"Wir haben einen! Wir haben einen!", rufen Kirill und Elisa im Chor. Die Kinder stochern mit den Ästen, die sie als Wanderstöcke benutzen, wild im Gras herum. "Otto, schau", sagt Peter Seuberling, der mit den anderen Feldgeschworenen gesucht hat, was die beiden Schüler entdeckt haben. "Prima, mit euch kann man was anfangen", meint er und lacht. Gemeinsam hatten sich die Feldgeschworenen aus Hausen und Nüdlingen mit 17 Viertklässlern der Sinnberg Grundschule auf einen besonderen Weg gemacht. Auf der Route lag mehr als historisches Geröll.

"Wir haben geheime Zeichen, die nicht mal unsere Frauen kennen", sagt Otto Funck als er mit der bunten Horde um den ersten Stein mit der weißen Kuppe steht. Er ist Kreisobmann der Feldgeschworenen und erzählt, dass ein neuer Feldgeschworener erst eingeweiht wird, wenn er vereidigt worden ist. Damit die Viertklässler der Sinnberg Grundschule die Begegnung mit ihrem ersten Grenzstein nie vergessen, erwartet sie ein Ritus, durch den jeder Feldgeschworener einmal muss. Tizian wird an Armen und Beinen gepackt und mit dem Hintern auf den Stein gesetzt, dreimal - er wird "gestaucht". Unterricht, nach dem Geschmack der neun "Siebener" aus Hausen und Nüdlingen.

"Für uns ist das eine Erweiterung im Fach Heimat- und Sachkunde", sagt Lehrerin Andrea Foth. Die Berge und Flüsse der Region waren schon dran. Beim Thema Ortsteile wollten die Schüler es genau wissen: "Wo verläuft die Grenze - haben sie gefragt." Ein Fall für die Feldgeschworenen. Die sind schon seit zehn Jahren immer wieder mit Schulklassen unterwegs.

Vom Sinnberg startet die Gruppe über schmale Wege, steile Waldwege und schlängelt sich - ausnahmsweise - zwischen blühende Rapspflanzen. Über den Wengertsweg und die Bachhöhe am Gehäg entlang in Richtung Erlenberg. Rechts von ihnen Nüdlingen, links Hausen - immer entlang der Grenze. Aber was sind schon Grenzen für Kinder? "Sie wissen, was die Grenze zum Grundstück des Nachbarn ist", meint Otto Funck. "Sie sollen mitnehmen, dass auch eine Stadt Grenzen hat. Sie sollen aber auch erfahren, was bei uns wächst und dass eine Biene nicht das Insekt ist, das sticht, sondern unseren Honig produziert."

Umweltbildung zum Anfassen

Vorbei an jungen unbekannten und bekannten Bäumen, dem Bienenstand von Feldgeschworenem Alfred Liebl und einem Leckstein für Rehe: Auf der Strecke liegt regelmäßig Umweltbildung zum Anfassen. Was die Schüler in der Landschaft nicht finden, ist eine Linie, wie die auf der Karte von Otto Funck. Stattdessen markieren die Steine - viele Meter voneinander entfernt und versteckt unter Gras - die Grenze von Ort zu Ort. "Das ist für manche abstrakt, weil es so weitläufig ist", sagt Lehrerin Andrea Foth. Nicht für ihre Schülerin Ronja. Ihre Großmutter ist Feldgeschworene und heute bei dem gemeinsamen Grenzgang dabei. Christiana Meder hat ihrer Enkelin bei Spaziergängen und auf Fotos Grenzsteine gezeigt. "Die sind sehr wichtig, sonst würden sich die Dörfer darum streiten, wie groß ihr Gebiet ist", sagt Ronja. Ihre Großmutter ist derweil schon froh, dass die Kinder an diesem Vormittag Zeit in der Natur verbringen.