Bamberg leidet unter extremer Trockenheit! Nicht nur Wetterexperten sind überrascht, dass es im April so gut wie nicht geregnet hat. Stefan Ochs, Hobby-Meteorologe aus Herzogenaurach und Verfasser eines Newsletters mit den Prognosen für die Region Franken, hat dieser Tage eine ernüchternde Bilanz gezogen: "Summiert man über die letzten acht Wochen auf, so hat es im Bamberger Raum mit 50 Millimeter am wenigsten geregnet. Der aktuelle Grundwasserstand an der Messstation Strullendorf ist für Anfang Mai der drittniedrigste seit Messbeginn 1972."

Waldflächen bieten sich an
Auch die Stadtwerke Bamberg sehen diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Christoph Jeromin, Abteilungsleiter für den Bereich Wasser, erklärt auf Anfrage des Fränkischen Tags: "Die Frühjahre werden immer trockener.
Genau dieser Trend stellt Landwirte vor große Probleme." Doch auch die Stadtwerke (versorgen 40.000 Bamberger Haushalte mit jährlich 5,4 Millionen Kubikmetern Wasser) müssen sich für diese Veränderung wappnen. "Damit unsere Brunnen sich immer wieder regenerieren können, brauchen wir mehr Wasserschutzgebiete. Vor allem Waldflächen bieten sich hier an", so Jeromin. Viele der rund 100 Trinkwasser-Brunnen Bambergs würden in nur 12 bis 13 Metern Tiefe liegen. Zudem seien dort die wasserführenden Schichten mit rund sieben Metern nicht sehr dick, ergänzt der Abteilungsleiter. Die Folge: "Der extrem-trockene Sommer von 2003 ließ Brunnen um über einen Meter absinken. Wenn es nun zwei oder drei Jahre solch trockenen Perioden hintereinander gibt, dann bekämen wir Probleme und müssten über drastische Sparmaßnahmen nachdenken."

Auf dem Niveau von Rom
Dann wäre es wohl nicht mehr möglich, dass Schwimmbäder ihren Betrieb aufrecht erhalten könnten. Oder auch Gartenbesitzer müssten dann mit Einschränkungen der Wasserversorgung fürs Gießen rechnen.

Experten halten es für möglich, dass in den kommenden Jahren die Anzahl der warmen Sommernächte über 25 Grad in Bamberg auf das Niveau von Rom ansteigen wird. Und all das in einer sowieso sehr trockenen Region. Schließlich fallen in Franken nur etwa 600 Millimeter Regen pro Quadratmeter - im Vergleich dazu sind es bis zu 2000 Millimeter in den Alpengebieten von Oberbayern.

Der Bamberger Pankraz Deuber ist derweil auch Leidtragender des trockenen Frühjahrs. Seine rund drei Hektar große Gärtnerei muss er derzeit jeden Tag künstlich beregnen. "Ohne diesen Aufwand würde das Gemüse nicht mehr wachsen. Es ist wirklich ungewöhnlich, denn zu der Trockenheit kommt auch der ständige Wind hinzu, der zusätzlich die Feuchtigkeit aus den Böden bläst." Zudem verwundert Deuber, dass schwere Gewitter bereits im April aufziehen. "Solche Wetterphänomene gab es früher nicht."

Werner Nützel, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes in Bamberg, erklärt: "Die Natur kann im Jahresablauf fehlende Niederschläge teilweise ausgleichen. Dauerhafte Niederschlagsarmut über mehrere Monate lässt sich nicht mehr durch stärkere später einsetzende Regenfälle ausgleichen. Es ist dann immer mit geringeren Erntemengen zu rechnen."

Aber wie wappnen sich Landwirte gegen die Trockenheit? Nützel: "In den letzten Jahren scheint sich ein Trend im Klima durchzusetzen, dass immer häufiger im Frühjahr es zu wenig regnet und deshalb immer öfter Trockenschäden auftreten. Die Landwirte versuchen mit wassersparender Bodenbearbeitung und mit neueren Sorten, die einem geringeren Wasserbedarf im Pflanzenanbau haben, zu reagieren."

Auch eine Chance
Christoph Jeromin von den Stadtwerken sieht in der Knappheit trotz aller Widrigkeiten auch eine Chance: "Vielleicht steigt allmählich die Wertschätzung für unser Wasser. Dieses Lebensmittel ist mit 1,85 Euro für 1000 Liter enorm kostengünstig und für uns hier immer verfügbar. In anderen Regionen der Welt ist das ganz anders."



Niederschläge im April

Niederschlagswerte für April, aufgezeichnet vom Deutschen Wetterdienst nahe der Brose-Arena von 2009 bis 2015:

2009
64,7Liter pro Quadratmeter

2010
18,9 Liter pro Quadratmeter

2011
29,3 Liter pro Quadratmeter

2012
19,7 Liter pro Quadratmeter

2013
51,3 Liter pro Quadratmeter

2014
40,1 Liter pro Quadratmeter

2015
14,6 Liter pro Quadratmeter