Zwei Jahre lang hat eine ganze Region auf die Entscheidung gewartet, durch den Führungswechsel im Verteidigungsministerium ging sie nun fast unter: Die Bundeswehr baut in den kommenden zehn Jahren eine komplett neue digitale Infrastruktur auf, und die beiden wichtigsten Knotenpunkte im militärischen Netz werden Wildflecken in der Rhön und Strausberg in Brandenburg sein. Roth in Mittelfranken bekommt zudem ein Datencenter als eine Art Backup. Nach aktueller Planung wird an den drei Standorten insgesamt mehr als eine Milliarde Euro investiert.

Es handle sich um eine "strategische, langfristige Entscheidung", sagt ein Sprecher des Verteidigungsministeriums auf Nachfrage. Bis Ende 2021 soll das Detail-Konzept für die drei neuen Standorte stehen, der Baubeginn ist für Anfang 2023 geplant. Genau genommen erhalten sowohl Wildflecken, als auch Strausberg jeweils drei Rechenzentren, die dann "Cluster" bilden. Die Rechenzentren sollen nach und nach in Betrieb gehen: "Wir warten nicht ab, bis alles fertig ist und legen dann 2030 den großen Schalter um", heißt es aus Berlin.

15 Hektar Fläche notwendig

Wegen der drei Gebäude war auch der Platz vor Ort eines der wichtigsten Kriterien: Mindestens 15 Hektar werden für die Rechenzentren benötigt. Weitere Vorgabe: Die beiden Cluster und das Backup mussten "geo-redundant" liegen, sprich: So weit voneinander entfernt, dass Naturkatastrophen oder Stromausfälle nicht zwei gleichzeitig treffen. Ausgeschlossen waren Standorte, an denen Hochwasser oder Erdbeben drohen und die zu nahe an Atomkraftwerken, Krankenhäusern oder Raffinerien liegen. Außerdem kamen nur größere Standorte mit bestehendem Objekt-Schutz und eigenem Munitionsdepot in Frage. "Das hat nicht jede Kaserne", heißt es aus dem Ministerium, und: "Innerhalb der Gebäude wird es natürlich zusätzliche Zugangssicherungen geben." Vermutlich werden die Cluster auch im Kriegsfall speziell gesichert, dafür gebe es aber noch keine genauen Pläne.