Dieses Mal waren es so viele wie noch nie: 45 Einheimische nahmen am Grenzgang rund um Rottershausen teil. Früher waren es kaum mehr als halb so viele, wie Feldgeschworener Roland Seufert feststellte, der die Gruppe führte.

Jedes Jahr lädt die Gemeinde Oerlenbach zu einem Grenzgang ein, die vier Dörfer wechseln sich dabei ab. 2020 wäre Rottershausen an der Reihe gewesen, bestätigt Bürgermeister Nico Rogge, der eine Etappe mitwanderte. Die letzte "reguläre" Grenzbegehung - also vor der Pandemie - fand 2016 statt. Seitdem, so Roland Seufert, habe sich Einiges getan - er erinnert in diesem Zusammenhang an die Entwicklung des Gewerbegebietes an der A71, dort verläuft die Grenze nach Pfersdorf.

Roland Seufert bedauerte, dass Siegfried "Siggi" Erhard nicht dabei war . Der Altbürgermeister hätte zu vielen Grenzsteinen eine Geschichte parat gehabt. Seufert erinnert sich an eine Erzählung aus der Zeit der Reformation, als der Fürstbischof mit einer Waldschenkung "abtrünnige, ehemals katholische Dörfer" zur Rückkehr bewegen wollte.

Nur sechs Frauen waren unter den Grenzgehern, die meisten eher "vertraute Gesichter" aus Rottershausen und der Gemeinde. Nico Rogge freute sich über die Ratsmitglieder, die auf Schusters Rappen den Weg in Angriff nahmen und begrüßte mit Werner Rauh auch den ehemaligen Geschäftsleiter der Großgemeinde.

Digitale Karten häufig fehlerhaft

Die alten Steine und die Feldgeschworenen seien oft genauer als alle digitalen Messungen. Reinhard Landgraf, der die Wanderer zu einer Pause oberhalb von Pfersdorf erwartete, berichtete über das komplexe Vorgehen mit der GPS-Messung: Nur wenn Satelliten in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen, könne man digital brauchbare Daten erfassen, meinte der ehemalige Förster und leidenschaftlicher Jäger.

Der Rundgang begann schon um 8.30 Uhr in Rottershausen und führte an allen Grenzen des Dorfes entlang - sechs Dörfer grenzen direkt an Rottershausen, darunter auch Gemeindeteile von Oerlenbach. Erst um 16.30 Uhr, so Roland Seufert, werde man am Ausgangspunkt zurück sein, Dazwischen besichtigten die Teilnehmer Grenzsteine und trigometrische Punkte und verschafften sich so einen Überblick über die Grenzen und die Größe der Ortsfläche.