Corona ändert Vieles, greift tief ein in bisher Selbstverständliches, macht vor Traditionen nicht halt, stellt kirchliches Leben vor große Herausforderungen. Auch in Reiterswiesen und Arnshausen mussten Termin und Ablauf der Erstkommunion geändert werden. Aber wenn schon der "weiße Sonntag" in diesem Jahr wegen der Pandemie nicht wie gewohnt ablaufen kann, soll doch den Kindern und ihren Familien ein festlicher Tag mit prägendem Glaubenserlebnis bereitet werden. So beschreiben Natascha d'Angelo und Melanie Kiesel von der Kommuniongruppe Reiterswiesen-Arnshausen den gemeinsamen Nenner bei den Vorbesprechungen der Eltern zum Ablauf der Erstkommunion mit Pfarrer Gerd Greier und Gemeindereferentin Regina Bühner.

Spende für versteckte Engel

Die beiden jungen Frauen aus Reiterswiesen hatten als "Kommunionmütter" die kirchliche Vorbereitung mit Gruppenstunden und Aktionen der Erstkommunikanten ergänzt. So wurde nach einem Familiengottesdienst eine kleine Feier mit Kuchenverkauf organisiert, der immerhin 165 Euro einbrachte. Den Erlös durften die Kinder am letzten Schultag den "versteckten Engeln" der Kissinger Tafel überreichen. Bei den Besprechungen über den Ablauf der Eucharistiefeier stellte Stadtpfarrer Gerd Greier die Möglichkeiten einer würdigen Sakrament-Spende unter Corona-Bedingungen vor: Verschieben auf nächstes Jahr? In aufeinander folgenden Sonntagsgottesdiensten jeweils zwei Kinder mit Familien? Oder alle neun Kinder gemeinsam, aber nur zehn Personen pro Familie? Alles schien dem Tag nicht angemessen.

Gnadenort Terzenbrunn

Gerd Greier, als Leiter der Pfarreiengemeinschaft Jesus, Quelle des Lebens, mit Verantwortung für gelebtes Christentum, als Seelsorger nah bei den Menschen und mit Blick für Machbares, überraschte mit einem völlig neuen Vorschlag: Wir wagen etwas ganz Besonderes, feiern unter freiem Himmel an einem Platz, den die Region seit Generationen als Gnadenort in ihr Herz geschlossen hat: Am Terzenbrunn, den die Gläubigen mit Kapelle, Kreuz, Grotte und Brunnen als würdevollen Hort des Glaubens nicht nur bei den Flurprozessionen und Wallfahrten erleben, sondern dort zu allen Zeiten Ruhe, Andacht und innere Einkehr finden können.

"Da gab es dann keine andere Meinung mehr", berichteten die Kommunionmütter, "alle freuen sich darauf". Natascha d'Angelo versichert: "Natürlich wird alles getan, dass die Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden können" und Melanie ergänzt: "Kein öffentlicher Gottesdienst, nur die angemeldeten Angehörigen sind zugelassen." Die Pandemiegebote sind selbstverständlich. Es kann auch keinen gemeinsamen Ein- und Auszug geben, aber Musik wird spielen, die Erstkommunionkinder sitzen auf weißen Stühlen, die Familien auf Bänken mit weißen Hussen, denn feierlich soll es schon sein. Nur wenn es heftig regnet wird das Sakrament in der St. Laurentiuskirche Reiterswiesen gespendet. Aber nicht nur Natascha d'Angelo und Melanie Kiesel hoffen auf Petrus' Güte, damit Gottes Gnade beim Sakrament diesmal am Terzenbrunn wirken kann.