Sieben Bamberger Würden- und Entscheidungsträger erledigen Arnd Rühlmann und Heidi Friedrich auf einen Streich - mit dem Spaten. Helmut Vorndran lässt die bayerische Staatsregierung hinter Gittern verschwinden. So strafen Bamberger Kabarettisten eben Vetternwirtschaft, Fehlentscheidungen, die Vergeudung von Steuergeldern und das ewig währende Prinzip ab, dass die Großen nie genug und die Kleinen dafür die Quittung kriegen. Mord wurde zum "Hobby" diverser Komödianten, zu denen auch Sigi Hirsch zählt. Unter dem Titel "Meuterei auf der Christl" landet die zweite Krimi-Parodie von Rühlmann & Friedrich auf dem Markt. Und wir beleuchten den Geniestreich vor der offiziellen Präsentation in den Haas-Sälen, zu der sich das Autorengespann auch einen satirischen Kurzfilm einfallen ließ.

Keine Sorge! Lange müssen gefrustete Autofahrer, die sich täglich eine neue Route durchs Bamberger Baustellenchaos suchen, nicht auf das "Spatenstich-Massaker" warten. Schon auf Seite 16 rafft es die lokale Prominenz bei einem "Jahrhundert-Ereignis" dahin, das Vertreter der städtischen Führungsriege sonst öffentlichkeitswirksam in Kameras strahlen lässt. Aber bei der "Inszenierung" zum Bau der "Bayerischen Kunstakademie" übernimmt ein erst auf Seite 191 entlarvter Meuchelmörder die Regie.


Rosamunde-Pilcher-Romantik

Ein Fall für die Kölner Journalistin Carmen Wollersheim und den korpulenten Chansonnier Danilo Dusold, deren Ähnlichkeit mit Friedrich und Rühlmann schon bei "Tod in Klein-Venedig" verblüffte. "Meuterei auf der Christl" zeigt weitere Parallelen auf, wenn sich Wollersheim in einen Touristenführer verliebt und die "Bamberg-Krimi"-Parodie kurzfristig Richtung Pilcher-Persiflage abgleitet: ",Günther', rief sie aus und wollte sich ihm an den sehnigen Hals werfen" . . .

Zu viel versprochen? Glücklicherweise bleibt den Ermittlern keine Zeit, sich in sinnlich-erotische Eskapaden zu verstricken. Trinkfreudig wie Emma Peel und John Steed (obgleich ohne Melone) setzt das "Meuterei-auf-der-Christl"-Duo dem Täter nach, der Bamberg sämtlicher Kapitäne beraubte. Zwar steigen die zwei Spürnasen diesmal nicht in die Katakomben der Domstadt hinab wie beim "Tod in Klein-Venedig". Dafür robben sie neben anderen Protagonisten durchs (!) Grab des Heiligen Otto. So lässt besagter Stadtführer mit "sinnlicher Stimme" Touristen in der Michaelskirche den Beweis antreten, dass man auf makabre Weise tatsächlich Rückenleiden kurieren kann. Die Risiken und Nebenwirkungen der Therapie zeigt allerdings der wohlbeleibte Dusold auf, der unter dem Patron des Erzbistums prompt stecken bleibt.


Touristen im Visier

Ja, mit abgründigem Humor nehmen Rühlmann und Friedrich gerade Touristen auf die Schippe. Zwar springen sie dem Tod gleich wieder - im Gegensatz zu den Bamberger Bürgermeistern, dem Stadtmarketing-Chef und anderen Würdenträgern - von der Schippe. Dafür lästern die Autoren übers Freizeitoutfit der Reisenden und schmieden Pläne, wie man den unschönen Anblick "verlagern" könnte: Bustouristen schon an den Grenzen der Stadt abzufangen und in Hallstadt zu entsorgen, empfiehlt Friedrichs und Rühlmanns "Ratgeber". Zumal Tagestouristen den Stadtsäckel nicht ent-, sondern nur die "Kanalisation belasten".


Rutsche als Falle für XXL-Kids

Ihr Fett kriegen im Rundumschlag aber auch "Jungbürger" ab, die für die zunehmend "breite" Masse stehen: wenn XXL-Kinder aus der Rutsche des Erlebnisbades "Bambados" herausgeschnitten werden müssen. Kurzerhand nehmen die Autoren eben die Eröffnung des Spaßbades vorweg, um den Betreibern zu erläutern, welches Sparpotenzial noch in "Bambados" steckt: Demnach nebelt man Besucher eines Aroma-Bades auch zum Nulltarif über Küchendämpfe aus einer angeschlossenen Gaststätte ein, während jede Fahrradpumpe den Whirlpool zum Blubbern bringt. Und die Weight-Watchers-Anfängergruppe beim gemeinsamen Sprung von Beckenrand im Wellenbad für hinreichend Wellengang sorgt.

Ein weiteres "Bamberg-Lied" wird komponiert, das Weltkulturerbe so manipuliert, dass am Ende selbst der Gabelmann mit der Schaufel in der Hand auf Touristen wartet. Und die "Meuterei auf der Christl"? Eine Fußnote, laut der die beiden Detektive "007"-tauglich dafür sorgen, dass das Schiff bei einer Verfolgungsjagd an der Kanalmauer strandet. Was die gut durchgeschüttelten, aber keineswegs gerührten Touristen zur Revolte treibt.
Zum zweiten Mal punkten Arnd Rühlmann & Heidi Friedrich mit aberwitzigen Ideen. Und bieten als Hobbyautoren der hohen Formulierungskunst manches Profis die Stirn, dessen wohl geschliffene Worte langweilen. Mehr zur "Meuterei" aber in den Haas-Sälen. Und bis dahin "Abwarten und Siebenhügeltropfen trinken", um's mit Wollersheim und Dusold zu sagen.