Das Dorf hat einen König. Einen stattlichen, der gerne singt, gute Stimmung verbreitet und sogar die Tochter des Hausmeisters heiratet. Aber nur, weil sie seine Musik vergoldet. Mit Hilfe eines Männleins. Doch das ist in Waldfenster nicht etwa das Rumpelstilzchen. Nein, viel besser: der Lonze Schneider. So lautet der Dorfname von Darsteller Klaus Schlereth.
Er gehört ebenso wie der König (Martin Schlereth) und die anderen (Frank Heckelmann, Lothar und Charly Wehner) der Gruppe Äche Brader an. Sie sind allesamt gestandene Mannsbilder um die 50 herum, die schon seit 25 Jahren mit ihren außergewöhnlich spaßigen Beiträgen die Büttenabende in Waldfenster mitgestalten. Ohne sie wäre das Faschingstreiben in dem 770-Seelen-Dorf kaum vorstellbar.


Bezaubernde Kostüme

Dieses Jahr zeigten die Äche Brader ihre Version des Grimmschen Märchens. Das Publikum im Pfarrgemeindezentrum (PGZ) kam aus dem Lachen nicht mehr heraus. Nicht nur, weil die Darsteller ihre Rollen hervorragend spielten, sondern auch äußerlich verzauberten. Die Kostüme waren wie in den Jahren zuvor mit vielen kleinen Details liebevoll zusammengestellt. "Neu kaufen mussten wir da nix", sagt Frank Heckelmann, der nicht nur zu der illustren Faschingstruppe gehört, sondern den Büttenabend abwechselnd mit Sohn Pascal und Faschingspräsident Alexander Pfülb moderierte. "Vieles haben wir in unserem Fundus", sagt Heckelmann. Schließlich ist dieser, ebenso wie die Truppe, 25 Jahre alt. "Da findet sich immer was Passendes."


Alles hat gepasst

Auch die Ladykracher, die Gymnastikdamen des Waldfensterer Sportvereins, zeigten bei ihrer Show, welche Kostüme sie bei den Büttenabenden des vergangenen Vierteljahrhunderts getragen haben. Hot Pants und Baseballschläger wurden ebenso hervorgekramt wie die rot-schwarzen sexy Lederkostüme oder die Pfauenfeder-Kopfbedeckungen für das brasilianische Outfit und viele andere mehr. "Ich finde bewundernswert, dass auch nach so vielen Jahren die Kostüme noch gepasst haben", sagt Marco Seller, der sich schon seit Jahren um die Technik an den Abenden im PGZ kümmert und bei den Ladykrachern auch schon mal mitgetanzt hat. Ein gutes Dutzend Damen zwischen 25 und 50 Jahren gehört heute zu der Truppe um "Mugge" Petra Schlereth. Sie hat die Entwicklung der Büttenabende Anfang der 1990er-Jahre mit angeschoben. "Ohne sie würde es diese heute nicht geben", würdigte Faschingspräsident Alexander Pfülb. Schließlich traten als Mitwirkende der ersten Stunde auch noch Lena Schlereth und Matthias Schlereth auf, sprachen als das erste Prinzenpaar von 1992 Grußworte.


Feuchtfröhliche Sternsinger

Doch was wäre so ein Büttenabend, ohne die vielen anderen Mitstreiter, die ebenfalls schon seit vielen Jahren mit attraktiven Beiträgen unterhalten. Die Abbas, eine sechsköpfige Musikgruppe, kamen diesmal als verirrte sowie feuchtfröhlich angehauchte Sternsinger und kommentierten kleine Episoden aus dem Dorfalltag wie etwa die neue 70er-Zone an der Lauterer Kreuzung. In der Bütt berichtete Manuel Vorndran von seinem anstrengenden Ausflug ins Fichtelgebirge, während sich das Männerballett in tanzende Heinos verwandelte, natürlich mit Quotenfrau im Dirndl. "Wenn Emil eine Email bekommt, dann muss Klaus ein Ka-mel erhalten." Diese Theorie wurde beim Rentner-Computerkurs näher erläutert, den die Gymnastikdamen in Sketch-Form aufführten.


Fünf Tanzeinlagen der Jugend

Der Rest des Abends gehörte der Jugend Waldfensters, die es aber mit den Routiniers locker aufnehmen kann. Allein fünf Tanzeinlagen bot das Jungvolk: die 41 Jungen und Mädchen der Purzelgarde traten als Mini- und Midi-Monster auf, die Prinzengarde rockte, der Hühnerhaufen zeigte einen Showtanz mit Pik-Sieben und Herz-Ass. Die Freeway-Girls mit ihren Outside-Boys tanzten ganz im Sound der 1950er- und 1960er-Jahre.
Mit einer lustigen Radiosendung, bei der abwechselnd zwischen Babypflege, Boxkampf, Kochsendung und Fußballspiel hin- und hergeschaltet wurde, unterhielten Jonathan Schlereth und seine Freunde Max, Jannik, Nico und Klemens das Publikum im PGZ. Lukas Schlereth schlüpfte außerdem mit seinem Vater Roland in die Rolle zweier Jäger im Hochsitz. Die beiden fachsimpelten furztrocken im Waldfensterer Jägerlatein, berichteten von erlegten Buckelwalen und dem Wildunfall mit einer Weinbergschnecke, die dabei auch noch einen Fußnagel verlor. Welche Missgeschicke auf einer Baustelle so passieren können, zeigten schließlich Frederik Schmitt, Dennis Pfülb sowie die Brüder Luca und Rico Seller. Die vier Jungs waren die jüngsten Darsteller des Abends und doch schon alte Hasen.


In die Wiege gelegt

"Wir machen mit unseren Sketchen bereits das dritte Jahr mit", erzählen die beiden Sellers. Zuvor haben sie in der Purzelgarde getanzt. Vermutlich sind sie einfach so richtige Narren, haben das Talent, ebenso wie die rund 145 anderen an den Büttenabenden mitwirkenden Waldfensterer, in die Wiege gelegt bekommen. Woran diese Häufung liegt, kann keiner so richtig erklären. Auch Lena Schlereth nicht, die beim ersten Abend als 17-Jährige in der Bütt stand, heute bei den Abbas mitsingt und das Männerballett trainiert. Zwar sind ihre Auftritte mittlerweile routiniert, doch Langeweile kam bei der Waldfensterin in all den 25 Jahren nie auf. "Ideen hat man immer", sagt sie, auch wenn die Saison so kurz ist wie in diesem Jahr.


Die jungen Leute ziehen mit

Und die Ideen kommen an. "Der Büttenabend hat uns sehr gut gefallen", sagten Erika und Günther Wehner am Freitagabend. Die beiden sind seit den 1990er-Jahren regelmäßig als Gäste dabei, erinnern sich noch gut daran, wie eng es einst im Sportheim zuging, bevor die Veranstaltung 2005 ins neugebaute PGZ umzog. "Besonders schön ist, dass so viel Jugend nachkommt", fügt Erika Werner hinzu.