Björn Assel steigt aus seinem Auto und läuft zum Parkscheinautomaten. Er zückt den Geldbeutel, öffnet ihn und hält kurz inne: Das Kleingeld ist alle. So wie ihm geht es vielen Kissingern und auswärtigen Besuchern. Dank dem Handy-Parken ist das aber kein Problem mehr (siehe unten). "Wenn man kein Kleingeld hat, ist das eine sehr gute Erfindung", sagt Björn Assel.


Er parkt öfter in der Innenstadt und benutzt das Handy-Parken eigentlich eher selten. Dabei hätte es ihm schon einen Strafzettel ersparen können. "Ich habe ein Knöllchen bekommen, weil ich nicht rechtzeitig zurück war", erzählt Assel, "mit einer SMS wäre das nicht passiert." Schließlich kann das Handyticket auch per SMS verlängert werden.

Immer häufiger genutzt

Schon im Einführungsjahr 2010 wurde 6000 mal vom Handyparken Gebrauch gemacht. Ein Jahr später waren es bereits 20 000 Zugriffe. Seit 2011 haben sich die Nutzungszahlen um 50 Prozent gesteigert. Im vergangenen Jahr wurden in Bad Kissingen 30 000 Handy parkscheine gebucht.

"Wir sind mit der Nutzung in Bad Kissingen sehr zufrieden", sagt Claudia Pintus vom Betreiber sunhill technologies. Vor allem die Smartphone-App wird immer mehr genutzt. "Die App kann kostenlos heruntergeldaden werden und ist die nächste Generation des Handy-Parkens", sagt Claudia Pintus.

Doch die neue Bezahlmöglichkeit kennen viele noch gar nicht. "Ich habe bis jetzt noch nichts davon gehört", sagt Rebecca Greubel aus Bad Kissingen. Einmal in der Woche parkt sie auf dem Tattersall-Parkplatz, um von dort aus in die Stadt zu gehen. "Das ist bestimmt nicht schlecht, aber ich brauche das nicht." Sie parkt immer so, dass es passt, also dass sie die Zeit genau einhält und keine Nachzahlung per SMS benötigt.

Kleinere Probleme

Der Leiter des Bad Kissinger Ordnungsamtes glaubt nicht daran, dass bald alle per SMS bezahlen: "Manche können oder wollen sich nicht daran gewöhnen", sagt Rainer Warzecha. Bei der Handhabung gibt es aber nur selten Probleme. "Ab und zu vergisst jemand einen Buchstaben", sagt Warzecha, "dann funktioniert es nicht." Zum Beispiel wird manchmal statt einem Tag nur eine Stunde gebucht.

Ebenso selten wie Anwendungsfehler sind technische Fehler. Bei den Telefonanbietern kommt es vereinzelt zu kurzzeitigen Berechnungsproblemen.
Generell zieht Warzecha ein positives Fazit: "Die Leute haben sich daran gewöhnt und benutzen das Handyparken." Die Einnahmen seien relativ konstant. Auch Wochen- und Monatstickets können und werden mit Hilfe des Handys bezahlt.

Die Handyticket-Kontrolle läuft ebenfalls übers Handy. Die Politessen führen ein Smartphone mit sich, mit dem sie auf eine geschützte Internetseite der Betreiberfirma zugreifen können. Auf dieser können sie anhand des Kennzeichens abrufen, ob die Parkgebühr bezahlt worden ist. Aber bedeutet die zusätzliche Kontrolle nicht doppelt so viel Arbeit?

"Das ist ein gewisser Mehraufwand", sagt Warzecha, "aber das ist keine große Belastung." Es handelt sich um ein oder zwei Handgriffe, die zur Bürgerfreundlichkeit beitragen. Die Mitarbeiter kommen gut mit der neuen Methode zurecht. "Das System ist sehr bedienungsfreundlich", sagt Warzecha.

In den Fällen, in denen das Bezahlen nicht funktioniert, ist das Ordnungsamt kulant. "Das gleiche Problem gibt es ja mit Parkscheinen", erläutert Warzecha, "die Automaten fallen auch mal aus." Wenn jemand also einen Strafzettel bekommt, weil das neue System nicht richtig funktioniert, lässt sich das mit einem Anruf beim Ordnungsamt klären. Auch Anwendungsfehler beim Handy-Parken sind meist schnell aus der Welt geschafft.

Kurzinfo zum Handyparken

Die Zahlung wird per SMS oder per App abgeschlossen. Der Fahrer gibt Auto-Kennzeichen und Zeit an, die er parken möchte. Er bezahlt via Mobilfunkrechnung oder Prepaid-Guthaben. Vor Ablauf der Parkzeit wird eine Erinnerungsnachricht auf das Handy geschickt. Die Parkzeit kann von unterwegs verlängert werden.