Es war ein grauenvoller Unfall: Ein Unglück, das Ende April 1997 einen 18-Jährigen und eine 57-jährige Frau das Leben kostete. Der junge Mann starb eingeklemmt im Wrack seines Wagens. Ein 19-jähriger Beifahrer hatte sich noch rechtzeitig befreien können, bevor das Auto wenige Sekunden später in Flammen aufging.


Kann Erlebnisse nicht vergessen

Gegen 23 Uhr waren die beiden jungen Leute von Unterneuses her kommend nach Burgebrach unterwegs. Vor einer leichten Linkskurve wollte der 18-Jährige zwei Autos überholen, konnte aber nicht mehr rechtzeitig einscheren. Es kam zum Frontalzusammenstoß mit einem entgegenkommenden Wagen, dessen Fahrerin lebensgefährlich verletzt wurde. "Das alles ist nun schon fast 20 Jahre her", sagt Dekan Albert Müller, der am Unfallort war.
"Vergessen aber kann ich meine Erlebnisse von damals nicht."



Auf einer Feier

Als aktiver Feuerwehrmann wurde Müller in jener Nacht zum Einsatzort gerufen. "Ich war noch Kaplan - und auf einer Feier eingeladen", erinnert sich der heutige Dekan des Dekanates Burgebrach. "Als ich eintraf, sah ich den brennenden Wagen, in dem der junge Mann ums Leben gekommen war." Der Rettungsdienst brachte seinen Beifahrer mit einem Schock und leichten Verletzungen in die Steigerwaldklinik, wie der FT berichtete. Auch für die 57-jährige Frau bestand zu dieser Zeit noch Hoffnung. Sie kam in die Uni-Klinik Erlangen, "starb aber tragischerweise wenig später - ein Frau aus unserer Gemeinde".


Bilder des Schreckens

Es war der erste tödliche Unfall, den der Burgebracher Dekan als Feuerwehrmann erlebte. Immer wieder standen ihm danach die Bilder aus jener Schreckensnacht vor Augen. "Vermutlich war der 18-Jährige gerade auf dem Weg zum Burgebracher Frühlingsfest, als dieses schreckliche Unglück geschah", meint Müller. Wieder und wieder kreisten seine Gedanken um die beiden Menschen, die bei dem Frontalzusammenstoß aus dem Leben gerissen wurden - und ihre Familien. Geholfen hätten Gespräche, wie sie Müller als Notfallseelsorger später auch mit anderen in ähnlichen Situationen führte. "Mittlerweile gibt es für den Landkreis sogar einen feuerwehrinternen Arbeitskreis für die psychosoziale Notfallversorgung."



Sieben Kreuze

Mit dem Thema Notfallseelsorge hatte sich der Franke schon in seiner Zulassungsarbeit befasst, an der Müller damals schrieb. Zum Anlass waren zwei andere tragische Unfälle geworden, bei denen in einer Nacht 13 Menschen verunglückten, neun davon tödlich. Bei winterlichen Straßenverhältnissen war es am 19. Februar 1995 zunächst in Bamberg und wenig später außerhalb der Stadt - am Debringer Berg - zu der Katastrophe gekommen: "An der B 22 stehen noch heute die sieben Kreuze, die daran erinnern."



Bei Eisesglätte

Inmitten der Faschingszeit ereigneten sich die beiden Unfälle, über die auch die überregionale Presse berichtete. "Dass in einer Nacht auf diese Weise so viele Menschen sterben, habe ich in den 25 Jahren meiner Tätigkeit nur einmal erlebt", sagt FT-Fotograf Ronald Rinklef. Glatteis hatte dazu geführt, dass ein BWM gegen 4.20 Uhr - von der Forchheimer Straße her kommend - auf der Heinrichsbrücke ins Schleudern geriet. Der Wagen durchbrach das Geländer und stürzte etwa zehn Meter in die Tiefe. Für eine 60-jährige Frau aus der Region und ihren 31-jährigen Sohn kam jede Hilfe zu spät, während die Frau des Mannes schwer verletzt überlebte.



Konnte nicht mehr ausweichen

Ins Schleudern war auch der Golf geraten, in dem vier junge Leute am Debringer Berg starben: eine 17-jährige Bambergerin, eine 16-Jährige und zwei junge Männer (19 und 15 Jahre alt) aus dem Raum Erlangen-Höchstadt. Eine weitere Mitfahrerin erlag Stunden später im Krankenhaus ihren Verletzungen. Der Wagen der jungen Leute war gegen 5.15 Uhr seitlich auf einen entgegenkommenden Toyota geprallt, der dem Golf nicht mehr ausweichen konnte: Auch für die 29-jährige Fahrerin und eine 32-jährige Begleiterin kam jede Hilfe zu spät. Zwei weitere Frauen (24 und 27) und ein 29-jähriger Mann aus Unterfranken wurden mit schwersten Verletzungen ins Klinikum eingeliefert.


Mitten im Fasching

Unter dem Titel "Das furchtbare Ende einer Disco-Tour" berichtete der Fränkische Tag am darauffolgenden Tag. Auf anderen Seiten der Montagsausgabe sah man Bilder vom närrischen Treiben, das damals seinem Höhepunkt entgegensteuerte: da-runter etliche Aufnahmen von Ronald Rinklef: "Für mich war es furchtbar makaber, wenige Stunden nach den beiden tödlichen Unfällen wieder Bilder von einem Faschingszug machen zu müssen."
Übrigens ist die Zahl der tödlichen Unfälle in der Bamberger Region seit Jahren rückläufig, wie über Peter Krauß als Verkehrssachbearbeiter der Polizeiinspektion Bamberg-Land zu erfahren war. "Das liegt natürlich auch ein Stückweit daran, dass die Fahrzeuge immer sicherer werden."

Zahl der Verkehrsunfälle
im Bereich der Polizeiinspektion Bamberg-Land, bei denen ein oder mehrere Menschen starben:

17 Unfälle im Jahr 2003
10 im Jahr 2004
10 im Jahr 2005
4 im Jahr 2006
9 im Jahr 2007
6 im Jahr 2008
7 im Jahr 2009
10 im Jahr 2010
12 im Jahr 2011
4 im Jahr 2012
10 im Jahr 2013
5 im Jahr 2014
8 im Jahr 2015
3 (bislang) im Jahr 2016