Es sind Bilder, die einen Eindruck über das tägliche Leben in der Großunterkunft vermitteln. Besonders authentisch soll er sein, deshalb sind die Fotos von den Bewohnern selbst geschossen und mit Zitaten von ihnen versehen. Die Ausstellung "Inside Abschiebelager", die ab 9. Februar bis zum 27. Februar im Bamberger Rathaus gezeigt wird, ist ein weiterer Baustein im Protest des Bündnisses "Solidarity4all", das die Bedingungen in den Flüchtlingseinrichtungen in Bamberg und Manching bei Ingolstadt aufs Schärfste verurteilt.

Seit im Herbst 2015 die Ankunfts- und Rückführungseinrichtungen (Are I und II) entstanden sind, hat sich der Zusammenschluss aus mehreren Menschenrechtsorganisationen immer wieder mit Kritik zu Wort gemeldet. Unter anderem fand im vergangenen Jahr ein Protestcamp mit einer Demo vor der Flüchtlingsunterkunft im Osten Bambergs statt.


Zweifel an der Rechtsstaatlichkeit der Unterkünfte

Die Fotoausstellung, die vom Bayerischen Flüchtlingsrat mitorganisiert wird, soll das "menschenunwürdige System dieser Abschiebelager" zum Thema machen. Konkret gehe es um die Lebensbedingungen der Menschen und die Zustände in den Großunterkünften. Die gezeigten Bilder stammen aus Ingolstadt, der informative Teil der Ausstellung soll sich aber auf die beiden Einrichtungen beziehen.

Laut Katrin Rackerseder vom Bayerischen Flüchtlingsrat ist das Ziel der Ausstellung im Rathaus, Aufklärung für die Bamberger Bevölkerung zu betreiben. "Die Abschiebelager sind menschenverachtend und lassen an der Rechtsstaatlichkeit von Asylverfahren zweifeln, daran ändert auch ein neues Etikett nichts."

Seit vergangenem Jahr firmiert die Unterkunft in Bamberg als Aufnahmeeinrichtung Oberfranken (AEO). In dieser sind neben Menschen aus sicheren Herkunftsländern, die kaum eine Bleibeperspektive haben, auch Flüchtlinge in der regulären Erstaufnahme untergebracht (derzeit insgesamt rund 1230).

Zwar habe es in den letzten Monaten einige Verbesserungen, wie die Einrichtung eines Hauses für Frauen sowie die Asylsozialberatung, gegeben. Doch sei diese weiterhin aufgrund des Betreuungsschlüssels als unzureichend anzusehen, so die Kritik der Aussteller. Die Lebensumstände für die Betroffenen bleibe katastrophal. An dem Zweck der Einrichtung, das Leben der Geflüchteten so unangenehm wie möglich zu gestalten, um eine "freiwillige Ausreise" zu erzwingen sowie schnell und effektiv abzuschieben, habe sich nichts geändert.


Stadtverwaltung kommt entgegen

Dass das "Solidarity4all"-Bündnis seine Protest-Ausstelllung im Rathaus zeigt, ist bemerkenswert. Noch im August 2016 hatte es Unstimmigkeiten zwischen der Gruppe und der Stadtverwaltung wegen der Auflagen für das mehrtägige Protestcamp gegeben. Die Demonstranten wollten damals durch die Innenstadt ziehen, doch der Teil der Strecke wurde von der Stadt aus Sicherheitsgründen nicht genehmigt. Auch Zelten blieb untersagt, was schlicht daran gelegen habe, dass die Stadt keine entsprechende Fläche zur Verfügung hatte, erklärt Stadtsprecherin Ulrike Siebenhaar. Meinungsfreiheit sei aber ein hohes Gut, jeder dürfe selbstverständlich das Demonstrationsrecht ausüben. Deshalb dürfe das Bündnis jetzt auch die Ausstellung im Rathaus präsentieren, so Siebenhaar. Katrin Rackerseder vom Flüchtlingsrat bestätigt den positiven Austausch mit der Behörde: "Die Stadtverwaltung ist uns für die Ausstellung sehr entgegengekommen."

Die Regierung von Oberfranken hatte bereits auf Kritik des Protestcamps reagiert und einen Faktencheck zur Flüchtlingsunterbringung eingerichtet. Unter www.regierung.oberfranken.bayern.de/aeo ist dieser abrufbar.


Eröffnung und Dauer der Ausstellung "Inside Abschiebelager"

Die Ausstellung "Inside Abschiebelager" zeigt Fotos, Statements und Informationen über die Flüchtlingsunterkünfte in Bamberg und Ingolstadt.

Die Eröffnung Am Donnerstag, 9. Februar, um 16.30 Uhr, wird im Erdgeschoss des Rathauses am Maxplatz die Ausstellung unter anderem von Drittem Bürgermeister Wolfgang Metzner (SPD), Katrin Rackerseder vom Bayerischen Flüchtlingsrat und Ursula Sowa vom Ombudsteam der Stadt Bamberg eröffnet.

Die Termine Die Ausstellung des "Solidarity4all"-Bündnisses gegen Ausgrenzung und Abschiebelager ist im Rathaus bis zum 27. Februar zu sehen und wird danach vom 16. März bis 7. April in der Scheinbar gezeigt (Untere Königstraße 23, täglich ab 20 Uhr geöffnet).