Die addierten Straftaten der drei Polizeiinspektionen im Landkreis zeigen einen fallenden Trend. Vergleicht man die vergangenen drei Jahre im Hinblick auf die Deliktgruppen, fällt auf: Überall fällt die Anzahl der Straftaten - außer in zwei Gruppen: In Sachen Sachbeschädigung und Sexuelle Selbstbestimmung.

Die gestiegenen Sachbeschädigungen lassen sich auf Serientaten in Bad Brückenau und Hammelburg (siehe unten) zurückführen. Die Fälle der Sexualdelikte stiegen im Bereich der gesamten Polizei Unterfranken und werden in den kommenden Jahren weiter steigen: Die Auswertungsmöglichkeiten seitens der Kriminalpolizei werden immer besser. So ließen sich immer mehr Fälle ins Hellfeld ziehen.

Es gab zwei Straftaten gegen das Leben: Der tragische Fall des 21-Jährigen in Zeitlofs (siehe unten) und eine versuchte Tötung in Oerlenbach, bei der ein 21-Jähriger einen Mitbewohner mit einem Cuttermesser angegangen haben soll.

Bad Kissingen

Wie auch in den Vorjahren sind im Bereich der Polizeiinspektion Bad Kissingen die Delikte der einfachen und mittleren Kriminalität besonders häufig vertreten. Einfache Diebstähle, Körperverletzungen, Betrügereien, Sachbeschädigungen, Hausfriedensbrüche und Beleidigungen summieren sich auf 60 Prozent aller Straftaten.

Die Zahl der Verbrechen und Vergehen fiel auf ein Tief von 1608 Straftaten insgesamt. Im Zehnjahresvergleich ein Rückgang um gut ein Drittel. Die Häufigkeitszahl liegt bei 2801 (Anzahl der Staftaten auf 100.000 Einwohner).

Den signifikanten Rückgang der Straftaten in fast allen Deliktfeldern bringt die Polizei zum Großteil mit der Pandemie in Zusammenhang. Außer im Bereich der sexuellen Straftaten, gingen die Straftaten in allen Deliktgruppen zurück.

Bad Brückenau

Die Polizeiinspektion des Altlandkreises hatte neben dem Serientäter "Reifenstecher" im Bereich Sachbeschädigung auch mit Serientätern im Bereich Betrug zu tun. Mit 550 Straftaten insgesamt liegt die Zahl aller Fälle auf dem Niveau von 2020. Die Häufigkeitszahl sank auf 3540.

Außer im Bereich der Sachbeschädigungen und den Betrugsdelikten gingen die Straftaten in den anderen Deliktgruppen zurück.

Hammelburg

Nach dem Tiefpunkt an Straftaten bei der Polizei Hammelburg 2019 zogen 2020 Fälle mit Drogen, Rohheitsdelikten und Betrug an. 2021 gingen die Zahlen wieder etwas zurück und pendelten sich mit 792 Straftaten insgesamt im Bereich der Durchschnittswerte ein. Die Häufigkeitszahl liegt bei 2507. Die Straftaten gingen in allen Deliktgruppen zurück, außer im Bereich der Sachbeschädigungen und des schweren Diebstahls (Einbrüche).

Rohheitsdelikte (Raub, Nötigung, Körperverletzungen)

Unter Rohheitsdelikten versteht man Raub, Nötigung oder die verschiedenen Arten der Körperverletzungen. In Bad Kissingen fielen 271 Straftaten unter diesen Bereich, 2020 waren es noch 329 (-18 Prozent), 2019 waren es 346. Am stärksten vertreten: einfache Körperverletzung mit 141 Fällen (2020: 192). Wegen der Pandemie waren Diskos, Clubs und Kneipen geschlossen, Veranstaltungen mit vielen Besuchern fanden nicht statt. Damit erklärt sich die Polizei zum Teil den Rückgang bei den Rohheitsdelikten.

In Bad Brückenau fällt die Zahl der Rohheitsdelikte stetig auf 106 Fälle (2020: 131). In Hammelburg fiel die Zahl der Rohheitsdelikte auf 117 (2020: 168), liegt aber immer noch höher als 2019 (95). Die Fälle fallen oft in den Bereich des sozialen Nahraumes, auch Nachbarschaftsstreitigkeiten, die Betroffenen kennen sich also.

Diebstahl / Einbrüche

Es gibt einfache und schwere Diebstahlsdelikte, letztere gehen mit Ein- und Aufbrüchen einher (umfassen also auch Wohnungseinbrüche). In Bad Kissingen gab es 2021 insgesamt 334 Diebstahlsdelikte, die Jahre zuvor waren es 440 und 409. Die Fälle des schweren Diebstahls fielen von 122 auf 96. Die Zahl liegt etwa auf dem Niveau von 2019 (90). Unter den 96 Fällen waren 9 Wohnungseinbrüche, diese Zahl sank von 15 Fällen. Die Zahl der einfachen Diebstähle fiel von 318 auf 238 (-25 Prozent).

