In Unterfranken wehen die Trauerfahnen - Barbara Stamm, die frühere Landtagspräsidentin, ist tot. "Sie war Mutter Bayerns und mit ihrer Hilfsbereitschaft und Wärme ein großes Vorbild - auch für mich ganz persönlich", sagt Ministerpräsident Markus Söder. Auch im Landkreis Bad Kissingen trauern viele Menschen um die Frau, deren großes Herz, Humor und und Engagement für die Schwachen bereits zu Lebzeiten als einzigartig in der Politik gewertet wurden.

So äußert sich Landrat Thomas Bold: "Die Nachricht vom Tode Barbara Stamms bewegt mich sehr. Mit ihr verlieren wir eine beeindruckende Persönlichkeit, die immer und bedingungslos für andere eingetreten ist. Sie wird nicht umsonst als ,soziales Gewissen der CSU' bezeichnet: Sie hat ihr Leben komplett in den Dienst der Menschen gestellt, kämpferisch und voller Überzeugung ist sie insbesondere für die Schwachen und Hilfsbedürftigen eingetreten." Sie habe mit vollem Einsatz für die Menschen und für die Sache gekämpft. "Dabei war sie immer offen und ehrlich, hat nie ein Blatt vor den Mund genommen. Keine Anstrengung war ihr zu groß - bis zum Schluss, als ihre Kraft bereits langsam nachgelassen hat, hat sie dafür gekämpft, das umzusetzen, wofür sie brennt."

Ohne sie kein Zentrum für Pflege

So habe sie, sagt Thomas Bold, "wesentlich dazu beigetragen, dass das Zentrum für Pflege, Sozialberufe und Ehrenamt (ZfPSE) im ehemaligen Kloster Maria Bildhausen nun an den Start gehen kann". Ebenso wie in Bad Brückenau, wo sie vor rund 25 Jahren als Sozialministerin durchgesetzt hat, dass das Krankenhaus bestehen bleibt. Barbara Stamm sei vor allem "auch Mensch", nicht nur Politikerin gewesen. "Aus unserer gemeinsamen Arbeit ist längst eine Freundschaft gewachsen. Besonders habe ich an Barbara Stamm ihren Humor und ihre lebenslustige, positive Art geschätzt. Sie hat sich nie unterkriegen lassen, auch nicht vom Krebs, gegen den sie bis zuletzt gekämpft hat. Mein tiefes Mitgefühl gilt ihrer Familie, insbesondere ihren drei Kindern, die eine wunderbare Mutter verlieren."

"Eine mütterliche Freundin"

Sandro Kirchner, Innenstaatssekretär: "Für mich war sie eine Person, zu der ich aufschauen konnte. Eine große Persönlichkeit, an der man sich orientieren kann. Sie hatte einen Kompass in der Hand. und der war sehr wertvoll für unsere Gesellschaft. Ich war sehr traurig, als mir ein guter Freund heute morgen die SMS mit der Nachricht ihres Todes geschickt hat. Sie war eine mütterliche Freundin."

Michl Müller, Kabarettist: Liebe Barbara, Danke für Deine Liebe zur fränkischen Fastnacht, Dein Lachen, Dein großes Herz, Deine Ehrlichkeit und manch schlagkräftiges Wort in der Politik. Ich werde dich vermissen.

"Christliche Grundhaltung"

Der gebürtige Hammelburger Pfarrer Burkard Hose: "Wenn es um die Not einzelner Menschen ging, war sie immer ansprechbar. Wir haben auch miteinander gerungen. Aber immer, auch im politischen Streit, habe ich sie als eine Persönlichkeit erlebt, die Politik glaubwürdig aus einer christlichen Grundhaltung heraus gestalten wollte. Eine Politikerin mit Leib und Seele."

Staatssekretärin Manuela Rottman (Grüne): "So werde ich Barbara Stamm in Erinnerung behalten: Von langen Jahren in hoher politischer Verantwortung hat sie sich nie die Kraft zum Zuhören und zum Widerspruch nehmen lassen. Sie hat sich weder ihr großes Herz noch ihren Schneid abkaufen lassen. Sich selbst hat sie nie geschont, bis zum Schluss ging sie immer an die Grenze ihrer Kraft. Für mich hatte sie immer ein offenes Ohr, wenn es darum ging, zusammen einem Menschen beizustehen. Da war die Parteizugehörigkeit egal. Für all das habe ich sie immer bewundert. Dafür wurde sie von den Menschen in Unterfranken geliebt und verehrt. Danke für unendlich viel, Barbara Stamm."

