Impfungen täglich möglich. Geimpft wird an sechs Tagen pro Woche. Auffrischungsimpfungen sind ab sofort für alle Bürgerinnen und Bürger uneingeschränkt im Impfzentrum möglich. Auch viele Hausärztinnen und Hausärzte bieten nach vorheriger Terminvereinbarung die „Booster-Impfungen“ an.
  2. Mehr Corona-Testmöglichkeiten in Bamberg und Umgebung: Die Infrastruktur für kostenlose Coronatests wird wieder ausgeweitet. Die Tests finden im Testzentrum am Sendelbach in Bamberg, im Corona Service Center am ZOB in Bamberg sowie der Abstrichstelle in Scheßlitz statt. Auch die Teststellen in den Gemeinden sollen wieder hochgefahren werden.
  3. Zusätzliche Intensivbetten in Kliniken: In den Krankenhäusern im Landkreis Bamberg sowie des Klinikums der Sozialstiftung in der Stadt Bamberg werden zusätzliche Intensivbetten bereitgestellt. Diese und nächste Woche werden jeweils fünf weitere Betten dazukommen. Die Normalpflegebetten für Covid-19-Patientinnen und Patienten werden um 55 Betten erhöht.
  4. Generelles Besuchsverbot in Krankenhäusern: Ab morgen (12. November 2021) gilt in der Stadt und dem Landkreis Bamberg ein generelles Besuchsverbot. Ausschließlich therapeutische sowie medizinisch begründete Besuche wie beispielsweise bei der Begleitung schwer kranker oder sterbender Angehöriger, beim Vorliegen eines dringenden Notfalls oder beim Besuch oder der Geburt eines Kindes. Besucherinnen und Besucher sollen ihren Besuch vorher bei den Einrichtungen telefonisch anmelden.
  5. Besuch in Pflegeeinrichtungen und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung: Laut der 13. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung gilt für Besuche in Pflegeeinrichtungen oder Einrichtungen für Menschen mit Behinderung die 3G-Regelung. Es gilt eine verpflichtende FFP2-Maskenpflicht. Auch für die Beschäftigten gilt die FFP2-Pflicht an Orten mit genereller Maskenpflicht. Eine medizinische Gesichtsmaske ist nicht mehr ausreichend.
  6. Corona-Bürgertelefon-Hotline: Die Stadt schaltet die Corona-Hotline ab sofort wieder frei. Unter 0951/872525 ist das Bürgertelefon montags bis donnerstags von 8.30 Uhr bis 15 Uhr sowie freitags zwischen 8.30 Uhr und 12 Uhr erreichbar, um Fragen ohne medizinischen Hintergrund zu beantworten. Für medizinisch relevante Anfragen sind die Hausärztinnen und Hausärzte ansprechbar. Positiv getestete Personen werden eigenständig vom Gesundheitsamt kontaktiert.
  7. Ausgeweitetes Kontaktmanagement im Gesundheitsamt: Das Landratsamt hat die Kapazitäten des Kontaktmanagements im Gesundheitsamt aufgrund der drastisch gestiegenen Neuinfektionen deutlich ausgeweitet. Es wird Personal aus allen Bereichen zur Unterstützung eingesetzt sowie Anfragen auf externe Unterstützung bei Polizei und Bundeswehr gestellt.
  8. Termine in Rathäusern und Landratsamt nur nach Vereinbarung: Termine in den Rathäusern in Stadt und Landkreis Bamberg sowie im Landratsamt sind nur noch nach vorheriger Vereinbarung möglich. Alle Informationen gibt es auf der Website der Stadt Bamberg sowie auf der Homepage des Landratsamtes
  9. Veranstaltungen in Innenräumen abgesagt: Die Stadt Bamberg hat ihre offiziellen Veranstaltungen in Innenräumen ab morgen (12. November 2021) abgesagt. Stadtratssitzungen wird es durch die aktuelle Rechtslage weiterhin geben. Aktuell gilt für die Stadtratssitzungen die 3G-Regelung. Verlegbare Veranstaltungen werden auch im Landkreis abgesagt.
  10. 2G-Regelung in Kulturstätten: Im E.T.A.-Hoffmann-Theater, in der Konzert- und Kongresshalle sowie der Brose-Arena gilt ab morgen (12. November 2021) die 2G-Regelung. Außerdem muss durchgängig eine FFP2-Maske getragen werden, auch am eigenen Platz. Der Verkauf von Speisen und Getränken in den Pausen findet nicht mehr statt.
  11. Schwimmbad-Besuch im Bambados mit 2G: Für den Besuch des Schwimmbades „Bambados“ am Stadion gilt die 2G-Regelung. Zusätzlich zum Nachweis über eine vollständige Impfung oder Genesung wird ein amtlicher Lichtbildausweis benötigt. Kinder bis zum 12. Lebensjahr sind von der Regelung ausgenommen. Nach der Übergangsregelung des Freistaates Bayern dürfen bis zum 31. Dezember 2021 auch minderjährige Schülerinnen und Schüler zwischen 12 und 18 Jahren beim Schulschwimmen und dem Vereinssport im Bambados ohne 2G-Nachweis teilnehmen, sofern sie sich an der Schule regelmäßig testen lassen.
  12. Strengere Kontrollen in der Gastronomie: Der Krisenstab fordert die gastronomischen Einrichtungen auf, die Regelungen zu kontrollieren und zuverlässig sicherzustellen, dass die Nachweise für Geimpfte, Genesene und Getestete überprüft werden.

