Sogenannte Autoposer stellen für die Menschen in der Bamberger Innenstadt eine massive Belastung dar. Ohrenbetäubendes Motorengeheul, quietschende Reifen und knatternde Auspuffe - mit ihren PS-starken Fahrzeugen rauben die meist jungen, männlichen Fahrer den Anwohnenden häufig den letzten Nerv. Drei Nachbarn hatten von der Lärmbelästigung endgültig genug: Um sich zur Wehr zu setzen, starteten sie vor Kurzem eine Protestaktion gegen die rücksichtslosen Autofahrer.

Unter dem Motto "Lärm macht krank" rufen Kai Bestmann, Jörg Zimmermann und Oliver Memmel andere Leidensgenossen dazu auf, ihre Erfahrungen zu äußern. Betroffene können sich unter der E-Mail-Adresse poser-bamberg@protonmail.com an die Initiatoren der Kampagne wenden, um sich Gehör zu verschaffen. Binnen kurzer Zeit erreichten die drei Freunde zahlreiche Reaktionen von ebenfalls genervten Innenstadt-Anliegenden. In oft sehr emotionalen Worten schildern sie ihre Sorgen und Nöte.

Autoposer in Bamberg: Anwohner machen ihrem Ärger Luft - das sind ihre Erlebnisse

"Es wird höchste Zeit, dass den übermäßig lauten Motorrädern, Autos und sogenannten Car-Posern der Kampf angesagt wird", begründet ein Paar seine Teilnahme an der Protestaktion. Auch ein anderer Innenstadt-Anlieger hofft, mit der Kampagne etwas zu erreichen. "Es ist absolut überfällig, dass hier etwas passiert", betont er. Früher seien vielleicht ein paar Oldtimer langsam zur Show vorbeigefahren. "Mittlerweile sind es aber, wie angesprochen, immer die gleichen Idioten, die stundenlang ihre Runden drehen."

Eine Bewohnerin der Hornthalstraße erzählt, dass auch sie nachts regelmäßig durch den Auto- und Motorradlärm wachwerde. Über die Geräuschkulisse ärgere sich insbesondere in den Abendstunden. Aus diesem Grund schließe sie sich der Initiative gerne an. Ein anderer berichtet Ähnliches: "Hier durch die Magazinstraße fahren sie auch. Besonders die knallenden Auspuffe lassen einen richtig erschrecken." Ein junger Vater erzählt, dass er durch den nächtlichen Krach "sehr häufig" wachwerde. Auch seine einjährige Tochter sei "durch die Raser" schon geweckt worden.

Entsprechend barsch fällt seine Reaktion aus: "Wir haben in jeglicher Hinsicht die Schnauze voll und sehen es nicht ein, dass unsere Lebensqualität/Schlafhygiene in unser, ansonsten wundervollen, neuen Wohnung von solchen Idioten derart eingeschränkt wird." Nach seiner Beobachtung nutzten die Poser den Margaretendamm von der Löwenbrücke bis zur Ampel Europabrücke als Rennstrecke. An der Ampel machten sie mit ihren quietschenden Reifen "nochmal extra Krach".

"Lärm mindert Wohnqualität": Bambergerin sucht sich neue Wohnung

Eine Frau, deren Wohn- und Schlafzimmer zur Kapuzinerstraße herausgehen, betont: Ihr sei beim Einzug in ihre Wohnung durchaus bewusst gewesen, dass unter ihrem Fenster "normaler Autoverkehr" herrsche. Aufgrund der dortigen Tempo-30-Zone habe sie dennoch keine Bedenken gehabt. "Leider stellte sich dann, als es wärmer wurde, recht schnell ein unerträglicher Zustand ein, verursacht durch Autoposer, Biker und andere Raser, die mit dröhnenden Motoren durch die Straße rasen", konstatiert die Bambergerin.

Manchmal werde man auch um 3 Uhr früh von den Rasern geweckt - "auch mit Oropax, ohne die man hier sowieso nicht schlafen kann". Laut ihrem Eindruck sei die Kapuzinerstraße "wohl eine Art 'Rennstrecke' für die Autotuner-Szene". Der Ablauf sei demnach immer gleich: "Die Fahrer der aufgemotzten Autos beschleunigen unmittelbar nach der Kurve am Kranen und fahren mit unfassbar lautem Motorengeräusch und sehr hoher Geschwindigkeit durch die Kapuzinerstraße", berichtet die Anliegerin.

