Dass Kinder schwimmen lernen, sollte selbstverständlich sein; ist es jedoch oft nicht. Die Wartelisten für Schwimmkurse sind lang, wegen der Corona-Pandemie mussten die Hallenbäder im vergangenen Winter geschlossen bleiben - wenn sie überhaupt noch öffnen. Dass Kommunen Schwierigkeiten haben, den Betrieb und die nötigen Investitionen ihrer Bäder zu finanzieren, davon kann der Kreis Bad Kissingen ein Lied singen. 2010 schloss das Hallenbad in Münnerstadt, 2015 folgte das Aus in Wildflecken. Vor drei Wochen wurde bekannt, dass auch das Hallenbad in Bad Kissingen geschlossen bleibt. Immerhin: Bad Kissingen will bis Ende 2023 einen Neubau an der KissSalis-Therme realisieren. Für Grundschulen, Schwimmkurse und Vereine hat die Stadt Ausweichbäder in privaten Häusern (Hotels, Kliniken, Seniorenheime) gefunden.

Den rund 103 000 Bewohnern des Landkreises stehen aktuell nur noch zwei kommunale Hallenbäder mit Sportbecken zur Verfügung: das Saaletalbad in Hammelburg sowie die Therme Sinnflut in Bad Brückenau. Dass Schwimmbäder fehlen, ist ein Problem, welches insbesondere die Schulen trifft. Schwimmen ist eigentlich fester Bestandteil des Sportunterrichts in allen Schularten. An vielen Schulen im Landkreis ist es im Lehrplan inzwischen jedoch abgesoffen: Acht von 20 Grundschulen bieten kein Schwimmen mehr an, zählt man Mittel- und Realschulen sowie Gymnasien dazu, gibt es dieses Schuljahr an 16 von 37 Schulen keinen Schwimmunterricht.

Während die Kinder in manchen Schulen wie in Maßbach und Nüdlingen bereits seit längerem keinen Schwimmunterricht mehr haben, müssen andere erst seit kurzem verzichten. Die Schließung des Kissinger Bades trifft die Kissinger Gymnasiasten und Realschüler sowie die Grundschüler aus Burkardroth. Der Aufwand, in ein anderes Bad auszuweichen, sei zu groß. "Es gibt für uns keine anderen, logistisch sinnvollen Möglichkeiten. Uns wurde das Hallenbad in Bad Brückenau angeboten, das kommt aufgrund der langen Anfahrt aber nicht infrage", sagt Markus Arneth, Rektor des Jack-Steinberger-Gymnasiums. Wie die Kissinger Grundschulen ins Hotel Sonnenhügel auszuweichen, sei für die älteren Schüler keine Alternative. "Kurzbahnen sind für den gymnasialen Unterricht nicht geeignet. Wir gehen davon aus, dass in diesem Jahr kein Schwimmunterricht mehr stattfindet, was für uns und unsere Schüler eine sehr schwierige Situation darstellt", beklagt Arneth.

Detlef Haas, Leiter der Grund- und Mittelschule in Bad Bocklet, hat mit dem Kurhaus ein kleines Schwimmbad in Laufnähe. Dass Kurhaus gehört dem Freistaat und wird von der Caritas als Hotel betrieben. Die Schwierigkeit: Schüler und Hotelgäste sollen sich nicht in die Quere kommen, es sei schwierig Schwimmzeiten zu finden, die für Hotel und Schule passen. Vorerst steht Schwimmen also nicht mehr auf dem Stundenplan. Haas: "Ein anderes geeignetes Schwimmbad haben wir nicht in der Nähe." Strecken mit mehr als 15 Minuten Fahrzeit lohnen aus seiner Sicht nicht, weil den Schülern am Ende nicht genug Zeit im Wasser bleibe.

Den Schulen und den Kommunen fehlenden Willen vorzuwerfen, wäre falsch, findet Detlef Elsner, Rektor der Münnerstädter Grundschule. Es werde oft ein großer Aufwand getrieben, um den Kindern Schwimmstunden zu ermöglichen. Etwa an seiner Schule: 82 Kinder der 3. und 4. Klasse fahren heuer jeweils 20 Minuten hin und wieder zurück, für eine Doppelstunde im Triamare in Bad Neustadt. "Schwimmen ist fest im Lehrplan verankert. Wir werden es weiter machen", sagt Elsner. Der Unterricht bringe sichtbare Erfolge. "Wir haben immer wieder Kinder, die dann auch ihre Schwimmabzeichen machen", erzählt er.

Die Schulen im Landkreis greifen überwiegend auf das Saaletalbad und die Sinnflut zurück. Die Münnerstädter Schulen fahren nach Bad Neustadt und die Grundschule Wildflecken nach Bischofsheim. Die längste Fahrtzeit haben die Mittelschüler aus Wildflecken mit 40 Minuten bis Bad Brückenau. Manche Schulen, deren Kommunen sich Freibäder leisten, haben die Möglichkeit, das Manko zu kompensieren. So können Schüler bei gutem Wetter das Maßbacher Freibad nutzen. Auch Bad Kissingen will der Realschule und dem Gymnasium nächsten Sommer zusätzliche Zeiten im Freibad anbieten.