Für drei Wochen gab es im Januar in der Pfarreiengemeinschaft Hammelburg einen freiwilligen kirchlichen Lockdown. Seit einer Woche ist der Besuch eines Sonntagsgottesdienstes wieder möglich. Ab dem Aschermittwoch, 17. Februar, sind auch die angebotenen Werktagsgottesdienste wieder öffentlich zugänglich. Das digitale Angebot hält die Pfarreiengemeinschaft weiterhin aufrecht. Somit können die Gläubigen selbst entscheiden, ob sie in der Kirche oder daheim übers Internet den Gottesdienst mitfeiern möchten. "Die Leute sind vernünftig genug zu entscheiden, ob es geht oder nicht", betont Pfarrer Thomas Eschenbacher bei einem Gespräch mit dieser Zeitung. Am Sonntag erwartet die Hammelburger Gläubigen ein besonderer Gottesdienst - beim Besuch der Kirche oder digital. Pfarrer Eschenbacher hält eine Faschingspredigt - in Form eines Zwiegespräches mit einem kleinen Spatz. Auch wenn die Zeiten ernst sind, soll der Humor nicht verloren gehen.

Zu dem dreiwöchigen Verzicht auf die öffentlichen Gottesdienste hatte sich das verantwortliche Seelsorgerteam nach den Weihnachtstagen entschieden, weil die Inzidenzwerte in Deutschland und auch im Landkreis deutlich angestiegen waren. "Wir überleben die Pandemie nur als Wir-Gesellschaft". Der dreiwöchige kirchliche Lockdown war somit auch ein Zeichen der Solidarität, denn eigentlich war es den Kirchengemeinden nicht verboten, Gottesdienste zu feiern.

Im Januar traf dieser Verzicht die Gläubigen und das Seelsorgerteam nicht mehr unvorbereitet. Bereits seit März 2020, der Zeit des ersten Loockdowns, gibt es in Hammelburg ein umfangreiches digitales Gottesdienstangebot, das sich nach Angaben von Pfarrer Thomas Eschenbacher gut bewährt und entwickelt hat. Die Online-Sonntagsgottesdienste werden in der Regel von rund 500 Gläubigen (als Livestream oder als Video auf Youtube) angeklickt. Auch der wöchentliche Videoimpuls erreiche jedes Mal 300 bis 400 "Gefällt-Bewertungen". Thomas Eschenbacher weiß, dass selbst ältere Gemeindemitglieder sich digital fit gemacht haben für diesen Service. Das Angebot nutzen mittlerweile ebenso Auswärtige oder Ex-Hammelburger. Seit März hätten die Angebote auf der Youtube-Plattform der Pfarreiengemeinschaft zusammen rund 100 000 Aufrufe erfahren.

Gemeinschaft erleben

Doch so gut angenommen das digitale kirchliche Angebot auch ist, "es ist kein Ersatz für die lebendige Gemeinschaft", findet Thomas Eschenbacher. Deshalb fiel nach reiflicher Überlegung und dank jetzt sinkender Inzidenzwerte die Entscheidung, die Gottesdienste wieder öffentlich zu feiern. Pfarrer Eschenbacher betont, dass die Corona-Regeln in den Gotteshäusern genau beachtet werden. Seine Erfahrung ist, dass die Gläubigen sich sehr diszipliniert daran halten. Niemand solle sich jedoch gezwungen fühlen, in die Kirche zu kommen. "Wer sich unsicher ist, bleibt lieber daheim", sagt er. Deshalb gebe es ja weiterhin den digitalen Gottesdienst.

Der Seelsorger weiß aus Gesprächen, dass es einer ganzen Reihe von Gläubigen ein echtes Bedürfnis ist, den Gottesdienst gemeinsam in der Kirche zu feiern. Das bestätigt Andreas Wacker, der in der Pfarreiengemeinschaft der Vorsitzende des gemeinsamen Ausschusses ist; er sagt, dass ihm ohne sonntäglichen Messebesuch etwas fehlt. In den Wochen des kirchlichen Lockdowns in Hammelburg hat er zwar die Gottesdienste übers Internet verfolgt, aber richtig glücklich ist er damit nicht. "Gottesdienst hat viel mit Emotionen zu tun", sagt Wacker. Das funktioniere digital nicht so sehr. Auch das Gemeinschaftsgefühl sei schwer zu vermitteln. Corona-bedingt liege die Anzahl derer, die aktuell in die Kirche kommen, sicherlich deutlich niedriger als früher. "Aber denen, die da sind, ist es ein Bedürfnis da zu sein", erklärt Andreas Wacker.

Die Zahl der Menschen, die er seit der Pandemie zu den Messen und Andachten in der Kirche sieht, ist für Pfarrer Eschenbacher nicht exemplarisch. Die Corona-Auflagen - Abstand, Maske, kein Singen, die kalte Kirche - oder die Furcht vor Ansteckung hielten viele vom Gottesdienstbesuch ab, ist Eschenbacher überzeugt. "Die Wahrheit kommt nach der Corona-Krise", sagt der Geistliche.

In dieser Hinsicht ist er jedoch zuversichtlich. Denn er bemerkt, dass die Kirchen tagsüber durchaus besucht werden, sei es für ein kurzes Gebet oder das Entzünden einer Kerze.

Seitdem Corona das Leben der Menschen beherrscht, registriert man in der Pfarreiengemeinschaft, dass sehr viele Opferkerzen in den Gotteshäusern, egal ob in der Kapelle im Steinthal oder in der Hammelburger Stadtpfarrkirche, entzündet werden. "Wir bestellen Kerzen wie verrückt"so der Hammelburger Seelsorger.

Seelsorge beim Spaziergang

Eschenbacher sucht zudem Wege, um die Menschen trotz aller Beschränkungen weiterhin auch persönlich zu erreichen. Normale Seelsorge ist nicht möglich. Seine Erkenntnis deshalb: "Wir müssen raus". Deshalb geht er in diesen Tagen oft ganz bewusst spazieren, obwohl er normalerweise lieber auf dem Fahrrad unterwegs ist. Auf seinen Spaziergängen trifft er immer wieder Leute und kommt mit ihnen kurz ins Gespräch. Für ihn ist das im Moment ebenfalls ein Stück Seelsorge, denn solche Begegnungen tun gut, auch ihm selbst, stellt er fest.