"Beim Abbremsen entstehen dann laute Knallgeräusche, die dann die Anwohner an der Kreuzung Richtung Markusplatz direkt vor ihren Fenstern ertragen müssen." Auch Motorradfahrer nutzten die gerade Strecke zum Beschleunigen und führen "mit knatternden und dröhnenden Motorengeräuschen" durch die 30er-Zone. "Der Lärm und die Häufigkeit, in der er auftritt, mindert die Wohnqualität so sehr, dass ich mir leider eine andere Wohnung suchen werde", hält die merklich Leidgeprüfte fest. 

Anwohnerin sicher: "Auf Dauer führt der Lärm zu einer psychischen Belastung"

Eine weitere Frau kriegt laut eigener Aussage nachts ebenfalls oft kein Auge zu. "Ich schlafe mittlerweile jede Nacht bei meinem Freund - vor allem am Wochenende", schreibt sie. "Bei dem Lärm kann keiner schlafen." Auch eine junge Bamberger Familie verbringt das Wochenende wegen der Autoposer meist auswärts. 

Vergleichbar ergeht es einer anderen Innenstadt-Bewohnerin. Sie kritisiert: "Auf Dauer führt der Lärm zu einer psychischen Belastung. Ich fühlte mich im Sommer absolut unwohl in meiner Wohnung, saß dort teils weinend und wollte schon ausziehen."

Ein Mann spricht mit Blick auf die Autoposer von den "typischen Kandidaten", die mit "RS3, Golf GTI und Harley" in der Innenstadt dafür sorgten, dass "wir für einen Moment unsere Gespräche unterbrechen müssen". Der Bamberger betont, dass er als Motorradfahrer "nun wirklich nicht lärmempfindlich" sei - "aber es gibt zu viele Affen, die es übertreiben".

Betroffene fordern Stadt und Polizei zum Handeln auf

Eins haben die Unterstützer der Initiative indes gemeinsam: Sie wünschen sich, dass von Behördenseite endlich etwas gegen ihr Problem unternommen wird. Manche von ihnen seien diesbezüglich bereits in Eigenregie tätig geworden - meist jedoch ohne den erwünschten Erfolg.

"Ich habe schon öfter Kontakt zur Polizei aufgenommen und habe dann immer die Antwort erhalten, dass nicht genug Kapazität da ist. Oder, dass, solange keine Unfälle passieren, kein Handlungsbedarf besteht und auch, dass es Sache der Stadt sei, hier Abhilfe zu schaffen", erklärt eine Bürgerin. "Vonseiten der Stadt hieß es, dass es alleine Polizeisache wäre."

Sie kritisiert: "Ich finde es unverständlich, dass hier einfach nichts unternommen wird und dieser Zustand einfach von allen Seiten geduldet wird. Als Anwohnerin fühle ich mich sowohl von der Polizei als auch von der Stadt alleine gelassen mit dem Problem." Ins gleiche Horn stößt ein anderer Bamberger. "Was mich am meisten aufregt: Warum greift die Polizei nicht durch?"

Bürger bringen selbst Maßnahmen ins Spiel: Lautstärke-Messgerät als Lösung?

Die Lösungsvorschläge der Anwohnenden reichen derweil von nächtlichen Tempobeschränkungen über mobile Blitzer und "Straßenboller" bis hin zu verstärkten Polizeikontrollen. "Meine Traumvorstellung wäre ja, die Lange Straße am Wochenende ab 18 oder 20 Uhr nur für Anwohner freizugeben", schreibt ein Anlieger.

Ein Paar gibt unterdessen zu bedenken, dass Geschwindigkeitskontrollen das Problem der Lärmbelästigung nicht nachhaltig lösen würden. "Hier geht es vielmehr um die Aufmerksamkeit, die durch die Lautstärke, Fehlzündungen und Fahrweise erregt werden soll."

Dies sei auch innerhalb der zulässigen Geschwindigkeit möglich. Eine Frau plädiert aus dem gleichen Grund für einen anderen Weg. "Vielleicht kann auch mal eine Art Messgerät für die Lautstärke installiert werden", schlägt sie vor. Ihr sehnlichster Wunsch: "Hoffentlich findet sich bald eine Lösung für das Problem, das so viele Anwohner hier betrifft."

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