Der Krieg in der Ukraine fordert erschreckend viele Opfer. Die Solidarität mit den Betroffenen und die Hilfsbereitschaft auch in unserer Region sind vorbildlich. Allerdings gibt es Informationen, dass russisch sprachige Menschen verbalen Anfeindungen ausgesetzt seien, darunter Kinder. Wir fragten nach bei Alexander Schreiner, ob derlei Tendenzen unter Schülern und Jugendlichen womöglich auf den hiesigen Sportplätzen erkennbar wären. Der 26-Jährige, der Schiedsrichter ist und für sein Engagement den U30-Ehrenamtspreis verliehen bekam, ist seit 1. Januar 2021 Jugendleiter im Fußballkreis Rhön.

Herr Schreiner, sind Ihnen aktuell Vorfälle von Diskriminierung auf Fußballplätzen bekannt, die sich konkret auf den Ukraine-Krieg beziehen?

Alexander Schreiner: Nein, als Kreisjugendleiter wurde mir diesbezüglich nichts zugetragen. Allerdings läuft der Trainings- und Spielbetrieb erst allmählich wieder an. Aus Verwandten- und Bekanntenkreisen weiß ich aber, dass es in den Schulen diskriminierende Äußerungen gegenüber Kindern und deren Familien gab.

Wie wird dieses Thema im Fußballkreis Rhön behandelt?

Sollten solche Fälle von Diskriminierung bekannt werden, würde das vors Sportgericht gehen. Ich selbst würde pro-activ reagieren, sobald ich da was mitbekommen würde und das im Kreis der Funktionärs-Kollegen besprechen, wie man konkret handeln könnte.

Sie selbst besitzen ja die deutsche und russische Staatsbürgerschaft, sind also sicher doppelt sensibilisiert.

Stimmt, ich bin in Russland in der Altai-Region geboren und schon in jungen Jahren mit den Eltern nach Deutschland gekommen.

Was können Sie als Kreis-Jugendleiter konkret dagegen unternehmen?

Ab dem 15. März kann ich leider in dieser Position nichts mehr unternehmen, da ich beim Kreistag mit Neuwahlen nicht mehr im Pool der Kandidaten stehe. Ich hätte gerne weitergemacht, aber beim letzten Kreisfunktionärs-Treffen wurde mir aufgrund meiner Solidarität zu meinen russischen Landsleuten nahegelegt, nicht mehr zu kandidieren.

Können Sie das präzisieren?

Ich möchte betonen, und das habe ich auch meinen Funktionärskollegen gesagt, dass ich grundsätzlich gegen Krieg bin und mich auch gegen diesen Krieg positioniere. Meine Solidarität bezieht sich auf die schwerwiegenden Sanktionen, die die russische Bevölkerung und natürlich auch die russischen Sportlerinnen und Sportler treffen.

Wird das Thema auf die Agenda des Kreistags kommen?

Da ist mir nichts bekannt. Ich würde es aber begrüßen, wenn als vorbeugende Maßnahme darüber gesprochen wird. Der Bayerische Fußballverband ist gegen jede Form von Diskriminierung und Rassismus.