Jetzt entscheiden Sekunden. Knacken. Knistern. Ganz leise. Das feine Häutchen platzt von der Kaffeebohne. Das Puffen von Popcorn wäre Lärm dagegen. Die Nachbarn von Rainer Bühner wissen, was gerade passiert. Sie können es riechen. 214 Grad zeigt die digitale Anzeige. Seit einer halben Stunde wirbeln knapp zehn Kilo der exotischen Frucht in der Edelstahl-Trommel über der Gasflamme. Einen Moment zu lange und die Ladung wäre ungenießbar. Öffnet Rainer Bühner die Lucke zu früh, fehlt das Aroma. Dafür brennt der 49-Jährige - der wohl einzige Kaffee-Röster in der Rhön.


Spätberufener Spezialist

Kaffee war nie sein Getränk. Er schlug ihm immer auf den Magen, erzählt Rainer Bühner. Bis der 49-Jährige realisierte: "Es liegt nicht an mir, sondern am Kaffee." Der gelernte Schreiner war bei Kundschaft am Werkeln, als ihn der "Kaffeevirus" erwischte. Er schnupperte frisch gerösteten Kaffee: Der Beginn seiner Leidenschaft. Fast zehn Jahre ist das nun her. Inzwischen ist der Handwerker Teilzeit-Kaffee-Röster, betreibt in der Rhön eine eigene Rösterei und experimentiert mit Aromen aus der ganzen Welt.

"Die Stinkerbohnen müssen raus", sagt Rainer Bühner. Einzelne schlechte Bohnen sortiert er aus der Fuhre frisch aus dem Röster aus. Eine würde reichen, und der Geschmack einer ganzen Packung Kaffee wäre verloren, erklärt er.


Rohstoffe aus der ganzen Welt

Seine Rohstoffe stammen aus einem Dutzend verschiedener Länder, sein Lieferant lagert die Bohnen in Hamburg. Es dauerte ein Vierteljahr bis er die ersten drei Kaffeezusammenstellungen kreiert hatte. Mittlerweile stehen 19 verschiedene Sorten in den Regalen. In der ehemaligen Garage neben dem Wohnhaus hat der 49-Jährige den Verkaufsraum eingerichtet. Die Waschküche dahinter wurde zum Lagerraum umfunktioniert. Die wuchtige Röstmaschine steht da, wo seine Kunden einkaufen. Ein Aufsteller an der Hauptstraße in Brendlorenzen, einem Bad Neustädter Stadtteil, markiert den Weg in die schmale Gasse in Richtung Rösterei. An diesem Abend ist geöffnet. Und das, obwohl vor nicht einmal einem Jahr, sein wichtigstes Werkzeug fast zerstört wurde.

Es war um Weihnachten, als die Kaffeeröstmaschine Feuer fing. Während einer Vorführung entzündeten sich die trockenen Blättchen der Bohne. Die Maschine - kaputt. Er steht vor der Frage: aufgeben oder in das Hobby investieren. Rainer Bühner hat nicht wirklich eine Option: "Da steckt so viel Herzblut drin", sagt er und lächelt breit. Braune Augen, braunes Polo-Hemd, kurze Haare, ein Ohrring auf der linken Seite, trockene Handwerker-Hände mit Hornhaut und Schrammen. Kaffee ist seine Leidenschaft. Früher hat er bis in die Nacht geröstet, wenn er vom Bau nach Hause kam. Am Wochenende sowieso. Jetzt gilt: Freitag ist Röst-Tag. Mit dabei, seine Tochter Zoé. Der 13-Jährigen schmeckt Kaffee längst, aber noch lieber knabbert sie die gerösteten Bohnen. Aber: Wie schmeckt er, der perfekte Kaffee?


