Der Satz von Baujurist Bernd Bauer-Banzhaf macht die Dimension klar: "Das ist eine massive Verdrängung des normalen Wohnens zugunsten von Ferienwohnungen - vor allem im Innenstadtbereich."

Massiv deshalb, weil sie eben nicht nur an einer Hand abzuzählen sind: Auf insgesamt 330 nicht angemeldete Ferienwohnungen sind Mitarbeiter des Baureferats gekommen. Sie haben auf diversen Internetplattformen und Bamberger Seiten recherchiert und die Liste zudem mit Angeboten ergänzt, die vom Hörensagen bekannt sind oder durch Schilder im Straßenraum beworben werden.

"Vor etwa eineinhalb Jahren ist die Situation hochgekocht", erläuterte Bauer-Banzhaf den Mitgliedern des Bausenats. Aus Teilen des Stadtdenkmals sei vermehrt die Sorge geäußert worden, dass die Zahl der Ferienwohnungen zunehme - Anlass für die Untersuchungen, die die Stadt von März 2014 bis März 2015 durchführte. Dabei kam heraus, dass den über 300 "schwarz" betriebenen Feriendomizilen nur zehn mit Erlaubnis gegenüberstehen.


Brandschutz wichtiges Thema

Das sei nicht nur wegen der nachzuweisenden Stellplätze kritisch, vielmehr aus Brandschutzgründen. Der Baujurist verweist auf das eindringliche Beispiel aus dem oberbayerischen Schneizlreuth: In dem Bauernhaus, das nicht als Unterkunft bewilligt war, waren sechs Menschen bei einem Brand ums Leben gekommen. Bauer-Banzhaf betont: "Wenn aus einer Wohnung eine Ferienwohnung wird, ist das genehmigungspflichtig."

Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) geht in Bamberg jedoch nicht von einem "massenhaften bewussten Gesetzesbruch" aus. "Viele wissen das wohl einfach nicht", merkte er an. Dem soll schnellstmöglich Abhilfe geschaffen werden, unter anderem durch diesen Artikel. Mehrere Fraktionen forderten, die Öffentlichkeit zudem auf anderen Kanälen zu informieren, "damit die Ferienwohnungsbesitzer wissen, dass sich an der Handhabe etwas ändert". So formulierte es Michael Bosch (BR).

Was bedeutet das? Würde man alle illegalen Anbieter strafrechtlich verfolgen, bräuchte die Stadt zusätzlich eine volle Stelle für den Vollzug. Das ist nicht nur zu teuer, sondern liegt auch nicht im Sinn der Stadtverwaltung. Peter Neller (CSU) etwa heißt den aktuellen Zustand zwar nicht gut, begrüßt es aber, dass die Verwaltung ein Vorgehen "mit Augenmaß" angekündigt hat.

"Was passiert, wenn nun jemand den FT liest und einen Schreck kriegt, weil er plötzlich weiß, dass er seine Ferienwohnung illegal vermietet?", fragte Ursula Sowa von der GAL. Die Antwort von OB Starke: "Ich würde mich schleunigst bemühen, dass ich das genehmigt kriege."

Ob die Anträge durchgehen, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab. Man habe auch schon Anfragen abgelehnt, merkt Baujurist Bernd Bauer-Banzhaf an. Er sieht vor allem die Dichte von Ferienwohnungen in bestimmten Straßenzügen in der Altstadt kritisch, etwa in der Fischerei, der Tocklergasse oder der Oberen Sandstraße. Bei letztgenannter gibt es allein bei 36 Hausnummern fünf Anbieter mit neun Ferienwohnungen.

Heinz Kuntke (SPD) mahnte in Bezug auf die illegalen Angebote, "sukzessive vorzugehen und jetzt nicht den Knüppel auszupacken". Er fragte sich, ob man vielleicht schlafende Hunde geweckt habe. "Die wecken wir sicherlich. Doch das ist besser, als dass wir am Ende als schlafender Stadtrat dastehen", antwortete Baureferent Thomas Beese.Er merkte an, dass eigentlich jeder Grundstücksbesitzer eine Informationspflicht habe, und: Wo immer man den Eindruck habe, dass mit dem Brandschutz etwas nicht stimme, werde die Stadt natürlich sofort tätig. Der Baureferent sprach auch positive Auswirkungen von Ferienwohnungen an. Wenn etwa Häuser an großen Kreuzungen oder in Hinterhöfen an Gäste vermietet würden, würden Leerstände verhindert und der Tourismus gefördert. Mittlerweile fänden sich allerdings auch bessere Wohnungen auf dem Markt, die für Dauermieter attraktiv wären.

Ein Zustand wie im italienischen Venedig, wo für die Zukunft mehr Touristen als Einwohner vorausgesagt werden, darf sich in Bamberg laut Herbert Lauer (FW) auf keinen Fall entwickeln. Er brachte eine Satzung zur "Wohnraumzweckentfremdung" ins Spiel, eine Steuerungsmöglichkeit für die Stadtverwaltung. Die Grünen legten dazu direkt einen Antrag vor. Sie wollen, dass genau so eine Satzung für Bamberg geprüft wird.

Kommentar


Den Überblick behalten

Dem Wildwuchs an nicht genehmigten Ferienwohnungen muss ein Ende bereitet werden. Es darf nicht sein, dass immer mehr Unterkünfte in guter Lage nur zeitweise vermietet sind, weil sich damit Geld machen lässt - vermutlich mehr, als wenn die Wohnung auf dem freien Markt zur Verfügung stünde. Zudem ist die Häufung von "Teilzeitnachbarn" in manchen Stadtteilen nicht gut für's soziale Gefüge. Es muss einigermaßen klar sein, wo und wie viele Ferienwohnungen es gibt. Nimmt deren Anzahl oder örtliche Konzentration überhand, muss auch einmal eine Genehmigung versagt werden. Schließlich wollen auch die Bamberger in ihrer Stadt ein schönes Plätzchen zum Wohnen. Anna Lienhardt

Kontakt zur Stadt
Anmeldung
Wer seine Ferienwohnung genehmigen lassen möchte, meldet sich bei der Bauberatung der Stadt unter 0951/87-1761.