Hunderte Schüler sind jeden Tag mit dem Bus im Landkreis unterwegs. Von der Haltestelle im Wohnort bis zum Schulhof - und zurück. Beim einen dauert es länger, beim anderen geht es schneller - abhängig vom Stundenplan oder der Distanz. Wie gehen die Schulen des Landkreises mit dem Transport ihrer Schüler um? Wie lange müssen die Kinder und Jugendlichen warten und wann kommen sie nach dem Unterricht nach Hause?

Der Gong schallt, die Türen fliegen auf, Jungs und Mädels in dicken Jacken, mit großen Schals und Rucksäcken strömen auf den Schulhof. An den Freitagen ist besonders viel los: kein Nachmittagsunterricht, keine Wahlfächer. Schon mit Schulschluss beginnt der Kampf um den besten Platz im Bus. Freitags gibt es die meisten Kontrahenten.


Nachfrage ändert sich ständig

"Bestimmte Linien sind sehr voll", sagt Joachim Schwigon, Schulleiter des Münnerstädter Gymnasiums. Beschwert habe sich allerdings noch keiner der Schüler oder Eltern, meint er. "Es gibt Eltern, die lassen ihre Kinder mit den zu vollen Bussen nicht fahren, aber das ist selten", sagt Schwigon. Ob er meint, dass die Bus-Staffel, die durch den Kreis tourt und die Kinder heim bringt, aufgestockt werden soll? "Wenn alle einen Sitzplatz haben, dann ist es OK. Wenn die Kinder stehen müssen, würde ich mir wünschen, dass mehr Busse fahren."

Michael Kreil, Leiter der Bad Brückenauer Realschule sagt: "Die Busse sind voll, aber pünktlich." Dennoch: "Wir würden uns wünschen, dass mehr Busse fahren - ganz generell", sagt er. Freilich, man könne nicht ständig bestimmte Verbindungen kurzfristig anpassen. Schließlich ändere sich der Stundenplan der Schüler auch schon mal vierteljährlich, erklärt er. Dazu kommt: "Es wechselt von Jahr zu Jahr, wie viele Schüler, aus welchen Ecken des Landkreises kommen." Manch einer schimpft, sagt er, "aber das sind Einzelfälle". Sein Eindruck: "Die Versorgung ist gewährleistet." Für die ist der Landkreis verantwortlich. Der setzt für die kommenden Jahren verstärkt auf Kleinbusse.

Die sollen diejenigen Schüler nach Hause bringen, die bis zur neunten oder zehnten Stunde im Unterricht sitzen. Mit dem Ganztagesunterricht haben die Beförderungszahlen am Nachmittag zugenommen, heißt es aus den Landratsamt. Dass diese Schüler "unmittelbar" nach der Schule nach Hause gebracht werden, könne "nicht immer angeboten werden". Das sei dem vielfältigen Bildungsangebot und den unterschiedlichen Schulschlusszeiten geschuldet. Aber: Wie lange sollten Schüler auf ihren Bus warten müssen?


Schüler machen früher Schluss

Lehrer schicken ihre Schüler früher aus der Schulstunde oder befreien sie ganz vom Unterricht, berichtet Norbert Paul, Leiter der Saaletal-Schulen Bad Kissingen und Hammelburg. Das passiert, wenn nach dem Nachmittagsunterricht einzelne Schüler besonders lange auf ihren Bus warten müssten. Kinder und Jugendliche aus bestimmten Regionen würden andernfalls bis zu eineinhalb Stunden warten, erklärt der Rektor. "Am Standort Bad Kissingen haben wir das jeweilige Unterrichtsende so terminiert, dass die Schüler nach Unterrichtsende nicht länger als zehn bis 15 Minuten am Busbahnhof warten müssen", sagt Norbert Paul. "Es fahren alle zeitnah nach Schulschluss", sagt Joachim Schwigon. In Bad Brückenau sei es am Nachmittag mitunter "schwierig, wegzukommen", meint Michael Kreil. Er rät dazu, die Wartezeit zu nutzen und Hausaufgaben zu erledigen. Sitzen die Jungs und Mädels endlich im Bus, heißt es für einige wieder: warten.

"In der Regel" werde die "zumutbare Beförderungszeit" von einer Dreiviertelstunde eingehalten, ohne Wartezeit, meint Norbert Paul. Die Grundschulkinder der Saaletal-Schule seien hingegen teilweise über eine Stunde lang unterwegs, bis sie zu Hause sind, sagt der Rektor. Viele werden deshalb abgeholt. "Es geht schneller als mit einem Bus, der überall anhält", sagt Joachim Schwigon. Ob inzwischen mehr Kinder von den Eltern abgeholt werden? Wenn, dann, weil es den Familien mit dem Bus zu lange dauert, meint er. Schließlich warten im Anschluss an die Schule Freizeittermine wie Ballett oder Trompetenprobe. Aber: "Ich beobachte auch, dass Kinder abgeholt werden, die heimlaufen könnten."


Ab aufs Rad!


Michael Kreil empfiehlt eine Variante, die ganz und gar unabhängig vom Busfahrplan macht: Fahrrad fahren. Klar, die Bedingungen müssen passen, meint er: Wie ein Radweg. Faulheit oder schlechtes Wetter zählen für den Schulleiter aber nicht als Ausreden: "Man kann auch mal mit dem Fahrrad fahren, wenn es regnet oder kälter wird." Positiver Nebeneffekt: "Je weniger Autoverkehr um eine Schule herum, desto sicherer."