Bamberg
Lärmbelästigung

Autoposer-"Knallköpfe" in Bamberger Innenstadt - Anwohner setzen sich zur Wehr

Autoposer sind für Anwohnende in der Bamberger Innenstadt ein massives Problem. Viele leiden immens unter der Lärmbelästigung. Drei genervten Nachbarn reicht es nun: Sie haben eine Protestaktion gegen die rücksichtslosen Autofahrer gestartet.
Bamberg: Genervte Anwohner starten Protestaktion gegen Autoposer -
"Das sind immer dieselben Vögel, die mit ihren Karren protzen", berichtet Jörg Zimmermann, der mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter Charlotte in der Bamberger Kapuzinerstraße wohnt. Foto: Ralf Welz (inFranken.de) / Jessica Braun; Collage: inFranken.de
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  • Autoposer-Wahnsinn in Bamberg: Innenstadt-Anwohnende leiden unter Belästigung
  • Betroffener berichtet: "Das sind immer dieselben Vögel, die mit ihren Karren protzen"
  • Familienvater schildert Leid: Tochter (1) wird nachts aus Schlaf gerüttelt und weint
  • "Lärm macht krank": Nachbarn starten Protestaktion gegen nervende Autofahrer
  • Initiatoren wollen Bamberger Stadtrat mit Anlieger-Schilderungen konfrontieren

Aufheulende Motoren, donnernde Auspuffe, quietschende Bremsen - sogenannte Autoposer stellen für viele Bambergerinnen und Bamberger ein immenses Problem dar. Insbesondere Anwohnende in der Innenstadt leiden unter der massiven Lärmbelästigung. "Das sind immer dieselben Vögel, die mit ihren Karren protzen", berichtet Jörg Zimmermann, der mit Frau und Baby in der Kapuzinerstraße wohnt. Der leidgeprüfte Familienvater hat nun genug: Zusammen mit zwei Freunden, die in unmittelbarer Nachbarschaft wohnen, hat Zimmermann eine Protestaktion gegen die störenden Autofahrer gestartet.

Autoposer-Wahnsinn in Bamberg: Mädchen (1) wird nachts aus Schlaf gerüttelt und weint

"Das war im Sommer echt grausam", schildert Zimmermann seine mannigfachen Erlebnisse am Dienstag (5. Oktober 2021) inFranken.de. Das Wohnhaus, in dem er und seine Lieben leben, befindet sich seit fast 100 Jahren in Familienbesitz. Durch den ausufernden Lärm, den die in der Regel jungen, männlichen Autoposer verursachen, schwindet indes ein Stück weit die Lebensqualität. "Das sind immer dieselben Knallköpfe. Die nehmen oft richtig Anlauf zur Ampel", berichtet der Anlieger der Kapuzinerstraße. "Manche brettern dann in ihrem lauten Mercedes mit 200 Dezibel durch die Straße."

Neben dem Autokrach erschwerten Zimmermann und seiner jungen Familie auch regelmäßig Motorradfahrer das Leben. "Es kann nicht sein, dass irgendein depperter Harleyfahrer hier nachts durchrauscht und meine Tochter davon aufwacht." Und dennoch komme dies immer wieder vor. Der Radau der Motoren beeinträchtige die Nachtruhe seiner 14 Monate alten Charlotte demnach immens. Die Folge: "Meine Tochter wird richtig aus dem Schlaf gerüttelt und weint dann."

Erst am vorletzten Wochenende sei eine rund 30 Mann starke Motorradkolonne durch die Bamberger Innenstadt gefahren. "Die hatten alle möglichen Nummernschilder." Laut Zimmermanns Schilderung kamen die Biker unter anderem aus den Landkreisen Bamberg, Kronach, Coburg und Lichtenfels. "Ich kann nicht sagen, dass ich besonders lärmempfindlich bin. Aber das geht mir auf den Keks." Er wisse von Menschen, die wegen des hohen Lärmpegels sogar weggezogen seien. Eine andere Familie leidet indes derart unter den Posern, dass sie das Wochenende meist auswärts verbringt. 

Bamberger Anwohner von Autoposern genervt: Leidgeprüfte Nachbarn setzen sich zu Wehr

Eins ist dem spürbar genervten Anwohner gleichwohl wichtig: "Ich bin normalerweise selbst ein absoluter Autofan." Seiner Auffassung nach müsse man auch nicht sämtliche Autos gleich verteufeln. "Aber so was geht einfach nicht", gibt Zimmermann mit Blick auf das oft sehr rücksichtslose Verhalten der Autoposer zu bedenken. "Das kann wirklich nicht sein. Das ist unerträglich." Um sich gegen das Poser-Phänomen aktiv zu Wehr zu setzen, hat Zimmermann zusammen mit seinem Freunden und Nachbarn Oliver Memmel und Kai Bestmann nun eine Protestaktion ins Leben gerufen.

Unter dem Motto "Lärm macht krank" rufen die drei Innenstadt-Bewohner andere Leidensgenossen dazu auf, ihre Erlebnisse und Erfahrungen kundzutun. "Wollen auch Sie gehört werden gegen unverhältnismäßigen Lärm in der Bamberger Innenstadt, verursacht von übermäßig lauten Motorrädern und Autos bzw. sog. Car Poser?", halten sie auf einem Flyer fest, der unlängst 500 Mal an Anliegende von Markusstraße, Langer Straße, Kranen, Kapuzinerstraße oder Austraße verteilt wurde. Betroffene können sich demnach unter der E-Mail-Adresse poser-bamberg@protonmail.com an die Initiatoren der Kampagne wenden. "Hier können Sie Ihrer Stimme Gehör verschaffen", heißt es auf dem Flugblatt. 

Die Schilderungen der Anwohnenden wollen Zimmermann, Memmel und Bestmann anschließend gesammelt an den Bamberger Stadtrat weiterleiten. Von den Behörden fordern die Initiatoren zielführende Maßnahmen im Kampf gegen den Lärm. Ein möglicher Lösungsansatz laut Zimmermann: "Es wäre denkbar, dass in manchen Bereichen der Innenstadt ab 22 Uhr Schrittgeschwindigkeit herrscht." Für effektiv hält der 47-Jährige darüber hinaus verstärkte Geschwindigkeitsüberwachungen durch Blitzer. "Die Polizei darf sich gerne mal in der Kapuzinerstraße öffentlichkeitswirksam mit einer Laserpistole hinstellen", appelliert der junge Familienvater. 

Die Bamberger Landtagsabgeordnete Melanie Huml (CSU) kündigte indes nach einem Gespräch mit Anwohnenden im August an, prüfen zu lassen, inwieweit Handlungsmöglichkeiten seitens des Freistaats bestehen - beispielsweise in Hinblick auf eine stationäre Blitzanlage.