In Bad Brückenau sank die Zahl der gesamten Diebstähle durchgängig von 143 auf 119 auf jetzt 100. Vor allem einfache Diebstähle sanken von 95 auf 77. Wohnungseinbrüche (3) sind auf gleichbleibend niedrigem Niveau. In Hammelburg stieg die Zahl schweren Diebstahls von 34 auf 45. Jedoch blieben Einbrüche in Wohnhäuser mit vier Fällen sehr selten. Vereinsheime, Jugendtreffs und Baustellen waren immer wieder Ziel der Langfinger.

Rauschgiftdelikte

Die Fallzahlen im Bereich Rauschgift schwanken oft sehr. Es handelt sich hierbei um ein "Aufgriffsdelikt", bei dem die Zahl der Fälle auch von den Aktivitäten der Polizei abhängt. Zudem führt das Aufgreifen eines "größeren" Dealers oft zu einer Art Schneeballeffekt, bei dem viele weitere Personen ermittelt werden. Nicht selten stößt die Polizei bei Verkehrskontrollen auf diese Fälle.

In allen drei Polizeiinspektionen macht der Besitz von Cannabis den größten Anteil der Straftaten aus. In Bad Kissingen sind die Rauschgiftdelikte mit 133 Fällen zwar 40 Fälle weniger als im Vorjahr - im Vergleich der vergangenen Jahre liegt diese Zahl jedoch total im Durchschnitt.

In Bad Brückenau sank die Zahl der Betäubungsmitteldelikte nach einer enormen Anzahl im Jahr 2020 (142 Fälle) auf 95, wobei diese Zahl noch immer über dem Durchschnitt liegt und ein Nachhall der Ermittlungen von 2020 sind. In Hammelburg zog die Polizei mit 58 Fällen etwas weniger Fälle ins Hellfeld als 2020 (98), jedoch etwa so viele wie 2019.

Sexuelle Straftaten

Sexualdelikte bestehen zu einem Großteil aus sexuellem Missbrauch - auch an Kindern - und sexueller Vergewaltigung. Der bundesweite Trend geht nach oben. Wegen immer besser werdenden technischen Möglichkeiten wird die Zahl in diesem Bereich in den kommenden Jahren auch weiter steigen, schätzt die Polizei Bad Kissingen.

In Bad Kissingen ist die Zahl von 37 (2019) und 54 (2020) weiter gestiegen: Insgesamt gab es 87 Fälle. Die Aufklärungsquote liegt in diesem Deliktbereich mit rund 95 Prozent jedoch recht hoch. In Bad Brückenau blieb die Zahl mit 17 Fällen in den vergangenen Jahren jedoch auf dem gleichen Niveau. In Hammelburg sank die Zahl der Sexualdelikte sogar leicht, von 21 auf 18. 2019 lag der Wert bei 8.

Betrug und Fälschung

Den Großteil der Straftaten in diesem Bereich bilden Betrugsfälle im Netz. Also: Bestellen, ohne zu zahlen oder das Kassieren des Kaufpreises, ohne zu liefern. Die Statistik zählt die Fälle, wo sie passiert sind. Wird man also Opfer eines Betrügers in Norddeutschland, zählt der Fall dort.

Die Zahl der Vermögens- und Fälschungsdelikte fiel in Bad Kissingen von 237 auf 206 Fälle. Die 75 Fälle von Betrug in Bad Brückenau gehen etwa zur Hälfte auf zwei dort wohnende Serienbetrüger zurück. Sie sollen gewerbsmäßig Waren im Internet angeboten und nach Bezahlung nicht geliefert haben.

In Hammelburg bleiben die Fälle des Betruges im Netz auf hohem Niveau (97). Auch Betrug durch Callcenter (Enkeltrick, falscher Polizeibeamter, Gewinnspielversprechen, Microsoftanrufer) hat eine erhebliche Bedeutung bekommen.

Häusliche Gewalt

Um das Thema Häusliche Gewalt kümmern sich Schwerpunktsachbearbeiterinnen.  Erfasst sind vor allem Gewaltdelikte durch (Ex-)Partner und Straftaten oder polizeilich relevante Ereignisse, die im Zusammenhang mit dieser Täter-Opfer-Beziehung stehen. Die Tatverdächtigen sind oft männlich, die Opfer oft weiblich.

In Bad Kissingen gab es 67 Taten. Mit Höchststand 2018 waren es im vergangenen Jahr die wenigsten Fälle der letzten fünf Jahre. In Bad Brückenau ist die Zahl mit 34 Fällen zwar über dem Wert von 29 im Jahr 2020, aber im Vergleich zu den vorhergehenden drei Jahren (49, 50, 42) auf eher niedrigen Niveau.

In Hammelburg fallen 49 Fälle in diesen Bereich und  liegt damit auf dem Niveau von 2018. 2020 waren es 95 Fälle.  Das Spektrum der Straftaten reichte von Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung bis hin zu Sachbeschädigungen, Nötigung und Eigentumsdelikten. Auch waren wenige Fälle von Betrug, Nachstellungen, Verletzungen des höchstpersönlichen Lebensraumes und Vergehen gegen das Gewaltschutzgesetz zu bearbeiten.

