"Erste Reihe: E, N, I, R, T, S, A." Keine Reaktion. Heike Thein macht weiter, ihr Blick ist fest auf die Augen ihres Sohnes Jonas gerichtet. "Zweite Reihe: D, H, L, U, O, C, G." Jonas zuckt nicht einmal. Dritte Reihe. "M, B, F..." Jonas blinzelt. F also. Nun weiß Heike Thein, mit welchem Buchstaben das Wort beginnt, das Jonas meint. Und weil sie ihren Sohn so gut kennt, errät sie auch gleich das Wort auf die Frage, auf was er sich am meisten freut, wenn er wieder zuhause ist: Flecky, seinen Hund. Jonas ist bei vollem Bewusstsein komplett gelähmt. Nur die Augen und ein wenig Mimik lassen eine Kommunikation zu. Seit sechs Jahren ist das so.

Jonas aus Uchenhofen bei Haßfurt lag kürzlich fünf Wochen im Thoraxzentrum in Münnerstadt. Er wurde in einem lebensgefährlichen Zustand eingeliefert. Mit einem Tracheostoma - ein Schlauchanschluss im Hals - und künstlicher Beatmung in der Nacht gelingt es nun seiner Lunge, wieder mehr Sauerstoff in Herz und Adern zu pumpen. So viel, dass er weiter leben kann. Doch das Leben, das er bis vor sechs Jahren führte, wird er nicht mehr zurückerlangen.

Es war der 21. Mai 2013, Jonas Thein ist 17 Jahre alt . Seine Tage bestanden aus der Ausbildung zum Industriemechaniker, seinen Handballfreunden, daneben liebte er alles, was nur im Entferntesten mit Traktoren zu tun hat. Die Eltern haben einen Hof im Nebenerwerb, dazu Felder und Schafe - für Jonas ist das ein Paradies.