Die Oerlenbacher Wallfahrt nach Retzbach leitet erstmals Otmar Lutz. Er war viele Jahre Stellvertreter von Otmar Seidl, der im letzten Jahr von der Hauptverantwortung zurückgetreten war und für seine Verdienste zum Ehrenwallfahrtsführer ernannt wurde.

"Barmherzigkeit heute" ist in diesem Jahr Leitgedanke, wenn die Pilger sich zum Fest Maria Schmerz am 17. September auf den 50 Kilometer langen Weg machen und am Tag darauf auf gleicher Strecke zurückziehen. In mehreren Besprechungen hat Otmar Lutz mit seinem Team die Vorbereitungen eingeleitet. Neue Stellvertreter sind Andreas Erhard, der sich schwerpunktmäßig um die Technik kümmert, und Nils Seidl, zuständig für die Fahrdienste. Eine wichtige Aufgabe übernimmt Ludwig Erhard, der für Sicherheit unterwegs sowie Transport der Musikinstrumente und Versorgung mit Getränken zuständig ist. Den Dirigentenstab für die Musiker hat Otmar Lutz an seinen Sohn Tobias weitergegeben. Zur Vorbereitung findet am Mittwoch, 14. September um 19.30 Uhr im Pfarrheim eine Probe statt. Den Begleittraktor steuerte in den letzten Jahren Bruno Kuhn. Das machen künftig seine Söhne Reiner und Michael sowie Matthias Saal.


Helfer sind immer gesucht

Das Gepäck befördern zwei Kleinbusse, von denen einer das Übernachtungs- und der andere das Handgepäck aufnimmt. Nur auf das Handgepäck besteht unterwegs bzw. an den Raststationen Zugriff. Die Fahrzeuge stehen am Samstag ab 2 Uhr bereit, um Gepäck aufzunehmen. Unterwegs können sich Pilger als Träger für Wallfahrtsbild, Fahnen und Lautsprecher sowie als Helfer für Verkehrssicherheit und Sanitätsdienst melden. Ansprechpartner sind die offiziell Verantwortlichen.

"Unsere Wallfahrt wird von Verkehrshelfern in Warnwesten abgesichert. Anweisungen sind einzuhalten. Wer den Pilgerzug verlässt, ist versicherungsrechtlich nicht gedeckt", verdeutlicht der Wallfahrtsführer. Ferner bittet er die Teilnehmer wieder um eine Spende, um die Kosten für Versicherungen, Fahrzeuge sowie Beschaffungen abzudecken.

Übernachtungsmöglichkeiten bestehen im Gästehaus Benediktushöhe. Ansprechpartner ist Konrad Brunner, Tel.: 09725/ 9301. Außerdem vermittelt das Pfarramt Retzbach, Tel.: 09364/ 9930 Privatquartiere. Die Kosten tragen die Wallfahrer selbst.


Wann war die erste Wallfahrt?

Die Retzbach-Wallfahrt hat eine lange Tradition. Das Wallfahrtsbild verweist auf das Jahr 1868. Ob damals die erste Wallfahrt stattfand, kann nicht belegt werden. Urkundlich bezeugt ist nur, dass am 14. September 1868 Margarethe Seufert aus Ebenhausen in die Bruderschaft aufgenommen wurde. Ebenso unbekannt sind die Hintergründe: War es ein Gelübde? Gaben Zugezogene den Anstoß? So bleiben nur Vermutungen. Dr. Andreas Werner hat in seiner Dorfchronik von 1948 dieses Thema ausgeklammert. Auch die Kirchengemeinde besitzt keine Unterlagen, zumal Oerlenbach damals keine eigene Pfarrei war, sondern Filiale der Nachbarpfarrei Pfersdorf.

Selbst in der NS-Zeit, als Wallfahrten verboten waren, hielten die Oerlenbacher an ihrem Glaubenszeugnis fest: Sie nahmen allein oder in Kleinstgruppen den Weg auf sich, wie sich ältere Bewohner erinnern. Erst in den 60er und 70er Jahren stieg die Zahl stark an und zählt auf dem Hinweg inzwischen um die 300 Personen. Am nächsten Tag machen sich um die 170 Fußpilger auf den Rückweg.

Für jene, die aus Alters- oder Gesundheitsgründen nicht mitlaufen können, wurden früher Busse eingesetzt. Die wurden mangels Nachfrage gestrichen. Manche reisen per Pkw nach.


Eine große Familie

Die Wallfahrer aus Oerlenbach und Umgebung bilden eine große Familie. "Der Großteil kennt sich. Es gibt immer ein freudiges Wiedersehen. Für viele ist Retzbach ein fester Termin im Jahreskalender. Da reisen manche aus weiter Ferne wie Berlin, München oder Bodensee an. Wir freuen uns aber auch auf alle, die sich neu eingliedern wollen und eine Wallfahrt mit ihren Herausforderungen erleben wollen", betont Otmar Lutz.


Der Fahrplan der Wallfahrer

1. Tag: 2.20 Uhr Verabschiedung in der Kirche in Oerlenbach, 7.15 Uhr Frühstück in Schwebenried, 10.15 Uhr kurze Pause in Reuchelheim, 11.30 Uhr Mittagessen in Binsfeld, 14.45 Uhr Ankunft in Retzbach, anschließend Kreuzweg, 18.45 Uhr Bußandacht, Lichterprozession und Eucharistiefeier.
2. Tag: 6 Uhr Morgengottesdienst, dann Frühstück, 8 Uhr Abmarsch, 11 Uhr Pausen Reuchelheim, 13.15 Uhr Mittagessen Schwebenried, 15.50 Uhr Kaffeepause Brebersdorf, 18 Uhr Halt in Kronungen, 20.15 Uhr Ankunft am Retzbach-Kreuz, 20.30 Uhr Einzug in die Pfarrkirche mit Schlusssegen.