Bei vielen stoßen die Glasfiberskulpturen auf begeisterte Zustimmung. Doch es gibt auch eine große Zahl von Kritikern.

Christine Freise-Wonka hat seit kurzem eine Attraktion mehr, auf die sie die Gäste Bambergs bei ihren Führungen durch die Altstadt hinweisen kann. Und sie tut es gerne: "Mir gefallen die Plensa-Skulpturen sehr. Vor allem abends entfalten sie eine fast schon märchenhafte Wirkung. Sie scheinen über der Stadt zu schweben."
Die Begeisterung der weit gereisten Kunsthistorikerin können viele Bamberger teilen. Wie eine nicht repräsentative Umfrage auf www.infranken.de ergab, findet ein Drittel der Teilnehmer, dass die acht Skulpturen, die seit etwa zwei Wochen an bedeutenden Punkten in der Altstadt zu finden sind, gut zu Bamberg passen und die Kunststadt bereichern. Freilich haben sich noch nicht alle ihre Meinung gebildet. 32 Prozent geben an, dass sie noch unentschieden sind und ihnen auch nicht jeder Standort gefällt. Sie haben noch genügend Zeit, um ein Urteil zu fällen: Die Ausstellung, in die Stadt, Oberfrankenstiftung und private Spender rund 80 000 Euro gesteckt haben, wird kommenden Mittwoch eröffnet und dauert mindestens noch bis zum 25. November.

Doch es gibt auch Kritiker, die mit Plensas Leuchtkörpern und ihrem hochfliegenden Standort wenig anfangen können. Zu ihnen gehört etwa Dina Schmid, auch sie hat Kunstgeschichte studiert. Schmid, die in der Rosengasse wohnt, fühlt sich durch Plensa-Plastiken an Leuchtreklame erinnert. "Das Material passt nicht in unsere Altstadt, die Ausstrahlung und Farbigkeit", sagt die Anhängerin von klassischen Formen: "Ein Rodin gefällt mir tausendmal besser." Was nicht heißt, dass Schmid die Ausstellung als solche ablehnen würde. " Ich finde es gut, dass es sie gibt, auch wenn mir die Skulpturen wenig sagen. Ich kann damit leben, weil sie kommen ja wieder weg."

Ganz anders beurteilt die 47-jährige Sabine Sauer die Skulpturen des 1955 in Barcelona geborenen Plensa: Seit die acht sitzenden Kolosse hoch über dem Pflaster ihre Blicke über Bamberg streifen lassen, war sie beim Radfahren schon des öfteren kurz davor, mit Stahlstelen zu kollidieren, so fasziniert war Sauer vom Blick nach oben und dem permanenten Farbwechsel: "Das ist einfach mal etwas Ungewöhnliches", kommentiert die Historikerin, die heute als Geschäftführerin eines Betreuungsvereins arbeitet, begeistert die Skulpturenschau. Einen negativen Kommentar hat sie zumindest in ihrem Umfeld hat sie noch nicht gehört.

Was nicht bedeutet, dass es nur Beifall für die Inszenierung gäbe: Christian Eduard Franke, ein bekennender Anhänger von zeitgenössischer Kunst in der Welterbestadt, findet die Ausstellung zwar spannend und lehrreich für Bamberg, hat allerdings auch seine Schwierigkeiten mit dem dauernden Farbwechsel durch die i n den Figuren eingebauten LEDs: "Das ist mir zu laut, zu sehr effekthaschend", meint der Kunsthändler mit Sitz in der Dominikanerstraße. Auch die Höhe der Skulpturen, die wegen der langen Stahlstelen acht Meter über den Boden ragen, geben ihm Anlass zur Nachdenklichkeit: "Da steckt auch eine gewisse Überheblichkeit drin. Die Skulpturen verweigern sich dadurch dem Betrachter und entziehen sich der Diskussion."



Auch in Künstlerkreisen sorgt Plensa in Bamberg für Aufsehen. Der Bildhauer Bernd Wagenhäuser, der in der Region unter anderem das Kunstwerk am Markusplatz schuf, hat sich am Donnerstag für unsere Zeitung die acht Standorte angesehen. Sein Fazit: "Das hat schon eine gewisse Klasse." Seine anfängliche Skepsis wegen des Materials und der Höhe der Stelen hat Wagenhäuser nach dem Rundgang abgelegt: "Die Sitzenden haben eine durchdringende Plastizität und auch die langen Stelen haben ihre Berechtigung. Ich finde das sehr gelungen."

Trotz dieser Argumente wird es schwer sein, auch die eingefleischten Skeptiker vom Wert der Plensa-Kunstwerke zu überzeugen. Zu ihnen gehört etwa der Bamberger Gärtner Johann Eichfelder: "Mir gefallen die Dinger nicht. Das ist raus geschmissenes Geld", sagt Eichfelder, dem vor allem die Plastik am Schönleinsplatz negativ aufgefallen ist: "Der sitzt ja wie ein Aff´ auf dem Nagelbohrer."

Bernd Goldmann, den Macher der Ausstellung, ficht die Kontroverse nicht an. Seit er 1998 mit Fernando Botero die erste Schau mit Großplastiken an die Regnitz holte, hat die Debatte um Sinn und Unsinn moderner Kunst in Bamberg nicht abgerissen. "Wären alle einer Meinung, dann hätten wir etwas falsch gemacht", sagt er heute.