Der gute Ruf der Schulstadt Scheßlitz ist Landrat, Landkreis und Kreisausschuss wichtig. In seiner gestrigen Sitzung hat das Gremium die Weichen dafür gestellt, dass dies so bleibt. Ins Schulzentrum wird ordentlich investiert, Lehr- und Lernbedingungen an neue Herausforderungen angepasst. Insgesamt 81 Millionen Euro stecke der Landkreis in den nächsten Jahren in Bildungseinrichtungen, Realschulen, Gymnasien, Berufsschulen unterstrich Landrat Johann Kalb (CSU).

Eigentlich waren Generalsanierung und Erweiterung der Realschule schon 2009 beschlossen worden, dann waren Anpassungen beim prognostizierten Raumbedarf angesichts veränderter Rahmenbedingungen erforderlich. So stark zusammengefasst der Bericht von Birgit Ramming-Scholz seitens der Verwaltung. Überlegt und überprüft worden war bereits, so die Vorgaben, ob für die Realschule statt der Sanierung ein Neubau sinnvoller und kostengünstiger wäre, das heißt nicht mehr als 80 Prozent des Neubaues kosten würde.

Ein Neubau kommt demnach nicht in Frage, ein Teilabriss nach Erläuterungen des Rektors auch nicht. Denn die zehn hier befindlichen großen Klassenzimmer werden heute gerade für differenzierten Unterricht und angesichts weiterer Aufgaben dringend benötigt. Heute werden nur noch kleinere Klassenzimmer gefördert.

Architekt Stefan Paptistella führte aus, dass Generalsanierung und Erweiterung in vier Bauabschnitten erfolgen sollen, die etwa vier bis fünf Jahre in Anspruch nehmen. Im ersten würde der Erweiterungsbau realisiert. Auf diese weise entstehen 20 neue Klassenzimmer und insgesamt 2650 Quadratmeter zusätzliche Nutzfläche. Für den Bereich Haustechnik, mit so genannten Bausteinen gab Wil fried Helferich Aufschluss.

Während sich das Gremium rasch über die Basisvariante (Generalsanierung und Erweiterung) einig war,, sorgten die Bausteine für Diskussionsstoff. Regenwassernutzung, LED-Beleuchtung, automatische Brandmeldeanlage, Durchlauferhitzer in den Klassenräumen, Anbau eines Vordaches am Haupteingang. Besonders das Vordach, für das Rektor sich stark machte, stieß auf Kritik, ebenso die LED-Beleuchtung, und Durchlauferhitzer. Vermisst wurde dagegen der Einsatz etwa von Photovoltaik. Die Kreisverwaltung muss sich um diverse Förderanträge kümmern und auch den vorzeitigen Baubeginn beantragen. So der Empfehlungsbeschluss an den Kreistag. Abzüglich der zu erwartenden Förderungen läge der Eigenanteil des Landkreises hier bei knapp 16 Millionen Euro.

Mensa und Sporthalle
Ein weiteres Vorhaben im Schulzentrum betrifft den Bau von Mensa und Sporthallen. Hier war die europaweite Architektenausschreibung ein Grundsatzenschluss nötig. Um den Bedarf an mittlerweile fünf Sporthallen für die laut Berechnungen gesichert angenommenen 72 Sportklassen zu decken, wird der Bau einer Zweifachsporthalle - zusätzlich zur bestehenden Dreifachhalle - erforderlich.

Außerdem benötigen Mittelschule und Realschule eine Mensa, die Förderschule (Giechburgschule)schule geht in Sachen Mensa eigene Wege. Die Mensa für täglich 254 Besucher,soll gemeinsam mit der neuen Zweifachturnhalle in einem eigenen, zentral gelegenen Gebäudekomplex entstehen. Dieser ist auf dem bisherigen Allwetterplatz vorgesehen, der dann seinerseits nach Süden verlegt werden müsste. Die Kosten teilen sich die Sachaufwandsträger nach einem bestimmten Schlüssel, als Bauträger soll der Landkreis fungieren. Da man sich auch mit diesem Vorhaben noch öfter befassen muss, ging es nur um den Grundsatz- und Empfehlungsbeschluss. Zu sprechen sein wird auch noch über eine neue Erschließung des Schulzentrums, wie Roland Kaper (CSU) namens der Stadt Scheßlitz wissen ließ.

"Vielen Dank für den Startschuss für unsere riesengroßen Baumaßnahme," schloss der Landrat die wegweisende Sitzung.

Die Diskussion im Kreistag:
Angesichts der langen Vorgeschichte dieses Projektes gab es im Kreisausschuss durchaus verschiedene Kommentare.

Wolfgang Heyder (SPD) etwa sieht in einem Neubau die "Premiumlösung". Er wähnt in Sanierungsobjekten großes Überraschungspotential.

Bis auf die Kostenunsicherheit spreche alles für eine Generalsanierung befand Helmut Krämer (CSU), der indes der Verwaltung viel Lob für die Begleitung des Projektes zollte. Maria Beck (CSU) wiederum lobte, wie etliche weitere Ausschuss-Mitglieder, die Kooperation und Abstimmung mit Schulleitung und Elternbeirat.
Johannes Macieonczyk (CSU) lenkte den Blick auf die generalsanierte Burgebracher Mittelschule. Hier habe man eine ähnliche Konstellation gehabt - sanieren oder neu bauen. Man habe sich für die Generalsanierung entschlossen, im Nachhinein "die einzig richtige Entscheidung".

Bernd Fricke (Grüne) wiederum fasste einen anderenKern-Aspekt zusammen: Alle seien sich einig, dass der Zustand der Schule nicht mehr zeitgemäß ist. Es sei "überfällig, dass hier etwas geschieht". Allerdings wunderte er sich, dass es so lange gedauert habe.

Dauer kein Nachteil
Helmut Krämer wiederum erachtet genau dies nun nicht als Nachteil, denn sonst sei man womöglich fertig und alles wieder zu klein. "Ich bin froh, dass wir so lange gebraucht haben, sonst hätten wir die Entwicklung bei der Ganztagsschule außer Acht gelassen." Die nun eingeplanten Erweiterungsmöglichkeiten hob er lobend hervor.
Liebhard Löffler (ÖDP/FDP) wiederum fand es "ganz interessant, die Entwicklung zu sehen." Eine größere Berücksichtigung der erneuerbaren Energien wünscht sich Carsten Joneitis (SPD) "Photovoltaik sollte man nicht vergessen." Möglich sei dies sehr wohl, gab Architekt Stefan Paptistella zu verstehen. Allerdings sei dies in den bisherigen Berechnungen kostenmäßig nicht berücksichtigt

"Grundsätzlich muss man was tun," zeigte sich auch Bruno Kellner (ÜWG/Freie Wähler) überzeugt. Ekkehard Hojer (BBL) wiederum ließ sich angesichts diverser längerer Ausführungen zu der Anregung hinreißen, man sollte eine Redezeit einführen. In seinem knappen Statement widmete er sich nur einem Aspekt, dem monetären. Bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung sprächen die Zahlen eine klare Sprache. Das gelte gleichfalls für das Thema LED-Beleuchtung, wo er keine Wirtschaftlichkeit gegeben sieht.
Zum Thema Zahlen hatte Bernd Fricke eine weitere Anregung: Aufgrund der Bauzeit von fünf Jahren seien Preissteigerungen zu erwarten. Deshalb schlug er vor, die 1,8 Millionen Euro gleich mit rein zu nehmen, damit man im Preis bleibe. Das blieb allerdings so im Raum stehen.