Vor einem Jahr noch hätte sich Gerald Friedrich nicht träumen lassen, was nun passiert. Der von Verbindlichkeiten aus der Bayernligazeit geplagte SC 08 Bamberg zieht in wenigen Wochen auf ein neues Vereinsgelände an die Galgenfuhr - über Nacht gewissermaßen vom Schuldenpaket befreit. Als Ersatz für das in die Jahre gekommene 08-Vereinsheim stellt die Stadt zwei Container auf.

Möglich wird der wundersame Wandel durch die Ansiedlungspläne eines Automobilkonzerns, der nicht nur den Flugplatzbau beschleunigt und eine Starkstromleitung unter der Erde verschwinden lässt, sondern auch die Bamberger Vereinslandschaft kräftig durcheinanderwirbelt.

Beginnen wir bei den Fußballern des Sportclubs 08, derzeit noch im "Waldstadion" im Volkspark beheimatet. Ihr Wechsel ist der letzte Baustein in einem Grundstückstausch, der die für Brose benötigten Flächen an der Bamberger Breitenau frei macht. Doch die Volkspark-Kicker sind die ersten, die die Konsequenzen spüren. Schon im April sollen die Container für den SC 08 anrollen: "Wir sehen dem Umzug mit einem weinenden und einen lachenden Auge entgegen", sagt Vorstandsmitglied Friedrich. Denn natürlich geben die 08er ihren malerisch von Bäumen eingerahmten Platz mit Sitztribüne nicht gerne auf. Andererseits: "Eine Sanierung des Vereinsheims hätten wir uns niemals leisten können."


Vier Plätze müssen neu geschaffen werden

Der Abgang des SC 08 auf einen Ausweichplatz in südlichen Gefilden ist nur die Ouvertüre für ein weit größeres Schauspiel, das bis 2015 in der Mitte und im Norden der Sportstadt über die Bühne gehen soll. Denn den Bauplänen der Firma Brose steht das derzeit von zahlreichen Mannschaften des FC Eintracht bespielte Gelände der Stiftung TSV Eintracht im Weg. Die Folge: Vereinsheim und insgesamt vier Plätze müssen an anderer Stelle neu geschaffen werden.

Im Grundsatz hat der Stadtrat sein Einverständnis zu Kauf und Tausch der Grundstücke samt der damit verbundenen Investitionskosten schon im Frühjahr 2012 gegeben, als er das Gesamtpaket für die Brose-Ansiedlung absegnete. 11,5 Millionen Euro, so die damalige Schätzung, würde die Ansiedlung des Automobilzulieferers die öffentliche Hand kosten. Alleine vier Millionen Euro waren als Aufwand für die Vereinsverlagerungen veranschlagt, eine Summe, die nicht zuletzt aus den teueren Grundpreisen an der Breitenau resultiert.

Wie viel Geld tatsächlich in den Kauf des Eintracht-Geländes, den Bau zweier neuer Vereinsheime, die Schaffung eines Kunstrasenplatzes an der Armeestraße und den Abriss zweier bestehender Vereinsheime fließen werden, darüber hält man sich in der Stadt mit Blick auf die anstehenden Entscheidungen im Stadtrat und im Stiftungsvorstand des TSV Eintracht bedeckt. Sicher ist: Ohne den Parforceritt durch die Instanzen, den die Verwaltung von OB Andreas Starke (SPD) in den vergangenen Monaten hingelegt hat, wären die Brose-Ansiedlung und mit ihr die begründete Hoffnung auf zusätzliche Arbeitsplätze und Gewerbesteuermillionen so nicht möglich gewesen. "Wir haben ein Grundstück verkauft, das uns gar nicht gehört hat. Und niemand hat es gemerkt", lautet ein Satz, mit dem OB Starke nicht ohne Stolz das Wagnis beschreibt, das nötig war, um trotz der Konkurrenz von Würzburg, Coburg und Hallstadt zu einem Abschluss für Bamberg zu kommen.


Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen

An den Mitgliedern des FC Eintracht und den Entscheidern der Stiftung TSV Eintracht wird der Grundstückstausch gewiss nicht mehr scheitern, auch wenn das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. "Uns war von Anfang an klar, dass das eine Riesenchance für den Verein ist", sagt Wolfgang Schauer vom Stiftungsrat. "Durch die Verlegung bündeln wir die Vereinsaktivitäten an einem Ort. Wir bekommen ein Top-Vereinsgelände und ein Vereinsheim neu für alt." Dieses muss die Stiftung zwar selbst bauen, bekommt aber einen festen Zuschuss von der Stadt Bamberg. Ein Verfahren, das nach unseren Informationen unumstritten ist, aber nichtsdestotrotz heftige vereinsinterne Diskussionen darüber ausgelöst hat, was genau bis Herbst 2014 gebaut werden soll.

So blickt man in den Reihen des FC Eintracht mit Respekt auf das, was der MTV auf seinem Vereinsgelände geschaffen hat. Andererseits stellt sich die Frage, ob es möglich wäre, die Kegler des SKC Victoria für eine Kooperation zu gewinnen. Der international erfolgreiche Verein spielt derzeit noch im benachbarten FC Clubheim, an dem der Zahn der Zeit schon sichtlich genagt hat. Ob die eigene Kegelabteilung mit wenig mehr als 30 Mitgliedern eine solche Investition rechtfertigen würde, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Auch Mathias Zeck, Vorsitzender des FC Eintracht, plädiert dafür, die Gunst der Stunde zu nutzen und sorgfältig zu überlegen, wie man das Vereinsheim so gestalten könnte, dass das Gesamtprojekt wirtschaftlich wird. Für den Verein und den gesamten dort entstehenden Fußballpark steht angesichts der Millioneninvestitionen viel auf dem Spiel: "Was jetzt geschaffen wird, entscheidet über die Zukunft des Vereins in den nächsten 30 Jahren."