Vor 100 Jahren, im Januar 1920, gründeten sechs Männer den Musikverein "Edelweiß Lauter". In Würdigung seiner Verdienste um instrumentales Musizieren wurde der Verein aus Anlass des Jubiläums kürzlich mit der Pro-Musica-Plakette ausgezeichnet. Alle anderen Feierlichkeiten mussten wegen Corona abgesagt werden. Doch nicht nur die Pandemie bereitet dem Vorsitzenden Mario Digel und Kassier Leo Hartmann große Sorge.

Zu Beginn des Jahres schien die Welt noch in Ordnung: Am 4. Januar luden der heute 220 Mitglieder starke Musikverein und seine Blaskapelle mit 29 Musikern zwischen 15 und 65 Jahren zum großen Jubiläumskonzert in der vereinseigenen Edelweißhalle. Auch der traditionelle Faschingstanz konnte dort im Februar noch stattfinden. Doch seit März ruht das Vereinsleben.

Besondere Auszeichnung

Das für Juni geplante Jubiläumsfest musste ebenso angesagt werden wie alle Auftritte der Blaskapelle. Sogar die ursprünglich im April geplante Verleihung der Pro-Musica-Plakette, die seit 1968 aus Anlass des 100-jährigen Bestehens einer Musikvereinigung vom Bundespräsidenten verliehen wird, musste verschoben werden. Erst im September durfte Vorsitzender Mario Digel diese Auszeichnung in Erlangen aus den Händen des für Wissenschaft und Kunst zuständigen Staatsminister Bernd Sibler (CSU) entgegennehmen. Die mit ihrem Durchmesser von 16 Zentimetern recht große und schwere Plakette versteht Digel als besondere Auszeichnung, da es im Landkreis kaum Musikvereine dieses Alters gibt. "Die Corona-Pandemie ist die erstmalige Unterbrechung unserer 100-jährigen Geschichte", blickt Vorsitzender Mario Digel in die ereignisreiche Vergangenheit zurück. Nicht einmal im Zweiten Weltkrieg wurde das Musizieren in Lauter unter der Leitung von Dirigent und Gründungsvorstand Philipp Metz unterbrochen, obwohl es damals sogar ein offizielles Verbot gab. Erst nach 42-jähriger Tätigkeit gab Metz den Dirigentenstab an Gerhard Stanke weiter, dem vor allem die 1965 erfolgte Gründung des Jugendmusikvereins zu verdanken ist. Fünf Jahre später wurde der Musikverein im Rahmen des Kreismusikfestes 1970 anlässlich seines 50-jährigen Bestehen mit der goldenen Medaille am blauen Band geehrt, der höchsten Auszeichnung des Nordbayerischen Musikbundes, dessen Mitglied die Lauterer gerade ein Jahr zuvor geworden waren. Nur wenig später begann der Verein mit dem Bau seiner Edelweißhalle, die 1972 eröffnet wurde und seitdem als Eigenbetrieb des Vereins mit ihrem 200 Personen fassenden Festsaal nicht nur für eigene Zwecke genutzt wird, sondern vor allem der Öffentlichkeit für Feiern jeder Art zur Verfügung steht. Der nächste tiefe Griff ins Vereinsvermögen wurde notwendig, als 1982 für die Musiker ihre heutige Tracht angeschafft wurde. In dieser fränkischen Tracht nahm die Blaskapelle 1990 anlässlich des 70-jährigen Vereinsbestehens am Kreismusikfest teil. Im selben Jahr bekam die Blaskapelle mit Lothar Muth, einem "Vereinsgewächs von klein auf", einen neuen Dirigenten. Als Muth nach zwölfjähriger Leitung schon 2002 völlig unerwartet im Alter von nur 44 Jahren starb, "war dies ein herber Schlag für uns alle", erinnert sich Mario Digel. Der Dirigent hatte während seiner Amtsjahre die Jugendblaskapelle gegründet. Auch das stark erweiterte Notenarchiv ist ihm zu verdanken. Zwei Jahre nach Muths Tod übernahm Frank Brixel den Dirigentenstab.

Mario Digel wurde 2009 zum Vorsitzenden eines stark verjüngten Vorstands gewählt. "Ich war mit 36 Jahren damals der Älteste." Für das Jubiläumsjahr hatten er und seine Vorstandskollegen sich einiges vorgenommen. So war im April ein Kommersabend geplant, Mitte Juni sollte ein zweitägiges Musikfest stattfinden, für das eine 100-seitige Vereinschronik verfasst wurde, die immer noch in großer Auflage auf ihre Verteilung wartet. Doch nicht nur dieser Ausfall ist Corona geschuldet. Natürlich entfallen dem Verein auch alle Einnahmen aus den sonst jährlich etwa 25 Veranstaltungen in der Edelweißhalle. "Ich erwarte heuer ein Defizit von 6000 Euro", hat Kassier Leo Hartmann schon ausgerechnet. "Wir werden 2021 auf unsere Rücklagen zurückgreifen müssen." Wie und wann es mit dem Verein weitergeht, wissen Kassier und Vorsitzender nicht. "Wir werden unsere Jubiläumsfeier nachholen, sobald große Feiern wieder erlaubt sind", hofft Digel auf baldige Normalisierung. Das Jahr 2021 wird auch für den Fortbestand des Vereins entscheidend: "Ich werde nach zwölf Jahren nicht mehr für den Posten des 1. Vorsitzenden zur Verfügung stehen", hat Digel schon entschieden und weiß, dass auch andere Vorstandskollegen nicht für eine Neuwahl zur Verfügung stehen werden.

Deshalb fordert er schon jetzt alle am Vereinsleben und Musikgeschehen interessierten Mitglieder und Einwohner auf, sich für eine Kandidatur zu melden. Denn sollte es 2021 nicht gelingen, die Vorstandsposten zu besetzen, droht dem Musikverein Edelweiß Lauter im 101. Jahr seines Bestehens unweigerlich seine Auflösung.