Phrasen zu dreschen, ist nicht ihr Ding. Tracks mit verständlicher Message liefern die Bambägga, die seit zehn Jahren gegen pseudocoole Ghetto-Klischees und die grassierende Kommerzialisierung des Hip Hop anrappen. Reime voller Ironie, Beats zum Abgehen und Abheben sind das Erfolgsrezept der Combo, die im Auftrag des Goethe-Instituts auch russische Bühnen bespielt. So backen Jonas und Cony MC längst keine kleinen Brötchen mehr und positionierten sich als Rapräsentanten der Bamberger Szene fern der Heimat. Über den Wandel ihres Genres, die eigenen Anfänge und Zukunftsprojekte sprachen wir mit Jonas MC alias Jonas Ochs.


Keine brennenden Mülltonnen
Ihr seid Bambägga mit "Laib und Seele", wie sich auch Eure aktuelle Scheibe nennt. Aus welcher Intention heraus habt Ihr die Rap-Crew vor zehn Jahren gegründet?
Jonas MC: Uns nervte die Gangsta-Schiene, der sich damals mehr und mehr Rapper verschrieben. Sie waren dabei, die bunte Hip-Hop-Kultur auf dieses Klischee zu reduzieren. Dagegen wollten wir uns wehren und gründeten die Bambägga. Wir wollten wahre Geschichten aus Bamberg erzählen, wo's nun mal keine brennenden Mülltonnen gibt. Und wir wollten den Community-Gedanke aus der Pionierphase der Bewegung aufleben lassen.


Schon im Vorschulalter gereimt
Gab's zuvor schon andere Rap-Projekte mit Cony MC?
Nein, wir waren vor 2005 nur Hip-Hop-Fans, also Konsumenten. Allerdings kennen wir uns seit frühester Kindheit. Im Grunde begann unsere gemeinsame Geschichte bei der Geburt, nachdem unsere Mütter im Klinikum nebeneinander lagen und sich anfreundeten. Cony (alias Constantin Kern) hatte auch als Kind schon den Hang zu Reimen, die auf seinen Einladungskarten zum vierten oder etwa fünften Geburtstag prangten.

Zurück zu den Reimen der Bambägga: Inwieweit reifte die Rap-Crew seit 2005? Inwieweit hielt sich der Elan der Aufbruchphase?
Klar haben wir uns verändert. Cony MC, der damals gerade sein Studium begann, macht derzeit seinen Master im Bereich Nonprofit-Management. Ich selbst bin mittlerweile als Diplompädagoge tätig - und Familienvater. Vom Wickeltisch aus sieht man vieles anders als als Abiturient. Wir hatten früher noch mehr revolutionäre Power, waren aber auch verblendeter. Wir stolperten als Gut-drauf-Jungs einfach auf die Bühne, während andere mit dem Kopf voraus dachten. Eine gewisse Unbekümmertheit und Naivität haben sich die Bambägga aber bewahrt, ebenso wie die Ideale, aus denen heraus wir uns gründeten.


Rappen für YouTube
Wie hat sich die Bamberger Szene im Lauf der Jahre entwickelt?
Die Hip-Hop-Szene ist noch immer sehr bunt und zugänglich. Jeder ist im Grunde mit jedem connected. Einiges hat sich durchs Web 2.0 aber verändert. Viele fühlen sich jetzt schon als Rapper, wenn sie ein Mikro in der Hand halten und irgendwas auf YouTube stellen. Kunst wird auf diese Weise so beliebig, dass keiner mehr dafür zahlen möchte. Auch gibt es weniger Events, auf denen sich Musiker präsentieren, um bekannt zu werden.

Auf welche Highlights blicken die gereiften Bambägga nach einem Jahrzehnt zurück?
Wir spielten mit den Fanta 4, haben vier Alben auf den Markt gebracht. Das Größte aber ist für uns nach wie vor, Bamberg auf Beats zu packen und in die Ferne zu bringen. Wir erzählen Geschichten aus einer uralten Stadt, die eine äußerst aktive Jugendkulturszene hat. Anfangs dachten wir uns noch, das interessiert keinen jenseits von Forchheim, täuschten uns aber gewaltig. Wir schickten in den ersten Jahren ja noch Demo-CDs in Brotzeittüten an sämtliche Jugendzentren des Landes - so richtig old school. Das verhalf uns zu Auftritten quer durch die Republik, denen dann auch 2011 die ersten Konzerte in Russland folgten.

Wie habt Ihr die dortige Hip-Hop-Bewegung erlebt?
Bei Konzerten, die wir gaben, und bei zahllosen Hip-Hop-Workshops an Schulen im Auftrag des Goethe-Instituts. Wir kamen in fünf Jahren viel herum. Zuletzt ging's vor einigen Wochen nach Sibirien. Interessant ist der Zusammenhalt der dortigen Szene. Während bei uns Rapper wie Sido oder Bushido ihr Ego polieren, stehen im Osten noch Tänzer, DJs und Sprayer gleichberechtigt neben den Musikern. Ein Gesamtkunstwerk entsteht aus dem Community-Gedanken heraus, der in den 90ern die Hip-Hop-Bewegung prägte.

Was war der Anlass für den Sibiren-Ausflug?
Übrigens der kälteste (Temperaturen bis minus 27 Grad) und östlichste Trip, an den ich mich erinnern kann. Die Eröffnung eines Zentrums für Deutsche Sprache und Kultur in Irkutsk, einer Universitätsstadt mit rund 590.000 Einwohnern, stand an. Wir spielten in einem alten russischen Kino vor Leuten, die uns als "Stars aus dem Westen" feierten. Und gaben Radiointerviews, in denen wir Hörern erläuterten, warum man als deutscher Rapper nichts zwangsläufig wie ein Schwerverbrecher aussehen muss.

Was haben die Bambägga 2015 vor?
Wir haben uns mit Beats eingedeckt, um uns von verschiedenen Seiten zu neuen Tracks inspirieren zu lassen: Songs für unser fünftes Album. Wobei wir im Vergleich zu früher wesentlich selbstkritischer geworden sind und immer auch versuchen, thematisch über den Bamberger Tellerrand zu blicken.

Das Interview führte Petra Mayer