Vor gut einer Woche wurde bekannt, dass am Samstag eine rechtsextreme Demonstration am Theaterplatz stattfindet. Dagegen hat sich mittlerweile eine breite Gegenbewegung unter dem Namen "Bad Kissingen ist bunt" formiert, die zeitgleich am 23. April von 15 bis 17 Uhr zu einer Gegenveranstaltung vor dem Landratsamt in der Oberen Marktstraße aufruft.
"Wir wollen zeigen, dass es eine breite Basis dagegen gibt und wir wollen den Rechten zeigen, dass wir uns dagegenstellen", sagt Tobias Eichelbrönner, Kreisvorstand bei den Grünen.


Unterstützung aus allen Lagern

Von der Linken über die Piraten bis zur CSU, von der Arbeiterwohlfahrt über den Deutschen Gewerkschaftsbund bis zum Hammelburger Freundeskreis für Flüchtlinge. "Wir haben es geschafft, ein breites Bündnis demokratischer Gruppierungen zu schmieden", freut sich die Grünen-Kreisvorsitzende Monika Horcher. "In Bad Kissingen wird für Neonazis nichts zu holen sein." Die Aktion Bad Kissingen ist bunt wird von allen im Kreistag vertretenen politischen Fraktionen unterstützt. Auch von den Freien Wählern, die sich zunächst passiv verhalten wollten, weil sie eine zahlenmäßig kleine, rechtsextreme Kundgebung mit einer Gegenveranstaltung nicht aufwerten wollten.


OB reist aus Marienbad an

Bad Kissingens Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) ist es ebenfalls wichtig, ein Zeichen zu setzen. Er kündigte gestern auf Nachfrage an, vorzeitig von einem offiziellen Besuch mit dem Stadtrat aus dem tschechischen Marienbad abzureisen, um an der Gegendemonstration teilzunehmen. "Wir haben keine Garantie, dass es bei einer kleinen, rechtsextremen Kundgebung bleibt", sagt er. "Deshalb heißt es: Flagge zeigen!"
Auch der Bad Kissinger Frauenring, der Integrationsbeirat und die Integrationsbeauftragte des Stadtrates Karin Reinshagen (SPD) unterstützen die Gegendemo. Man wolle Bad Kissingen als weltoffene Stadt präsentieren, "in der Geflüchteten mir Respekt und Mitmenschlichkeit begegnet wird", schreibt Reinshagen in einer Pressemitteilung. Sie fordert Teilnehmer auf, Schilder und Trillerpfeifen mitzubringen sowie und bunte Kleider zu tragen.
Die NPD-nahe Gruppierung "Schweinfurt wehrt sich" hat ihre Veranstaltung unter dem Titel "Bad Kissingen wehrt sich - Schluss mit Asylbetrug und Islamisierung angemeldet". Die Gruppierung wird von der Polizei als rechtsextrem eingestuft und hat bereits ähnliche Kundgebungen in Schweinfurt durchgeführt. Dort kamen am Ende rund 50 Demonstranten zusammen, darunter kaum "besorgte Schweinfurter", dafür aber einschlägig Bekannte aus dem Bamberger und Nürnberger Raum. Die Behörden in Bad Kissingen rechnen am Samstag ebenfalls mit rund 50 Teilnehmern. In einer Facebookgruppe haben bislang 45 Rechte ihr Kommen angekündigt.
Monique Schober, laut Flyer eine der Initiatoren und außerdem Betreiberin der "Schweinfurt wehrt sich"-Seite, behauptet in einem rechten Online-Magazin, sie sei von Bad Kissinger Bürgern gebeten worden, in der Stadt eine Demo zu veranstalten. Auf schriftliche Anfrage dieser Zeitung, für wen sie konkret spricht und wie viele Bad Kissinger sie zu der Kundgebung erwartet, reagierte sie allerdings nicht.


Rechtes Erstarken verhindern

Die Gegenveranstaltung "Bad Kissingen ist bunt" findet bewusst örtlich getrennt von den Rechtsextremen statt, es ist kein Umzug geplant. Man sucht keine direkte Konfrontation, es soll friedlich bleiben. "Der Platz ist symbolisch gewählt. Wir sind in der Fußgängerzone bei den Leuten", sagt Eichelbrönner. Die Rechten stünden am Theater im Abseits. Der Name der Veranstaltung sei gezielt g an bereits bestehende Bündnisse in Schweinfurt und Würzburg angelehnt.
Ziel ist es, von Anfang an gegen das Erstarken rechter Gruppen vorzugehen. "Bad Kissingen und der Landkreis sind zu weltoffen und tolerant, als dass rechtsextreme und menschenfeindliche Parolen bei uns auf fruchtbaren Boden fallen", bekräftigt Horcher.


CSU-Spitze terminlich gebunden

Landrat Thomas Bold (CSU) betont die Wichtigkeit, sich gegen die Rechtsextremen zu positionieren. Zwar wurde er als offizieller Redner für "Bad Kissingen ist bunt" angefragt, sagte aber aus terminlichen Gründen ab. Bei dem Landtagsabgeordneten und CSU-Kreisvorsitzenden Sandro Kirchner verhält es sich ähnlich. Seine Teilnahme scheitere aus terminlichen Gründen. Wie viele Teilnehmer letztlich zu der Gegendemonstration erwartet werden, können die Organisatoren nicht abschätzen. Das Amt für öffentliche Sicherheit und Ordnung stellt sich auf bis zu 500 Menschen ein. Ähnlich viele sind auch zu den Gegenveranstaltungen in Schweinfurt gekommen.