"Guter Kaffee darf robust schmecken"

Die billigen Kaffees sind gestreckt und mit Zucker aromatisiert, sagt Rainer Bühner. So etwas kommt ihm nicht in den Filter. Sein Favorit: der mittlere Röstgrad der Bohne. Dann wird der Kaffee nicht zu fruchtig und nicht zu scharf. "Es kommt darauf an, wie geröstet wird." Ist der Kaffee am Ende kräftig, aromatisch, würzig und hat "kaum eine fruchtige Note", schmeckt er Rainer Bühner am besten. "Guter Kaffee darf robust schmecken", sagt er. Ausschlaggebend für das Aroma ist, wie lange und bei welcher Temperatur geröstet wird. Je nach Vorlieben berät er seine Kundschaft, auf der Suche nach dem richtigen Geschmack für den jeweiligen Gaumen. Sein Credo - in Anlehnung an seine eigene Kaffee-Vergangenheit - lautet: "Wir machen Kaffee-Trinker".

Wenn alles passt - Farbe, Geruch und Temperatur - sind die Bohnen soweit. Rainer Bühner lässt sie aus der Röst-Trommel rasseln, ein paar Minuten abkühlen und schließlich ein bis zwei Tage an der Luft trocknen - der letzte Schritt bis zum besonderen Aroma, das in 250-Gramm-Päckchen geschweißt wird.


Bald Franken-Kaffee im Regal?

Rainer Bühner träumt laut: "Irgendwann einmal vom Kaffee-Geschäft leben." Dafür müsste er das, was er heute im Jahr umsetzt, jeden Monat verkaufen. Davor würde er am liebsten mal den Kaffee, den er röstet, einmal selbst ernten. Am besten auf der Vulkaninsel Java in Indonesien, sagt er. Bis dahin tüftelt er an seiner neuesten Kreation, dem Franken-Kaffee. Der ist noch in der Entwicklungsphase. Nur soviel: Geschmacklich soll er in die Richtung des Verkaufsschlagers gehen - "Bühners Feiner".


Feiertag für die wichtigste Bohne der Deutschen

Ehrentag Heuer findet der "Tag des Kaffees" erstmals am 1. Oktober gemeinsam mit dem neu geschaffenen "International Coffee Day" statt. Den "Tag des Kaffees" feiert man in Deutschland schon seit zehn Jahren, bisher immer am 29. September.

Klassiker Trotz Trends um Variationen wie Cappuccino & Co. ist der Filterkaffee den Deutschen am liebsten - ob schwarz oder mit Milch, gezuckert oder herb.

Global Nach Erdöl ist Kaffee weltweit das meist gehandelte Produkt. Mehr als 25 Millionen Kaffeebauern leben von der Kaffee-Ernte und den Verkauf der Bohnen. In 70 Ländern wird Kaffee angebaut. Mengenmäßig sind Brasilien und Vietnam die größten Kaffeeproduzenten. Neben diesen beiden zählt Honduras zu den wichtigsten Anbauländern für den deutschen Kaffeemarkt.

Konsum Im Schnitt werden in jeder Minute auf der ganzen Welt zwei Millionen Tassen Kaffee getrunken. Die Deutschen greifen regelmäßig zur Kaffeetasse: Hierzulande wird nichts öfter getrunken als Kaffee. Laut Deutschem Kaffeeverband lag der Verbrauch pro Kopf im vergangenen Jahr bei 162 Litern. (Zum Vergleich: bei Bier sind es knapp 106 Liter.) Nur in den USA und in Brasilien werde mehr Kaffee getrunken. Laut einer Umfrage des Statistischen Bundesamts im Jahr 2015 besitzen 84,6 Prozent der deutschen Haushalte mindestens eine Kaffeemaschine.

Gesundheit Inzwischen gilt Kaffeekonsum in Maßen - bis zu vier Tassen täglich - als gesundheitsfördernd und belebend. Analysen haben ergeben: Im Kaffee stecken mehr als 1000 verschiedene Inhaltsstoffe wie Vitamine und Antioxidantien.