Die Marktgemeinde führt zum Jahresbeginn die "gesplittete Abwassergebühr" ein. Sie folgt damit einer gesetzlichen Auflage, weil die Kosten der Reinigung des der Kläranlage zugeführten Niederschlagswassers zwölf Prozent überschreiten. Sie liegen bei 23 Prozent. Nach der bisher erhobenen einheitlichen Abwassergebühr von 1,53 Euro pro Kubikmeter werden hauptsächlich gewerbliche Grundstücke unzulässig bevorzugt: Zum Beispiel wird in einem Lebensmittelmarkt nur wenig Trinkwasser zu Schmutzwasser; aber das auf dem weiten Dach und dem befestigten Parkplatz anfallende Niederschlagswasser kommt durch die Mischwasserkanäle verunreinigt in der Kläranlage an. Künftig muss dafür ein Anteil an den Kosten der Abwasserreinigung bezahlt werden.


4451 Fragebögen verteilt

Um den gesetzlichen Auftrag umsetzen zu können, war eine umfangreiche Erhebung der befestigten Flächen im gesamten Gemeindegebiet erforderlich. Zudem bediente sich die Gemeindeverwaltung der Mitarbeit einer Fachanwaltskanzlei aus Greding. Von den 4451 verteilten Fragebögen kamen - teils auch erst durch Nachfassen der Verwaltungskräfte - 4183 ausgefüllt zurück, berichtete Rechtsanwalt Klaus Spahn: mit 94 Prozent ein zufriedenstellendes Ergebnis. Die Grundstücksbesitzer, die sich nicht beteiligten, müssen sich fürs Erste mit einer Schätzung des Flächenfaktors abfinden.

Durch die Befragung weiß man, dass in der gesamten Marktgemeinde 96 Zisternen zur Brauchwassernutzung betrieben werden. Ferner gibt es 78 Zisternen zur Gartenbewässerung und 54 Versickerungsanlagen. Die durchschnittliche Versiegelungsfläche pro Grundstück wurde mit 199,5 Quadratmetern ermittelt. Sodann wurden noch Festlegungen hinsichtlich des Versickerungsgrades getroffen. Wasserundurchlässige Flächen zum Beispiel aus Asphalt oder Pflaster mit Fugenverguss wurden mit dem Faktor 1,0 angesetzt, Pflaster ohne Fugenverguss, auf Sand oder Kies verlegt, werden bei Anschluss an den Kanal mit dem Faktor 0,4 berücksichtigt. Versiegelte Teilflächen, die keinen Anschluss an die Abwasseranlage haben, werden ausgenommen usw. Für all dies wurden per Satzungsbeschluss exakte Kriterien festgelegt.


1,31 Euro pro Kubikmeter Trinkwasser

Auf der Basis der erhobenen Daten sowie der Gesamtkosten der Abwasserreinigung wurde schließlich die neue Abwassergebühr ermittelt. Sie beträgt 1,31 Euro pro verbrauchtem Kubikmeter Trinkwasser und 0,26 Euro pro Quadratmeter anrechenbarer, versiegelter Grundstücksfläche und Jahr. Dabei verzichtet die Gemeinde auf den Ausgleich von Defiziten der Vorjahre, sonst hätte sich eine (fiktive) Abwassergebühr von 1,71 Euro pro Kubikmeter errechnet.

Die neue gesplittete Gebühr wirkt sich unterschiedlich aus. Begrüßt wird sie gewiss von einem Drei-Personen-Haushalt in einer Mietwohnung, also ohne Veranlagung zur Niederschlagswasser-Gebühr. Bei einem Verbrauch von 120 Kubikmetern hat dieser Haushalt bisher 183,60 Euro fürs Abwasser bezahlt, die fiktive Gebühr würde 205,20 Euro betragen. Tatsächlich wird der Haushalt aber nur 157,20 Euro (120 x 1,31 Euro) zahlen müssen, das heißt 48 Euro oder gut 23 Prozent weniger.

Teurer wird es zum Beispiel für einen Ein-Personen-Haushalt mit einem Schmutzwasseranfall von 40 Kubikmetern in einem Haus mit 150 Quadratmetern gebührenpflichtiger Fläche: bisherige Gebühr 61,20 Euro, fiktive Gebühr 68,40 Euro, neue Gebühr 91,40 Euro (aus 52,40 Euro Schmutzwasser- und 39 Euro Niederschlagswasser-Gebühr). Mithin 23 Euro oder gut 3 Prozent mehr als bisher.

Für einen Gewerbebetrieb mit sechs Vollzeitkräften und 800 Quadratmetern versiegelter Fläche stellt sich die Rechnung so dar: bisherige Abwassereinheitsgebühr bei 120 Kubikmeter Verbrauch 183,60 Euro, fiktive Gebühr 205,20 Euro, neue Gebühr 365,20 Euro aus 157,20 Euro Schmutzwasser und 208 Euro Niederschlagswasser-Gebühr. Das bedeutet eine Mehrbelastung um 160 Euro pro Jahr (77,97 Prozent).

Auf Vorschlag von Albert Deml von der Ökologischen Liste wird noch eine Nachberechnung für den Anschluss von 15 Gräben durchgeführt. Kämmerer Christian Kropfelder, dem Bürgermeister Homann "eine riesige Leistung" bei der Vorbereitung des Gebührensplittings bescheinigte, kündete für 2018 neue Vorausbescheide auf der Grundlage des geänderten Abrechnungsmodusses an.


"Atmendes System"

Die Rede war von einem "atmenden System", weil durch Neubaumaßnahmen, Entsiegelungen, Versickerungsanlagen oder auch durch die Einbeziehung der Gräben in der Feldflur jederzeit neue Faktoren für die Globalkalkulation maßgeblich werden können. Die neue Beitrags- und Gebühren-Satzung sowie eine Übergangsregelung wurden vom Marktgemeinderat einstimmig gebilligt. Mit Veröffentlichung im nächsten gemeindlichen Mitteilungsblatt werden sie rechtskräftig.

Keine Hiobsbotschaften hatte Kämmerer Christian Kropfelder zu verkünden, als er dem Marktgemeinderat den Jahresabschluss 2016 vorlegte. Das Haushaltsjahr sei weitgehend planmäßig verlaufen, 210 000 Euro Mehreinnahmen aus der Gewerbesteuer sowie der Einkommensteuerbeteiligung dienten dazu, einige Mehrausgaben abzufangen. So erhöhten sich die Rücklagen im Jahr 2016 von 823 600 auf 1,377 Millionen Euro. Der Schuldenstand stieg binnen Jahresfrist vom 7,42 auf 7,86 Millionen Euro. Der Marktgemeinderat nahm den Bericht zur Kenntnis und verwies ihn an den Rechnungsprüfungsausschuss.