Er war der vielleicht größte Entertainer des 20. Jahrhunderts und vor einigen Tagen wäre er hundert geworden: Frank Sinatra. Da verbeugt sich auch der Bad Kissinger Winterzauber vor dem legendären US-Sänger mit einer überzeugenden Hommage mit Roger Pabst an den King of Swing.
Auch kurz vor den stillen Tagen wurde es noch mal laut, fetzig und irdisch, strömten Fans von Swing und Big Band Sound in den Regentenbau um Frankieboys Welthits hören. Roger Pabst wird als herausragender Interpret seiner Songs gehandelt, kann auch von sich behaupten die Legende mit den "Ol' blue Eyes" noch live erlebt zu haben. Sogar vom Erscheinungsbild ist er seinem Vorbild nicht unähnlich. Auch seine Stimme passt. Im ersten Teil des Konzerts sogar hervorragend. Zum perfekten Double der späten Jahre im eleganten Smoking, fehlte ihm allerdings das leichte Kratzen der verlebt rauchigen Stimme des Originals.


Gigant des Showbizz

Der Spagat, dem Original nahe zu sein, und doch eigene Akzente zu setzen, gelang Pabst, auch mit der Auswahl der Lieder, überzeugend. Sinatra war jedoch so einzigartig, wie hätte irgendjemand auch seine Aura wiedergeben können, jene Mischung aus Können, Skandal und Verruchtheit?
Es war eben nicht nur die Stimme, die ihn zum Weltstar werden ließ. Ein exzessiver Lebensstil , Drogen und Alkohol, schlagzeilenträchtigen Frauengeschichten und eine nachgesagte Nähe zur Mafia waren jahrzehntelang Futter für den Boulevard weltweit. Zuletzt waren seine Entertainer Auftritte im eleganten Smoking mit Whiskyglas in der rechten Hand und dem Mikrofon in der Linken Kult. Und wenn er dann "My Way", oder "New York, New York" mit einzigartigem Timbre in der Stimme zelebrierte, vermochte sich kaum einer dieser Aura zu entziehen.


Dem jüngeren Sinatra recht nahe

Da bedarf es schon einer guten Portion stimmlichen Könnens, braucht es eine starke Ausstrahlung, um dem Publikum "Sinatra-Gefühl" zu vermitteln. Pabst macht das ganz souverän. Charmant führt er mit den Ansagen zu den Liedern durch das turbulente Leben des King of Swing. Von "I've got you under my Skin" über "The Lady is a Tramp" bis zu "Once in my Live" zieht er die Zuhörer mehr und mehr in seinen Bann, wird mit sparsamer Gestik zum swingenden Gentleman und kommt der Legende erstaunlich nahe.


Gute Begleiter

Mit der Leipzig Big Band hat er zudem ganz feine Musiker mit einem ausgeprägten Swinggefühl an seiner Seite. Deren Arrangements eines Cole Porter oder George Gershwin ließen die Zuhörer aufjubeln. Ihre Interpretation zu Bachs "Ich steh an deiner Krippen hier" mit einem Trommelmonolog a la Bolero und einem brillanten Dialog zwischen Piano und Posaune, bis hin zu gewagt schrägen Akkorden, waren fulminanter Auftakt zum eingeschobenen "Christmas Carol" -Teil des Abends.
Den gestaltete auch die attraktive Sängerin "Lady Peppi" mit. Bei "Merry Christmas to you" innig und beseelt um dann bei "Jingle Bells" im Duett mit Pabst die Zuschauer "beswingt" zum mitklatschen zu bringen.
Und so summte, sang und klatschte der trotz des Termins gut gefüllte Regentenbau die Welthits des Großmeisters "Strangers in the Night", "New York, New York", und "My Way" mit und die kesse "Lady Peppi" wurde zu Nancy Sinatra die mit ihrem Vater auch noch das unvermeidliche " Somethin" Stupid" trällerte.


Standing Ovations

Sehr herzlich dankte Pabst den "tollen Musikern der Leipzig Big Band, den Kissinger Organisatoren und einem wunderbaren Publikum" das ihn aber noch nicht von der Bühne ließ. Also ließ er auch noch den bösen "Bad Leroy Brown" vom Stapel. Johlen Pfeifen, Klatschen und Standing Ovations, wie sich's gehört, wenn ein Weltstar zu Gast ist. Dessen Bekanntheitsgrad wird Pabst nicht erreichen, bei den Sympathiewerten liegt er aber gegenüber dem Raubein aus Hoboken, New Jersey, deutlich vorn.