Am 9. Juni ist der Kurmusiker "Vili" Vilmos Dévényi einen Monat vor seinem 79. Geburtstag zu Hause friedlich eingeschlafen.

Vili konnte auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Als jüngstes von sechs Geschwistern wurde er in Budapest, Ungarn, ge boren. Seine musikalischen Wurzeln bekam er in die Wiege gelegt. Sein Ururgroßvater Antonin Dvorák war ein berühmter Komponist. Dass er diesen Namen nicht weitertragen konnte, beruhte auf der Angst seiner Großeltern vor Verfolgung. Daher wurde der Name ins Ungarische übersetzt.

Bereits mit 13 Jahren spielte Vili so gut Klarinette, dass er immer wieder einmal in der Oper aushelfen durfte. Musik war sein Leben, aber nicht nur seines, denn die Mutter trat als Koloratur-Sopranistin ebenfalls in der Staatlich-Ungarischen Oper auf und war ausgebildete Kirchenorganistin. Der Vater spielte Fa gott. Im ganzen Haus ertönte jeden Tag aus irgendeinem Zimmer Musik, erzählte Vili immer wieder.

Sein Leben änderte sich schlagartig im Alter von 16 Jahren, als seine Eltern aus dem kommunistischen Ungarn nach Kanada flohen und ihn zurücklassen mussten. Vili war auf sich alleine gestellt. Er beendete trotz allem seine Ausbildung als Feinmechaniker, und im Jahr 1969 hielt er auch sein Diplom als Klarinettist in Händen. Gegen den früheren Willen seines Vaters fing Vili an, zusätzlich Saxophon zu spielen. Von da an spielte er 25 Jahre lang in den verschiedensten Formationen und in den unterschiedlichsten Varietés, Klubs, Theatern und sogar im Zirkus. Auch als Schauspieler war er in einigen Filmen zu sehen, und natürlich begleitete er das Orchester beim Einspielen der Filmmusik.

Als Vili endlich aus Ungarn ausreisen durfte, führte ihn sein Weg als Erstes nach Hamburg, wo er mit seiner Band "Jokers" auftrat. Als Musiker war er auf den verschiedensten Schiffen und durch ganz Skandinavien unterwegs.

Sein letzter Lebensabschnitt war ab 1988 Bad Brückenau, wo er sofort zum Liebling des Publikums wurde. Seine humorvolle Art brachte jeden zum Lachen, für sein ausgesprochen nettes Wesen wurde er von jedem ins Herz geschlossen, jeder liebte den zarten Klang seiner Klarinette, und sein mitreißendes Sa xophon-Solo bei Yakety Sax wird für immer in Erinnerung bleiben. Vili war nicht groß von Statur, aber ein riesengroßer Musiker mit einem noch größeren Herzen, der gerne sein Wissen auch an der Musikschule Bad Brückenau weitergab.

Vili war dreimal verheiratet. Mit seiner ersten Frau, die er im Zirkus kennenlernte, kamen die Kinder Vili und Marianna zur Welt. Mit seiner Tochter Marianna hatte er zuletzt sonntags gemeinsam zum Tanz auf der Bühne gestanden, wodurch für ihn ein Traum wahr wurde. Sie hatte sein musikalisches Talent als Einzige geerbt. Mit seiner zweiten Frau hatte er einen Sohn, Zsolt, der heute in Kanada lebt und von Vili regelmäßig besucht wurde. Besonders glücklich war er über seinen Enkelsohn Gabriel. Um ihn trauern seine Familie und seine Freunde, allen voran seine langjährigen Musikerkollegen Csaba Béke, Géza Burai, László Döme und Endre Patay. Csaba Béke