Einer gemeinsamen Entsorgung des Klärschlammes im Altlandkreis Bad Brückenau steht nichts mehr im Weg. Fast nichts, muss es heißen, denn in den acht Kommunen gibt es ganz unterschiedliche Grundvoraussetzungen.

Mitte September trafen sich dazu die acht Bürgermeister der Rhönallianz. Dort wurde die Machbarkeitsstudie zur interkommunalen Klärschlammverwertung vorgestellt. Der Umsetzung des Projektes stimmten alle zu, heißt es in der gemeinsamen Pressemitteilung. Was bedeutet das für die einzelnen Gemeinden?

Gemeinsam stärker

Dass es für die jede Kommune immer schwieriger wird, den Klärschlamm selbst zu entsorgen, macht Schondras Bürgermeister Bernold Martin (CSU) deutlich: "Die Verbrennungskapazitäten sind sehr knapp und es wird immer schwieriger und teurer."

Für größere Mengen gebe es einfach bessere Konditionen. In der 2014/2015 sanierten Kläranlage von Schondra wird der Schlamm selbst gepresst, getrocknet und schließlich zum Verbrennen abtransportiert.

Neue Presse

Doch nicht alle Kommunen haben eine eigene Presse, um den Schlamm zu entwässern und für den Abtransport in eine Verbrennungsanlage vorzubereiten. Torsten Zwingmann, Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Brückenau, hat eine eindeutige Meinung dazu: "Die Anlage in Trübenbrunn ist für die gemeinsame Aufbereitung des Klärschlammes der umliegenden Kommunen prädestiniert."

Es gebe ausreichend Platz auf dem Gelände, um den Klärschlamm zwischenzulagern und eine Presse aufzubauen. In vielen weiteren Allianzkommunen besteht sowieso seit einiger Zeit an den Kläranlagen dringend Handlungsbedarf. Sei es, weil die Teichanlagen eine Rechen- und Sandfanganlage benötigen (Motten, Geroda) oder die Kläranlage veraltet ist (Riedenberg, Wildflecken).

Zukunftsträchtig

Die Bürgermeisterin von Motten, Katja Habersack (parteilos), erklärt: "Für die Aufbereitung des Abwassers in den zwei Teichanlagen brauchen wir zukünftig die Rechen- und Sandfanganlagen." Dies sei auch unabhängig vom gemeinsamen Klärschlammkonzept nötig. Während in Motten der Klärschlamm nicht mehr auf die landwirtschaftlichen Flächen aufgebracht wird, geht das Abfallprodukt in Geroda noch direkt in die Erde.

Dass diese Entsorgung keine Zukunft hat, ist Gerodas Bürgermeister Alexander Schneider (UWG) bewusst. "Eine gemeinsame Entsorgung der acht Rhönallianz-Kommunen halte ich für sehr sinnvoll", erklärt er.

Nicht für alle wichtig

Für Oberleichtersbach ist die interkommunale Zusammenarbeit beim Thema Klärschlamm hingegen zweitrangig, teilt Bürgermeister Dieter Muth (AWG) mit. Die Gemeinde hat 2013 eine neue Kläranlage mit eigener Presse errichtet.

"Für andere Gemeinden ist das Thema wegen anstehenden Umbauten viel wichtiger", bringt er es auf den Punkt. Lediglich im Gemeindeteil Modlos gebe es eine Teichanlage, deren Schlamm eventuell gemeinsam mit den anderen Gemeinden entsorgt werden könnte.

Grundlegende Entscheidung

Und wie sieht es entlang der Sinn aus? Wildflecken hat sich erst Anfang des Jahres für den Neubau einer Kläranlage entscheiden. Dort ist die Anlage in Oberbach stark veraltet. Die Zeit drängt. "Wir stehen hinter der Entscheidung für eine interkommunale Zusammenarbeit beim Thema Klärschlamm", unterstreicht Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW). Bisher lagert die Gemeinde den Klärschlamm selbst ab und lässt ihn in eine Verbrennungsanlage fahren.

In Riedenberg ist die Sache verzwickter. Dort steht eine ganz grundsätzliche Entscheidung an. "Derzeit läuft eine Machbarkeitsstudie zum Abwasseranschluss nach Römershag", teilt Bürgermeister Roland Römmelt (CSU) mit.

Anschluss an Brückenau?

Die Frage ist hier nämlich, ob die Gemeinde die hoheitliche Aufgabe der Abwasserentsorgung in andere Hände gibt. "Wenn wir an Römershag und damit an die Anlage in Trübenbrunn anschließen, dann wird der Klärschlamm sowieso schon vor Ort aufbereitet", sagt Römmelt.

Derzeit wird der Klärschlamm aus der kleinen Gemeinde an der Sinn alle zwei Jahre in eine Verbrennungsanlage abtransportiert. Für die grundlegende Entscheidung zur Kläranlage kann sich der Bürgermeister auch einen Bürgerentscheid vorstellen.

Gremien entscheiden

"Das ist eine so wichtige und zukunftsweisende Aufgabe, dass ich alle Bürger mit einbeziehen möchte", betont Römmelt. Durch die Wildfleckener Entscheidung, eine neue Kläranlage in Oberbach zu bauen, seien für die unterhalb liegende Gemeinde die Karten neu gemischt.

Als nächster Schritt, heißt es in der gemeinsamen Presseerklärung, sollen nun die weitere Planung sowie die Kostenverteilung in den einzelnen Gemeinderäten behandelt werden.

INFOKASTEN

Kläranlage Trübenbrunn

Größe Die Anlage hat die sogenannte Größenklasse vier, das bedeutet, dass sie eine Ausbaugröße von 20 000 Einwohnerwerten hat.

Anschluss Das Kanalnetz der Trübenbrunner Anlage beinhaltet alle Stadtteile von Bad Brückenau, den kompletten Buchrasen, Dreistelz, Zeitlofs mit Roßbach und Weißenbach. Detter hat eine eigene Kläranlage, die von den Stadtwerken betreut werden. Von der hessischen Seite ist noch Züntersbach angeschlossen.