Da ist die erste Dampflokomotive aus dem Jahr 1904, die die Eisenbahnstrecke zwischen Frensdorf und Ebrach befuhr. Ein pferdebespannter Milchwagen, ein Ochsengespann aber auch ein Zuckerrübenvollernter jüngeren Datums dokumentieren den Wandel in der Landwirtschaft. Frauen mit Wasserbutten auf dem Rücken geben Zeugnis von der gar nicht so guten alten Zeit. Flößer aus dem Frankenwald, Brücken und Fähren lassen den Blick über ursprüngliche Flusslandschaften schweifen.

Bilder berichten von Vereinsfesten, Fronleichnamsprozessionen, von Konfirmation und Hochzeit und geben so Einblick in den Jahreslauf der Menschen im Bamberger Land. Auch das Leid wird in den alten Fotografien greifbar: Beim Brand eines Anwesens oder bei der Gedenkfeier für die gefallenen Soldaten des Zweiten Weltkriegs. Gleich daneben Frohsinn und Leichtigkeit beim Anblick fröhlicher Badegäste im Ebracher Schwimmbad im Jahr 1932, beim Fasching in Burgebrach oder bei Kirchweihfesten. Das pralle Leben eben -nachzuempfinden auf einer Zeitreise in die Vergangenheit, die bewusst macht, wie umfassend sich das Leben in den letzten 100 Jahren verändert hat.

"Ein Schritt gegen den Verlust gemeinsamer Erinnerungen"

150 Fotografien haben die Leiterin des Bauernmuseums Bamberger Land, Birgit Jauernig, Kreisarchivpflegerin Barbara Spies, Anne Schmitt vom Flussparadies Franken, sowie die Kreisheimatpfleger Annette Schäfer und Wolfgang Rössler zu einer Sonderausstellung zusammen getragen. Die Ausstellung gliedert sich in die Bereiche Dorfleben und Landwirtschaft, Menschen - geprägt durch den Jahres- und Lebenslauf, Städte und Dörfer im Bamberger Land, Luftbilder, Technik und Flusslandschaften. Komplett wird die Sammlung durch alte Kameras und Zubehör.

"Ein Schritt gegen den Verlust gemeinsamer Erinnerungen" sei die Ausstellung, schreibt die Museumsleiterin im Flyer. Fotografien aus 120 Jahren und aus allen Städten und Dörfern des Landkreises Bamberg sind im Museum zu sehen. In einer von der digitalen Technik geprägten Zeit löse das Betrachten historischer Fotografien vielfältigste Erinnerungen aus. Jedes historische Foto sei "ein kleines Fenster in die Vergangenheit", das einen neuen Blick auf die Heimat, auf die Menschen, die Kultur, Gesellschaft und Familien zulasse, betonte Jauernig bei der Eröffnung im Beisein zahlreicher Besucher und prominenter Gäste.

"Unser gemeinsames Ziel ist es, das Vergessen zu verhindern und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, welchen Schatz es zu bewahren gilt", erklärte Barbara Spies die Begeisterung des Organisationsteams. Ihr Wunsch sei ein umfassendes Bildarchiv, verriet Spies.

Überraschung für den Landrat

Für Landrat Hans Kalb, der als Hausherr die Museumssaison im Saal der Museumsgaststätte eröffnete, gab es noch eine ganz persönliche Überraschung. Wolfgang Rössler und Dieter Hagen aus Altendorf hatten ein Foto gefunden, das Kalb offensichtlich noch nicht kannte: Es zeigt den Vater des Landrats, der eine Kohlenhandlung betrieb, beim Ausfahren am Steuer eines Magirus. Der Landrat stellte auch Daniel Köpplinger, den neuen Pächter der Museumsgaststätte vor, der den Besuchern "zusätzliche Erlebnisse durch kulinarische Genüsse" verschaffen will.

Bereits bei der Eröffnung des Museums sei es das Ziel gewesen, die Geschichte und Kultur der Menschen auf dem Lande für die Nachwelt zu bewahren und zu dokumentieren, sagte Bürgermeister Jakobus Kötzner, Vorsitzender des Fördervereins Bauernmuseum. Dieser Gedanke werde mit dieser Ausstellung erneut aufgegriffen.