Am Donnerstagmittag (11. November 2021) gab es eine Pressekonferenz des Corona-Krisenstabs. inFranken.de war live dabei. Hier kannst du die wichtigsten Punkte nachlesen.

Update vom 11.11.2021, 13.42 Uhr: Booster-Impfungen zeigten Wirkung

Impfen sei der Appell der Stunde, so Landratsamtssprecher Frank Förtsch. Die Booster-Impfung wirke, der Beweis zeige sich in den Alten- und Pflegeheimen bei den vulnerabelsten Gruppen, so Professor Sackmann. Die Wirkung lasse nach fünf, sechs Monaten deutlich nach, Auffrischen sei gerechtfertigt.

Update vom 11.11.2021, 13.31 Uhr: Wird Weihnachtsmarkt in Bamberg abgesagt?

OB Starke will den Weihnachtsmarkt nicht selbstständig absagen, er warte auf eine "bayernweite Lösung". Neuigkeiten gibt es aus dem Impfzentrum. Dort könne man sich anhand unterschiedlicher aktueller Untersuchungsergebnisse auch schon ab dem fünften Monat boostern lassen, so der Vorsitzende der Sozialstiftung Bamberg.

Junge Menschen sollten sich nicht in Sicherheit wiegen, der jüngste Patient an der Beatmungsmaschine in Bayern sei 17 Jahre alt, so Xaver Frauenknecht.

Update vom 11.11.2021, 13.23 Uhr: Bundeswehr soll das Gesundheitsamt Bamberg unterstützen

Konkret sollen 600 Impfungen pro Tag an sechs Tagen der Woche durchgeführt werden, so OB Starke. "Wir haben genug Impfstoff auch für Auffrischungen." Starke fordert auch eine Impfpflicht für Kita- und Pflegepersonal. Erneute kostenlose Tests halte er für richtig. Die gemeindlichen Teststellen sollen dafür wieder hochgefahren werden.

In Stadt und Landkreis gilt ab morgen, 12. November 2021, ein generelles Besuchsverbot in Kliniken. Ausnahmen sind Kinderklinik, Begleitung schwer Kranker und medizinisch begründete Besucher. Das Bürgertelefon werde außerdem reaktiviert, so Starke.

Es liefen derzeit Anfragen bei der Bundeswehr zur Unterstützung im Gesundheitsamt. Die Stadt habe des Weiteren alle offiziellen Veranstaltungen abgesagt, Stadtratssitzungen fänden weiter statt. In der Brose-Arena herrsche ab Freitag 2G, durchgängige Maskenpflicht und Verbot von Essens- und Getränkeverkauf in den Pausen. Starke appelliert an die Gastronomie, stärker zu kontrollieren, ob Gäste Nachweise dabei haben. Starke appelliert an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen. Er rate dringend zu Selbsttests, bevor man sich mit Freunden oder Verwandten treffe.

Update vom 11.11.2021, 13.13 Uhr: Elektive Eingriffe werden verschoben

Bis zur kommenden Woche sollen zusätzlich zehn Intensivbetten und über 55 neue Normalbetten geschaffen werden, so der Vorsitzende der Sozialstiftung Bamberg Xaver Frauenknecht. Elektive Eingriffe würden wieder verschoben, Frauenknecht spricht von Beispielen, in denen Menschen mit schweren Unfallverletzungen teils über zehn Stunden in Schockräumen warten müssen.

Der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft des Landkreises Bamberg (GKG), Udo Kunzmann, kündigte an, die Testkapazitäten deutlich zu erhöhen. Innerhalb eines Tages habe sich die Impfquote in Bamberg schon verdreifacht, dass das so weitergeht, darauf hoffen hier nun alle.

Update vom 11.11.2021, 13.08 Uhr: Gesundheitsamt: Corona-Zahlen in Stadt Bamberg so hoch wie nie zuvor

Bei 250 Corona-Fällen sei man nicht mehr in der Lage, alle Betroffenen schnell zu erreichen, so die Leiterin des Gesundheitsamts Bamberg, Susanne Paulmann. Bereits in der kommenden Woche gebe es Unterstützung durch die Polizei mit insgesamt zehn Extrakräften.

