Aldin Dzafic war über Jahre so etwas wie die emotionale Instanz im Spiel der Hammelburger. Und als Zuspieler einer der absoluten Leistungsträger der TV/DJK-Volleyballer bei ihrem Durchmarsch in die 2. Bundesliga, wo sich die Saalestädter seit der Saison 2015/2016 behaupten. Im Jahr 2018 gab der Publikumsliebling seinen Rücktritt bekannt - aus familiären und beruflichen Gründen. Sportlich aktiv war und ist der Jung-Gastronom, der davor als Pfleger in einer Bad Kissinger Rehaklinik gearbeitet hatte, zumindest noch als Fußballer beim Kreisklassisten SC Diebach.

Dass der Bosnier nun als Neuzugang beim Volleyball-Drittligisten VC Eltmann vorgestellt wurde, war an der Saale eine faustdicke Überraschung. "Ich habe bei Aldin schon vor längerem einmal angefragt, da hat er aber noch abgelehnt. Jetzt reden wir lediglich über einen Zeitraum von fünf bis sechs Wochen", sagt VC-Vorsitzender Rolf Werner zum Wechsel. Beim 3:2-Erfolg beim TSV Friedberg zum Auftakt in der Aufstiegsrunde der 3. Liga Ost avancierte der 30-Jährige auf Anhieb zum wertvollsten Spieler seines neuen Teams. "Aldin hat sofort gezeigt, dass er eine Verstärkung ist", so VC-Trainer Christian Kranz. "Seine Führungsqualitäten und sein Spielverständnis waren sofort zu sehen. Verständlicherweise fehlt nach der langen Pause noch etwas die Wettkampfpraxis, aber das wird besser werden."

Kurz vor Beginn der heißen Saisonphase hatte der VC Eltmann zudem Christian Dünnes verpflichtet. Der 37-Jährige ist 65-facher Nationalspieler, war italienischer Meister und mehrfacher Pokalsieger in Deutschland. 2012 wurde er als wertvollster Spieler der Bundesliga ausgezeichnet. Im selben Jahr nahm er an den Olympischen Spielen in London teil und wurde mit Deutschland Fünfter. 2017 beendete der 2,11 Meter lange Angreifer seine Karriere. Seitdem ist er als Sportdirektor beim Deutschen Volleyball-Verband (DVV) tätig. "Natürlich ist so eine Verpflichtung ungewöhnlich", weiß Werner, der dank seines Netzwerks auf Dünnes aufmerksam wurde. "Er war sehr überrascht über die Anfrage, hat sich aber auch geehrt gefühlt", erklärt Werner. "Der Gedanke war vielleicht etwas verrückt, aber mehr als nein sagen konnte er ja nicht."

Weil beide Neuzugänge länger als drei Monate nicht gespielt hatten, war das Duo sofort spielberechtigt für den ehemaligen Bundesligisten, der nach der Insolvenz in der Saison 2019/2020 wieder unter dem Namen VC Eltmann spielt - und offensichtlich wieder über ausreichend finanzielle Mittel verfügt.