Gegensätze zu vereinen, ist kein Problem für Tino Reuter. Der 46-Jährige genießt beim Wandern oder Joggen das Naturerlebnis, mag es aber auch gerne etwas wilder und bunter bei Heavy Metal-Konzerten, bevorzugt von Rammstein oder Metallica. Dass man sich mit einem Obereschenbacher aber stets auch über Fußball austauschen kann, versteht sich von selbst. Da bildet der Verbundzusteller bei der Deutschen Post in Gemünden keine Ausnahme.

Wer hat Sie angespielt?

Tino Reuter: Das war Sebastian Schübert, den ich seit 22 Jahren kenne. Er war damals 18 Jahre jung und machte gerade seinen Führerschein bei der Fahrschule Gehring in Hammelburg. Michael Gehring, der Inhaber der Fahrschule und ein Vorstandskollege von mir, brachte den Kontakt zustande. Mein Kumpel Steffen Meder und ich besuchten ihn an seinem Arbeitsplatz in Elfershausen beim Hotel Ullrich und lotsten ihn zu unserem Verein nach Obereschenbach. So liefen die Vertragsverhandlungen in Zeiten ohne Handy ab, witzige Geschichte. Sebastian war ein technisch begabter Spieler und mit seinem "gefühlten" drei Meter Körpergröße natürlich auch sehr kopfballstark. Da er durch seinen Job oft verhindert war, kam er nicht auf so viele Einsätze, absolut schade bei seinem Talent. Ich hoffe, wir treffen uns echt bald mal wieder auf ein gemeinsames Bierchen.

Wie sieht Ihr Laufweg aus?

1982 habe ich mit sechs Jahren beim FCO mit Fußball spielen angefangen, damals war mein Vater der Trainer. Am Anfang war das für mich sehr schwierig, da die meisten drei Köpfe größer und auch viel schneller waren als ich. So lernte ich, den Ball schnellstmöglich abzuspielen, was sicherlich meine Stärke war. Dazu kommt ein passables Kopfballspiel trotz meiner geringen Größe. Da hat sich das Kopfballpendeltraining mit dem Vater ausgezahlt (lacht). 1988 schlossen wir uns einer Spielgemeinschaft mit dem SC Diebach an, was sich als sehr erfolgreich gestalten sollte. In der B- und A-Jugend waren es damals geile Spiele in der Bezirksliga und natürlich auch legendäre Busfahrten zu den Auswärtsspielen. 1994 wechselte ich wieder nach Obereschenbach in die 1. Mannschaft, wo ich vor zweieinhalb Jahren aufgehört habe. In dieser Zeit wurden wir dreimal Meister mit dem FCO. Von 2002 bis 2004 hatte ich zwischenzeitlich beim FC Gössenheim gespielt.

Der FC Obereschenbach/Morlesau befindet sich in der A-1 im Mittelfeld, aber auf den ersten der beiden Aufstiegs-Relegationsplätze sind es nur sechs Punkte. Geht da noch was nach oben?

Durch den Zusammenschluss mit dem SV Morlesau haben wir natürlich an Qualität dazu gewonnen. Wenn wir nicht so viele verletzte Spieler in der Vorrunde gehabt hätten, wäre ein Platz unter den ersten Drei auf jeden Fall möglich gewesen. Ich hoffe einfach nur, dass wir endlich mal das Verletzungspech ablegen, dann ist vielleicht noch ne Überraschung möglich. Es wird aber sehr schwer.

Im Eugen-Reith-Sportpark haben zahlreiche Legenden der Bavaria gekickt. Welcher von den einstigen Heroen würde Euch aktuell weiterhelfen?

Definitiv mein Cousin Marco Hofmann, der fast jedes Jahr über 20 Buden gemacht hat. So ein Stürmer fehlt uns zur Zeit.

Auf Eurer Homepage sind Sie noch als Spieler gelistet. Wie oft schnüren Sie denn noch die Fußball-Schuhe?

Normalerweise helfen die älteren Spieler im Notfall immer mal wieder aus. Bei mir hat sich es aber erledigt mit Fußball, ich hatte vor kurzem einen Achillessehnenriss...

Das ist bitter, zumal Sie auch gerne Laufsport betreiben sollen.

Das stimmt, ich laufe wirklich gerne, bin während der Corona-Zeit sogar Halbmarathon-Distanzen gelaufen, meistens über den Sodenberg. Die längste Strecke waren mal 25 Kilometer.

Warum der Sodenberg. Was verbinden Sie mit diesem schönen Flecken Erde?

Dort oben ist es wunderschön. Früher sind wir öfter mal sonntags mit der Clique zum Biergarten hochgelaufen, der ist ja jetzt leider schon längere Zeit zu. Normalerweise bin ich dort mindestens ein Mal die Woche zum Joggen, aber das hat sich mit meiner Verletzung aktuell erledigt.

Es wird gemunkelt, dass ein Trainerwechsel ansteht. Ist da was dran? Beim letzten Testspiel standen Sie zudem als Trainer auf der online-Aufstellung.

Ja, das ist korrekt, der Bernd Heid hört nach der Saison als Trainer bei uns auf. Dass ich als Trainer da drin stand, war nur ein Systemfehler. Mich haben deswegen auch schon ein paar Kumpels per WhatsApp angeschrieben.

Sie sind Mitglied beim FC Bayern-Fanclub Gössenheimer Appes? Warum Gössenheim? Und was ist/sind "Appes"?

Als ich 2002 nach Gössenheim gewechselt bin, trat ich nach etwa vier Wochen gleich dem Fanclub bei. Dort war ich von 2003 bis 2008 auch Vorsitzender. "Appes" ist der Dorfname, wie ich mir habe erzählen lassen.

Mal Hand aufs Herz, ist Ihnen die Dominanz der Roten aus der Landeshauptstadt nicht auch langweilig?

Langweilig nicht, wir feiern schon gerne, nur spannender könnte es vielleicht sein. Wenn es mal wieder ein anderes Team schafft, geht die Welt auch nicht unter. Es würde mich nur wieder mal freuen, wenn es ein Derby in der Bundesliga gegen die 59+1-Mannschaft aus München gäbe, da so ein paar "blaue Schlümpfe" aus Obereschenbach vor kurzem einen Fanclub gegründet haben (lacht).

An wen spielen Sie weiter?

Mein Zuspiel geht an meinen Kumpel Uwe Müller aus Hammelburg. Uwe lernte ich kennen, als er Trainer bei uns in Obereschenbach wurde. Er war mir von Anfang an sehr sympathisch, vor allem sein Ehrgeiz hat mich fasziniert. Dies ließ er mich auch beim ersten gemeinsamen Urlaub auf Gran Canaria ziemlich spüren. Es waren 14 Tage Trainingslager, kein Urlaub (lacht). Wir sind seitdem sehr gute Freunde.