Bäcker Marius Motsch hat in den letzten Monaten immer wieder seine Preise für Gebäck, Brot und Brötchen angehoben. Grund: Der Strom wird immer teurer und ein Bäckereibetrieb verbraucht viel davon. "Die Energiekosten sind nach Löhnen und Material die höchsten Fixkosten", sagt Motsch. Kühl- und Frostanlagen laufen 365 Tage im Jahr rund um die Uhr, der Ofen mit zwölf Quadratmetern Backfläche wird an jedem Arbeitstag sechs Stunden auf einer Temperatur zwischen 200 und 290 Grad gehalten. "Da fließt einiges an Kosten rein", erklärt Motsch.

Zuletzt sind die Strompreise stetig gestiegen: Laut Bundesverband der Deutschen Energie und Wasserwirtschaft von 14 Cent/Kilowattstunde (2000) auf 29 Cent/Kilowattstunde im letzten Jahr. Rund ein Fünftel des Strompreises fällt für die EEG-Umlage zur Finanzierung von Ökostrom an.

Einsparmöglichkeiten gesucht

"Jetzt ist fast die Schmerzgrenze erreicht", sagt Motsch. Noch akzeptierten viele Kunden höhere Preise, allerdings kaufen sich schon einige ihre Backwaren beim Discounter: "Der Konkurrenzdruck ist groß." Der Bad Kissinger Bäcker versucht deshalb, die gestiegenen Energiepreise nicht allein dem Verbraucher aufzudrücken, sondern sucht Einsparmöglichkeiten. Zuletzt hat er in ein Blockheizkraftwerk investiert und deckt einen kleinen Teil seines Strombedarfs selbst.

Damit ist Marius Motsch nicht allein. Steigende Energiepreise belasten produzierende Handwerksbetriebe generell, sagt Rolf Lauer, Geschäftsführer der Handwerkskammer Unterfranken. "Bäcker, Metzger und Konditoren können steigende Energiekosten nicht eins zu eins auf ihre Produkte umlegen", erklärt er. Viele Unternehmen versuchen also, die Kosten zu senken und investieren in neue Technik und Maschinen, um Energie zu sparen. Lauer bemängelt, dass die Politik diese Anstrengungen nicht belohnt. "Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in seiner jetzigen Form setzt falsche Anreize", kritisiert er.

260 Millionen Euro Belastung

Zu Beginn des Jahres ist die EEG-Umlage von 5,28 Cent auf 6,24 Cent pro Kilowattstunde gestiegen. Klingt nach wenig, in der Summe kommt einiges zusammen. "Für die bayerischen Handwerksbetriebe bedeutet das eine geschätzte Mehrbelastung von rund 260 Millionen Euro im Jahr", sagt Rolf Lauer. Die Belastung sei zwar nicht existenzgefährdend, aber ein ernstzunehmender Wettbewerbsnachteil. Er fordert, dass mittelständische Handwerksbetriebe nicht zusätzlich durch steigende Strompreise belastet werden dürfen.

Das EEG sieht für energieintensive Großkonzerne, die international tätig sind, Ausnahmen vor, sie zahlen nicht die volle Ökostrom-Abgabe. Das empfindet Bäcker Marius Motsch als ungerecht. Im Verhältnis zu Großbetrieben, halte er mehr Arbeitsplätze bereit, nämlich neun Mitarbeiter für einen Laden. Gleichzeitig träfen ihn die hohen Energiepreise viel stärker.

Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) verteidigte bei ihrem Besuch am Freitag in Bad Kissingen und einem Gespräch mit Wirtschaftsvertretern die Ausnahmen. "Bei den Großbetrieben geht es um die Existenzsicherung", sagte sie. Aigner traf sich mit Vertretern der Handwerkskammer Unterfranken zu einem Arbeitsgespräch, auf dem unter anderem auch die Sorgen über steigende Energiepreise angesprochen wurden. Aigner beschwichtigte: Mit der Reform des EEG werde es der Bundesregierung gelingen, den Anstieg der Energiepreise zu dämpfen. Sie berief sich auf Berechnungen, wonach sich die EEG-Umlage bis 2019 auf nicht mehr als 7 Cent je Kilowattstunde verteuern wird. "Langfristig glaube ich, dass die Stromkosten wieder sinken", sagte sie. Aus Sicht der Handwerkskammer ist die versprochene Kostendeckelung ein sinnvoller Schritt. Der Verband forderte weiter, dass die Regierung Maßnahmen zum Energiesparen stärker als bisher fördern sollte.



Energiekosten und EEG-Reform

Im Jahr 2000 wurde das Erneuerbare-Energien-Gesetztes (EEG) verabschiedet. Ziel war es, grünen Technologien wie Wind- und Sonnenenergie den Zugang zum Strommarkt zu ermöglichen. Das EEG garantiert, dass Ökostrom vorrangig zu einem festen Preis ins Netz eingespeist wird. Die Gesellschaft finanziert das über eine spezielle Abgabe: die EEG-Umlage.

Seit 1. August gilt die Novelle des EEG. Ein wesentliches Ziel soll sein, die Kosten der Energiewende zu senken. Die Förderung wird stufenweise gesenkt. Laut Bundeswirtschaftsministerium beträgt die Vergütung für erneuerbare Energien derzeit etwa 17 Cent pro Kilowattstunde. Betreiber neuer Anlagen werden ab 2015 etwa 12 Cent pro Kilowattstunde erhalten.

Energieintensive Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb stehen, werden vom Gesetzgeber entlastet. Sie zahlen einen Teil der EEG-Umlage. Kleine Handwerksbetriebe wie Bäckereien, die ebenfalls sehr stromintensiv produzieren, zahlen dagegen die volle Umlage.