Weil Michael Cremers seine Mini-Werkstatt in Bad Kissingen Yellow-PC genannt hat, hat er Ärger bekommen mit dem großen Stromanbieter Yello (Köln) . Alleine an Anwaltskosten soll er jetzt 1780 Euro bezahlen.
Die freundliche Dame in der Kölner Pressestelle von Yello Strom fällt bei der Frage, ob der Konzern auch Computer repariere, aus den Wolken. Sie antwortet verblüfft "wie kommen Sie denn da drauf?" Ganz einfach: Yello Strom hat dem Bad Kissinger Gründer Michael Cremers (43) eine Abmahnung schicken lassen. Denn es bestehe eine "hochgradige Verwechslungsgefahr" zwischen Yello Strom und dem Bad Kissinger Ein-Mann-Betrieb Yellow-PC Computerreparatur.
Formaljuristisch nicht zu beanstanden ist ein fünfseitiges Schreiben einer Stuttgarter Kanzlei, das Cremers ins Haus geflattert ist. Unter dem Aktenzeichen GR-11/01991 p/bo wird er aufgefordert, 1780,20 Euro Schadenersatz zu zahlen.
"Jenseits von gut und böse" Cremers hat seinen Ein-Mann-Betrieb "Yellow-PC" genannt und damit angeblich geschützte Markenrechte des Strom-Riesen Yello (ohne "W") verletzt. Wegen der Namensähnlichkeit und wegen der klanglichen Identität der Dienstleistungen - hier Strom, dort PC-Reparaturen - bestehe "hochgradige Ähnlichkeit". Der Firmenbestandteil "PC" ändere daran nichts. Unbeachtlich sei der Zusatz "e. K." (eingetragener Kaufmann). Yello Strom firmiert als GmbH. Cremers sei daher verpflichter, die Benutzung von "Yellow-PC e. K." und des gleichnamigen Internetauftritts zu unterlassen. Er habe den Firmenna- men zu löschen und eine "strafbewehrte Unterlassungserklärung" abzugeben. Für jede Zuwiderhandlung fielen 5100 Euro an. Weitere Auskunfts- und Schadenersatzansprüche blieben ausdrücklich vorbehalten.
Yello Strom-Sprecher Andres Müller begründete das rigide Vorgehen mit dem Bekanntheitsgrad der GmbH. Die mit einer Marke verbundenen Namensrechte seien zu schützen.
Die hohe Forderung errechnet sich aus dem willkürlich festgelegten Streitwert: 100 000 Euro. Der Bad Kissinger Rechtsanwalt Hans Englert nannte dies "jenseits von Gut und Böse".
Cremers reagierte mit Unverständnis. Eine Verwechslungsgefahren erkenne er nicht. Auch zwischen den Logos bestünden keine Parallelen - außer dass beide gelb und schwarz seien.
Einen Vorwurf könne er sich nicht machen. Er wisse um das Markenrecht ("so blauäugig war ich nicht") und habe recherchiert, dass es 397 (oder mehr) Kombinationen mit "Yellow" gibt - von -TV bis -Pillo. Gelb stehe für Wissen, Weisheit, Logik. Und die Domaine Yellow-PC sei frei gewesen, so Cremers.
Aber "die sind irgendwie auf mich aufmerksam geworden". Und: "Jeder weiß, wenn ich zu Yello Strom gehe, repariert niemand meinen PC". Die GmbH genieße Schutzrechte, obwohl sie diesen Geschäftsbereich gar nicht betreibe. Aber "das kann ich nie nachweisen."
Gütliche Einigung angeboten Cremers schätzt seine Chancen realistisch ein, wenn er sich mit dem Strom-Giganten und dessen Großkanzlei anlegen würde. Er strebt eine gütliche Einigung an. Sein Anwalt unterbreitete der Kanzlei fristgerecht zum 1. Dezember eine modifizierte Unterlassungserklärung: Er sei bereit, 600 Euro (statt 1780,20 Euro) in zwölf Monatsraten á 50 Euro abzustottern; denn "sonst komme ich da gar nicht raus".
Er könne die Forderung gar nicht begleichen. Die Anlaufkosten seines Ein-Mann-Betriebes hätten ein Minus von 5000 Euro verursacht. Außerdem: Sein eigener Rechtsanwalt verlange um die 300 Euro Honorar. Etwas weniger veranschlagte er für Notarkosten und Neuanmeldung im Handelsregister. Rund 3000 Euro würden außerdem fällig für eine neue Homepage.
Und wie soll Cremers seine Firma nun nennen? Der Name Cremers ist bereits markenrechtlich geschützt. MC-Computer ist auch nicht ganz ungefährlich, das könnte einer Fast-Food-Kette übel aufstoßen.
Ferrari stoppt Senioren-Shop So ähnlich wie Michael Cremers ist es vor Jahren auch einem Bad Kissinger Kaufmann gegangen, als der einen Senioren-Shop nach seinem eigenen Namen benennen wollte. Er fährt zwar keinen Luxus-Flitzer, heißt aber so: Ferrari, Horst Ferrari. Sein Pech: Die Sportwagenschmiede monierte Verwechslungsgefahr. Ferrari (Horst) klagte gegen die Abmahnung - und hat verloren.
Yello Strom ist eine 100-prozentige Tochter der EnBW Energie Baden-Württemberg. Sie wurde 1999 gegründet, hat ihren Sitz in Köln und hat im Jahr 2006 bei rund 1,1 Millionen Kunden einen Umsatz von 736 Millionen Euro gemacht (Quelle: Wikipedia). Nach eigenen Angaben hat Yello Strom drei Tätigkeitsbereiche: Strom, Sparzähler und Solar. PC-Reparaturen werden auf der Homepage allerdings nicht genannt.
Yellow-PC - jetzt MC-Computerreparatur - wurde am 1. September 2011 von Michael Cremers gründet und hat den Firmensitz in einem Raum RSG-Gründerzentrum. Cremers hat elf Jahre Berufserfahrung im Sachen Server und Clientsupport. Wichtige Zielgruppe sind Privatkunden und Kleinbetriebe. Michael Cremers repariert und wartet Hard- und Software, bietet Datensicherung an. Schulungen werden offeriert und die Aktion das "sichere Kinderzimmer".
ed
Einer der Kommentare von mir (facebook):
Von einem intelligenten Unternehmen würde ich erwarten, dass es dem anderen hilft eine Lösung zu finden. Und nicht erstmal einen Anwaltsbrief schreiben....
ANTWORT:
Yello Strom
Lieber Herr Karolinus, es ist ja nicht nur ein Fall einmal im Jahr, sondern viele. Das macht solche Prozesse enorm aufwendig. Glauben Sie uns aber, wir arbeiten längst daran, diese Prozesse zu optimieren.
Überdies nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass sich beide Parteien längst einvernehmlich geeinigt haben und Yello auf Schadenersatz und Anwaltkosten verzichtet hat. Die Saale-Zeitung berichtet heute darüber.
Viele Grüße, xxxxx
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Also hilft es doch etwas, ein wenig zu protestieren. Vielen Dank für die Unterstützer.
.... "Verein". Was soll da verwechselt werden - auf der einen Seite die große Firma als GmbH und auf der anderen Seite die Einmannfirma als e. K. ins Handelsregister eingetragen.
... kostenfrei unter 0800 19 000 19.
So geht es doch wohl nicht.
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