500 Jahre Kaisergrab in Bamberg

2 Min
Fotos: Ronald Rinklef
Fotos: Ronald Rinklef
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Das Grabmal für das heilige Kaiserpaar Heinrich II. und Kunigunde im Bamberger Dom zählt zu den Spitzenwerken Tilman Riemenschneiders. Eine Sonderaus- stellung im Diözesanmuseum ermöglicht einen Gang durch die Geschichte des Kaisergrabs.

Sogar morbide Fantasien werden wach bei der Betrachtung des Kaisergrabs im Dom. Denn vollständige Überreste von Domstifter Kaiser Heinrich II. (973/978 -1024) und seiner Gemahlin Kaiserin Kunigunde (um 980 - 1033) sind darin nicht enthalten. Nur noch ein Unterkieferknochen und Gewänderreste des Kaisers sowie einige Rippen der Kaiserin beherbergt der Zinnsarg, der in Tilman Riemenschneiders Meisterwerk eingelassen ist. Der überaus großen Nachfrage nach Reliquien der beiden Heiligen in früheren Jahrhunderten ist das fast leere Grabmal geschuldet.

Die neue Sonderausstellung im Diözesanmuseum "Zeugnisse aus 500 Jahren Kaisergrabmal" ermöglicht nun einen Gang durch die wechselvolle Geschichte dieser letzten Ruhestätte, die zwischen 1499 bis 1513 an der Stelle der alten Gräber entstand. Das Kaisergrab war der erste bedeutende Auftrag Tilman Riemenschneiders (um 1460-1531) außerhalb Würzburgs. 1#googleAds#100x100 Es gilt als eines der wichtigsten erhaltenen Werke des Meisters überhaupt.

Für Museumschef Holger Kempkens ist dieses spätgotische Riemenschneider-Werk "das bedeutendste historische Ausstellungsstück des Domes", dessen "inneres Zentrum". Dem tragen die Exponate dieser kleinen, aber feinen Ausstellung Rechnung. Sie beleuchten die Doppelfunktion des Kaisergrabes: Zum einen ist es das Grabmal des Stifterpaares, zum anderen ist es ein "monumentales Reliquiar", so Kempkens.

Im Mittelpunkt der Schau steht der Gipsabguss der Deckplatte, den der Nürnberger Bildhauer J. Rotermundt im Jahr 1907 anfertigte. Auftraggeber war damals das Museum der schönen Künste in Moskau. Der vermutlich zweite Abguss, der die lebensgroßen Liegefiguren des Kaiserpaares zeigt, belegt eindrucksvoll die künstlerische Handschrift Riemenschneiders aus nächster Nähe: beseelte Figuren mit Charakterköpfen, unruhiger Faltenwurf als typisches Merkmal der Arbeiten des Würzburger Bildhauers.

Archivalien und Bildzeugnisse informieren über die Entstehung des Grabmals aus poliertem Solnhofener Kalkstein und dessen vier Standortwechsel im 17., 19. und 20. Jahrhundert. Eine kostbare Wappendecke von 1737 zeugt von der besonderen Einhüllung des Kaisergrabes an Festtagen. Anhand von Bildmaterial wird zudem ein Vergleich mit weiteren steinernen Bildwerken Tilman Riemenschneiders gezogen.

Ein besonderes Schaustück in einer der Vitrinen ist die erste komplette Dokumentation des Kaisergrabes aus dem Jahr 1727. Auch die Abschrift einer Urkunde vom 9. September 1513 dient als wertvolle Quelle: Diese Urkunde, deren Original sich im Kaisergrab befindet, belegt die Übertragung der Reliquien des Kaiserpaares in das neue Grabmal durch Bischof Georg III. Schenk von Limpurg eben am 9. September 1513.

Der 9. September war als Termin nicht willkürlich gewählt. Denn am 9. September 1201 erfolgte nach der Heiligsprechung Kunigundes im Jahr 1200 die Erhebung ihrer Gebeine. Heinrichs Gemahlin war 1033 im Kloster Kaufungen bei Kassel verstorben. Wann genau ihre sterbliche Hülle nach Bamberg überführt wurde, ist nicht genau bekannt. Jedenfalls entwickelten sich die Stiftergräber im Dom zu hochverehrten Heiligengräbern.

Ende des 15. Jahrhunderts, als sich die Kunigundenverehrung auf einem Höhepunkt befand, entstanden Pläne, die Kaisergräber neu zu gestalten. Wie aus einem Eintrag in der Bamberger Hofkammerzahlamtsrechnung hervorgeht, erfolgte wahrscheinlich am 19. August 1499 der Vertragsabschluss mit Tilman Riemenschneider.

Von 1949 bis 1969 stand das Grabmal in der Mitte des Kirchenschiffes. Durch den Einbau einer Fußbodenheizung und die damit verbundenen archäologischen Grabungen wurde es abgebaut und an seiner heutigen Stelle zwischen den Treppenaufgängen zum Georgenchor aufgestellt. Am 21. Juni 1971 fand die feierliche Wiedereinbringung der Reliquien durch den damaligen Weihbischof Martin Wiesend statt.

Die Ausstellung im Bamberger Diözesanmuseum, Domplatz 5, dauert bis 12. Januar 2014 und kann dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr besichtigt werden. Der Zugang zur Sonderausstellung ist im regulären Museumseintritt inbegriffen. Das Museum ist vom 19. bis 28. November wegen Umbaumaßnahmen geschlossen.