Der Garten wirkt wie ein verwunschener Ort. Rasen, Bäume, Sträucher, selbst die beiden Häuschen darin scheinen im Dornröschenschlaf versunken zu sein. Keine Biene, kein Schmetterling fliegt umher. Menschen und Beete, Blühendes und Vögel sucht man vergebens. Letztere zwitschern stattdessen im angrenzenden Wald. Einzig ein paar Brombeerhecken und Unkräuter blühen am Zaun. Man möchte kaum meinen, dass es sich bei diesem Flecken um den Garten des Vereins für Gartenbau und Landespflege handelt. Still und fast schon ein wenig trostlos liegt er da. Fast so, als wolle er die Situation des Vereins widerspiegeln. Denn der Gartenbauverein Burkardorth, wie er umgangssprachlich genannt wird, stand kurz vor dem Ende.


Es fand sich kein neues Team

Die bisherige Vorstandschaft, zu der Siegfried Hoechst, Anita May, Klara Wehner und Gerda Geist gehörten, fühlte sich gesundheitlich und aufgrund ihres Alters nicht mehr in der Lage, den Verein weiterzuführen. Einzig Gerda Geist hatte sich in der Jahreshauptversammlung Ende Mai bereit erklärt, gegebenenfalls in einem neuen Team mitzuarbeiten. Doch dieses fand sich einfach nicht. "Ich werde wohl die Auflösung zum Jahresende beantragen", beendete der bisherige Vorsitzende Hoechst das Treffen, zu dem gerade einmal 20 Mitglieder gekommen waren. Grundstück und Vermögen des Vereins wären dann an die Gemeinde übergegangen. Als allerletzte Chance, das zu verhindern, wurde nun eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen.
Diese fand am Freitagabend statt - mit einem überraschend glücklichen Ende. Schließlich erklärten sich Jochen Gärtner, Günter Balling, Alexander Kess und Kathrin Kupka-Hahn kurzerhand bereit, die Vereinsführung zu übernehmen, und somit den Gartenbauverein zu erhalten. Gärtner und Balling werden künftig als gleichberechtigte Vorsitzende fungieren. Um das möglich zu machen, wurde in der Versammlung, zu der diesmal 25 Mitglieder gekommen waren, die Satzung entsprechend geändert. Kess übernimmt den Posten als Kassier und Kupka-Hahn wird als Schriftführerin tätig werden.


Grundstück erhalten

"Ich bin kein Gartenbauer, habe überhaupt keine Ahnung davon. Doch mein Ansinnen ist es, das Grundstück, das ein schönes Fleckle ist, und den Gemeinschaftssinn des Vereins zu erhalten", sagte Jochen Gärtner in seiner Antrittsrede. Der 48-Jährige wohnt in Gefäll, stammt jedoch aus Wollbach. Auch wenn er sich, wie er selbst sagt, nur wenig mit Pflanzen, Bäumen und dem Drumherum auskennt, ist er mit dem Gartenbauverein jedoch schon von klein auf vertraut. Schließlich sind seine beiden Onkel, Norbert und Alois Gärtner, viele Jahre als Vorsitzende tätig gewesen, haben die Entwicklung des Vereins entscheidend geprägt. Norbert Gärtner hat ihn 1975 sogar mitbegründet und wurde für sein unermüdliches Engagement vor einigen Jahren zum Ehrenvorstand ernannt. Umso mehr freute sich der über 80-Jährige am Freitagabend, dass der Gartenbauverein weiterbesteht. "Niemand schaut auf sein Leben zurück und erinnert sich an einen Abend vor dem Fernseher, aber an einen gemütlichen oben im Vereinsgarten schon", so Jochen Gärtner.


Traditionen bewahren

Sein Kompagnon, Günter Balling, ist 47 Jahre alt, Schwiegersohn des bisherigen Vorsitzenden und wohnt seit 13 Jahren in Wollbach. Ein kurzes Gespräch mit Jochen Gärtner habe ihn dazu bewogen, sich Gedanken um den Verein zu machen. Bereits beim nächsten Treff am Gartenzaun reifte die Idee vom gemeinsamen Vorsitz. Bei seiner Antrittsrede appellierte Balling an die doch recht betagten Mitglieder, weiterhin mitzuarbeiten. "Wir brauchen Euch, Ihr seid die Seele des Vereins", sagte er. "Außerdem wollen wir die Traditionen, wie wird der Erntedankaltar geschmückt oder der Adventskranz gebunden, und Euer Wissen bewahren", fügte Kathrin Kupka-Hahn hinzu. Die 47-Jährige stammt aus Wollbach, wohnt momentan in Zahlbach. Lediglich der Vierte im Bunde, Alexander Kess, hielt keine Antrittsrede, denn er war zur außerordentlichen Mitgliederversammlung aus beruflichen Gründen verhindert, hatte sein Einverständnis zur Wahl zuvor jedoch schriftlich erklärt. Der 51-Jährige wohnt in Burkardroth, stammt aber auch aus Wollbach. Im Verein ist Kess kein Unbekannter, denn er war vor einigen Jahren schon einmal als Kassierer tätig. Konkrete Pläne, wie es mit dem Gartenbauverein weitergehen wird, hat das neue Vorstandsteam im Moment noch nicht. Dafür war einfach die Zeit zu knapp. Denn die neuen Vier haben sich erst wenige Tage vor der Wahl zusammengetan. "Ideen haben wir viele. Jetzt müssen wir erst mal schauen, was sich alles umsetzen lässt", so Jochen Gärtner. Man werde auf jeden Fall an das Gewesene anknüpfen und so bald als möglich den Vereinsgarten oben am Waldstück Albeshäg wiederbeleben - damit dieser schon bald aus seinem Dornröschenschlaf erwacht.