Diesmal hat ihre Mutter Viktoria* (*Name von der Redaktion geändert) geschickt. Sie selber macht gerade eine Therapie. Die Psyche. Als Viktoria zu Gabriele Morath vom Caritasverband Bad Kissingen kommt, hat sie ihre Schildkappe tief ins Gesicht gezogen. Der Rücken rund, die Schultern hängen nach vorn. Die 19-Jährige steckt mitten in ihrer Ausbildung, die Arbeit liegt ihr nicht. Den Haushalt daheim führt sie allein. Ihre Mutter kommt zwischen den Behandlungen an den Wochenenden nach Hause. Die Fahrt zur Firma, Kosten fürs Essen: Mit den Spenden aus der "Weihnachtshilfe" - der Aktion der Saale-Zeitung - kann Gabriele der jungen Frau helfen. Mindestens genauso wichtig wie die finanzielle Hilfe ist das, was die Sozialberaterin mit Viktoria gemacht hat: wahrnehmen.

Die 19-Jährige würde viel lieber kreativ arbeiten. "Sie hat Angst davor, was ihr Vater und ihre Mutter sagen würden", sagt Gabriele Morath. Die Ausbildung abbrechen - und dann? Die Sozialberaterin erklärt Viktoria, dass sie auch ein freiwilliges Jahr einlegen könnte - mit Taschengeld. "Davon wissen viel zu viele nichts."


Individuelle Unterstützung

Gabriele Morath urteilt nicht. Sie will jedem, der zu ihr kommt, individuell helfen. Ihre Klienten werden immer jünger. Kein gesellschaftliches Problem, meint sie. Die Beraterin glaubt eher, dass sich ihre Unterstützung herumspricht.

"Bei vielen ist es vorher schon nicht rund gelaufen", sagt die Beraterin. Zum Beispiel dann, wenn die Eltern psychisch krank sind. "Viele sind überfordert, wenn sie dann auf eigenen Beinen stehen sollen." Sie haben Angst zu versagen und den Erwartungen der Gesellschaft nicht zu entsprechen, erklärt Gabriele Morath.Worauf es ankommt? "Ich sage ihnen: Es ist wichtig, dass du gehört wirst."

Viele funktionieren unter der Woche. Sie distanzieren sich, halten sich aus Alltäglichem heraus, erklärt die Sozialberaterin. Sie rät: Hinschauen, wahrnehmen, ansprechen und fragen: "Wie geht's denn dir überhaupt?" "Wenn sie nicht darauf antworten wollen - OK", meint Morath. Mit Spenden aus dem Topf der Weihnachtshilfe der Saale-Zeitung kann sie eine Starthilfe geben, wenn es mal eng wird. "Ich bin froh und dankbar um jeden Cent", sagt die Sozialberaterin.

Als sie Viktoria fragt, wie es ihr geht, sprudelt es aus ihr heraus. Es tut ihr gut, dass sich jemand auch mal um sie sorgt, erzählt die Sozialberaterin. Eine Stunde später, als sie ihre Sachen zusammenpackt und aufbricht, lächelt sie, erzählt Gabriele Morath: "Es tut gut, die Veränderung zu sehen, wenn jemand gebückt kommt und mit einem Lächeln wieder geht."