Im November habe es bereits 1100 Neuinfektionen in Kreis und Stadt gegeben. "In der Stadt Bamberg hatten wir noch nie eine Inzidenz von 360."

Update vom 11.11.2021, 12.57 Uhr: Vierte Corona-Welle trifft Kliniken im Raum Bamberg "mit voller Wucht"

Der ärztliche Leiter der Krankenhaus-Koordination Bamberg-Forchheim, Professor Michael Sackmann, hätte nicht gedacht, dass die "Infektionen so schnell ansteigen". Die Belegung der Betten durch Corona-Patienten und Patientinnen sei "kaum tragbar". Fulda sei nur eines von mehreren Beispielen für Verlegungen in den vergangenen Tagen. Eine beatmete Person zu transportieren, sei keine einfache Sache, sondern "höchst bedrohlich". Die vierte Welle treffe "mit voller Wucht" auf Kliniken an Belastungsgrenzen. 

Es sei "unverständlich", dass Leute sich immer noch nicht impfen lassen würden. Die Kliniken "leiden jetzt unter dieser Vorgehensweise", so Sackmann. 

Update vom 11.11.2021, 12.52 Uhr: "Infektionsgeschehen ist längst außer Kontrolle geraten"

"Die Lage ist nicht nur ernst, sondern alarmierend. Die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit ist noch nicht so ausgeprägt, wie sie sein sollte", sagt Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) bei einer Pressekonferenz am Donnerstagmittag (11. November 2021)

"Das Infektionsgeschehen ist längst außer Kontrolle geraten. Die Neuinfektionen sind so hoch wie noch nie in der Pandemie. Das ist sehr besorgniserregend und beängstigend", ergänzt der stellvertretende Landrat Bruno Kellner. Es seien sogar Verlegungen von Corona-Kranken nach Fulda nötig gewesen, die Krankenhäuser in der Region hätten einen "Hilfeaufruf gesandt, der nicht zu überhören war".

Erstmeldung vom 11.11.2021: Bamberg ruft Bundeswehr zu Hilfe 

Der gemeinsame Katastrophenstab von Stadt und Landkreis Bamberg werde am Donnerstag um 12 Uhr zusammenkommen, erklärt der Sprecher des Landratsamts Bamberg, Frank Förtsch, gegenüber inFranken.de. Mit dabei seien unter anderem Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD), der ärztliche Leiter des Stabs, Professor Michael Sackmann, Vertreter von Sozialstiftung Bamberg sowie der Gemeinnützigen Krankenhausgesellschaft des Landkreises. 

"Es geht im Wesentlichen darum, die Krankenhausbetten-Situation zu bewältigen", erklärt Förtsch. Dabei werde ein 10-Punkte-Katalog abgestimmt, "der besagt, wie wir den Herausforderungen in den Kliniken begegnen wollen". Konkret gehe es "um die Schaffung zusätzlicher Intensivbetten, darum, die Testkapazitäten zu erhöhen und auch die Impfkapazitäten". 

Außerdem würde aus den Geschäftsbereichen des Landratsamts Personal abgezogen, um das Gesundheitsamt "insbesondere bei den Anfragen zu Corona-Kontakten und weiterem" zu unterstützen, so der Sprecher. Doch dies reiche alleine nicht: "Wir haben bereits bei der Bundeswehr, aber auch bei der Polizei Anfragen zur Unterstützung gestellt", sagt Förtsch. Um 12.30 Uhr sollen die Ergebnisse detailliert vorgestellt werden. 

Katastrophenfall: Gesundheitsamt kann Infizierte nicht mehr sofort kontaktieren

Eine "täglich dreistellige Zahl von Neuinfektionen" führe dazu, dass "der Fachbereich Gesundheitswesen die Betroffenen trotz zusätzlicher Kräfte nicht sofort kontaktieren kann", heißt es in einer Pressemitteilung der Behörde. Um eine möglichst schnelle Kontaktaufnahme zu ermöglichen, sollte einiges beachtet werden, schreibt das Landratsamt. 

"Liegt Ihnen ein positives PCR-Testergebnis vor, dann müssen Sie sich sofort in Quarantäne begeben", so das Amt. Das Gesundheitsamt werde vom Labor über dieses Testergebnis informiert und spreche die Betroffenen direkt an. "Bitte vermeiden Sie telefonische Rückfragen, weil dies die Arbeit der Kontaktermittler zusätzlich verzögert", appelliert die Behörde. 

Dieser Text wird fortlaufend aktualisiert, alle neuen Infos zur aktuellen Corona-Lage in Bamberg gibt es bei inFranken.de.