"Starke Frau"

Klaus Hofmann, Leiter des Hauses Volkersberg, erinnert sich an Barbara Stamm als "starke Frau mit einem großen Lebenswerk". Dem Volkersberg und der Jugendbildungsstätte sei sie immer verbunden gewesen, was sicher aus ihrer Zeit als Diözesanvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend herrührte. Der Kontakt habe auch während ihrer politischen Karriere gehalten. Stamms Tod kam für Hofmann überraschend, auch weil sie sich bei ihren öffentlichen Auftritten wenig bis gar nichts von ihrer Erkrankung habe anmerken lassen. Das habe von ihrem starken Willen gezeugt.

Auch Alexander Steinbeis, Intendant des Kissinger Sommers, trauert: "Das plötzliche Ableben von Barbara Stamm erfüllt uns mit tiefer Trauer. Frau Stamm war über viele Jahre eine treue Besucherin der Konzerte des Kissinger Sommers. Sie hat uns stets mit regem Interesse, Wohlwollen und Begeisterung begleitet. Wir werden sie schmerzlich vermissen.

"Sie wird fehlen"

Parteiübergreifend gedenken Politiker und Politikerinnen Barbara Stamm mit herzlichen Worten, wie auch die Parlamentarische Staatssekretärin Sabine Dittmar (SPD): "Barbara Stamm war eine der großen Polit-Persönlichkeiten in Bayern. Eine Frau, die weit über die Parteigrenzen hinweg großes Ansehen genoss. Eine Politikerin der Tat und nicht des Wortes. Eine Frau, die Überzeugungen hatte und für diese eingetreten ist und das immer zum Wohl der Menschen. Das hat sich auch und gerade in ihrer Tätigkeit als Vorsitzende der Lebenshilfe Bayern gezeigt. Bei der Feier zum 60. Bestehen der Lebenshilfe im Juli in Würzburg durfte ich Barbara Stamm noch einmal erleben. Beeindruckend, wie sie sich, obwohl sie von ihrer Krankheit schon gezeichnet war, für die Anliegen der Menschen mit Behinderung eingesetzt hat. Sie wird in dieser Funktion, aber auch als Mensch und mutmachende Stimme fehlen.

Steffen Hörtler, Vorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft: Wir trauen um unsere ehemalige Schirmherrschaftsministerin und Karlspreisträgerin. Frau Stamm hat sich immer für die Belange der Sudetendeutschen eingesetzt und dabei immer unsere verständigungspolitische Arbeit nach Tschechien nach Kräften unterstützt. Wir verlieren in ihr eine großartige Europäerin.

Martin Riß, Geistlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Dominikus-Ringeisen-Werks (Kloster Maria Bildhausen): "Mit ihr verlieren wir eine starke Stimme in Bayern für Menschen mit Beeinträchtigungen. Barbara Stamm stand bis zuletzt in engem Austausch mit uns, hat unsere Einrichtungen besucht und sich für wichtige Projekte in der Soziallandschaft Bayerns und insbesondere in ihrer Heimat Unterfranken stark gemacht. Ohne ihren Einsatz, ihre Tatkraft, Beharrlichkeit und Zielstrebigkeit wäre das erst im August in Maria Bildhausen bei Münnerstadt gegründete Zentrum für Pflege, Sozialberufe und Ehrenamt (ZfPSE) mit insgesamt neun Trägern aus Stiftungen, Medizin, Verbänden und der Stadt Münnerstadt wohl nie Realität geworden."

Generaloberin der St. Josefskongregation, Schwester Katharina Wildenauer, Maria Bildhausen: "Wir sind traurig und gleichzeitig sehr berührt darüber, eine so lange Wegstrecke mit Barbara Stamm unterwegs gewesen sein zu dürfen. Mit ihr verlieren wir eine Freundin der Menschen und der Ordensschwestern sowie eine große Fürsprecherin in den Anliegen für die Menschen am Rand der Gesellschaft."

Dieser Artikel wird im Laufe des Tages fortwährend ergänzt.