In diesem Artikel haben wir versucht herauszufinden, warum die Zahlen nicht wie erwartet gestiegen sind. 

Gewalt gegen Polizei

Im ganzen Landkreis gab es 25 Angriffe auf Polizeibeamte. Im Jahr zuvor waren es noch 52. Oft widersetzen sich Täter der Festnahme, beleidigen oder bedrohen ("ich weiß, wo Du wohnst"), schlagen um sich oder spucken. Zu schwerwiegenden Verletzungen kam es glücklicherweise nicht, allerdings war bei einem Beamten eine vorübergehende Dienstunfähigkeit die Folge.

Herausragende Fälle im Landkreis Bad Kissingen im Jahr 2021

Getötet - In Zeitlofs starb ein 21-Jähriger, weil er einen 24-Jährigen retten wollte, der sich das Leben nehmen wollte. Der Ältere wollte mit dem Auto auf die Autobahn fahren, um sich umzubringen. Daraufhin stellte sich der 21-Jährige dem anfahrenden Wagen in den Weg und versuchte, die Fahrt zu verhindern. Doch der Ältere fuhr weiter, der junge Mann geriet auf die Motorhaube, fiel nach 30 Metern runter und landete mit dem Kopf so unglücklich auf Straße und Bordstein, dass er kurz darauf starb. Wegen Körperverletzung mit Todesfolge wurde der 24-Jährige im März 2022 zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Angegriffen - An einem Abend im April sprühte ein 39-Jähriger einem 21-Jährigen Pfefferspray ins Gesicht. Als ein Ehepaar ihm zu Hilfe kam, schlug der Beschuldigte dem Helfer mit der Faust ins Gesicht. Der 58-Jährige wurde leicht verletzt. Die Bad Kissinger Polizei nahm den Schläger wenig später in seiner Wohnung fest. Dabei griff er auch die Beamten an und leistete erheblichen Widerstand. Zwei Beamte wurden leicht verletzt. Der 39-Jährige muss sich nun u. a. wegen gefährlicher Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte verantworten. Er wurde in einem Bezirkskrankenhaus untergebracht.

Telefonbetrug - Im Oktober 2021 wurde ein älteres Ehepaar aus dem Bereich Bad Kissingen Opfer eines Telefonbetrugs. Eine Anruferin gaukelte ihnen vor, dass ihre Tochter einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht habe, deshalb müsse sie eine Kaution von 200.000 Euro zahlen. Nachdem sich der Rentner bereit erklärt hatte, dafür aufzukommen, wurde er aufgefordert, das Geld an einen "Polizeikurier" zu übergeben, was er auch tat. Erst nach einem Telefonat mit seiner richtigen Tochter wurde dem Rentner der Betrug klar und er wählte den Polizeinotruf. Die Kriminalpolizei Schweinfurt kontrollierte bei Poppenhausen kurz darauf einen Mann, auf den die Beschreibung zutraf. Sie stellten bei dem Verdächtigen auch das Geld des Seniors sicher. Der 18-Jährige sitzt seither in einer Justizvollzugsanstalt ein. Die bereits abgeschlossenen Ermittlungen führten zu vier weiteren Festnahmen.

Einbruch in Schulgebäude - Im Januar gab es Einbrüche in zwei Schulgebäude in Hammelburg. Der Tatverdächtige klaute Geld und richtete mehrere tausend Euro Schaden an. Sowohl in der Realschule als auch im Gymnasium machte sich der Täter an Büroschränken und Tresoren zu schaffen. Später setzte er seine Serie in benachbarten Dienstbereichen fort, auch über bayerische Grenzen hinaus. Die Ermittlungen der Kripo waren Ende 2021 erfolgreich, weil eine DNA-Spur am Tatort einem überregionalen Einbrecher zugeordnet werden konnte. Nach ihm wird aktuell gefahndet.

Schüsse auf Fahrzeuge - Im Februar 2021 schoss ein Unbekannter bei Ramsthal auf fahrende und parkende Autos. Die Person benutzte eine Luftdruckwaffe mit runden kleinen Stahlkugeln. Bis heute gibt es keine Spur vom Täter.

Einbrüche in Gewerbeobjekte - Ein Einbrecher suchte im Juni zwei gewerbliche Objekte in der Fuldaer Straße in Hammelburg heim. Er drang gewaltsam in die Büros eines Pflegedienstes ein und entwendete Bargeld sowie einen Schranktresor. Auch stieg er in eine Fahrschule durchs aufgehebelte Fenster im selben Gebäude und klaute Bargeld. Der Schaden in beiden Fällen belief sich auf mehrere tausend Euro.

Sachbeschädigungsserien - Fast über das gesamte Jahr verteilt kam es in der Hammelburger Innenstadt zu Graffiti- und Sachbeschädigungsserien unterschiedlichster Art. In einem Komplex von mehr als 60 Fällen wurde eine junge Täterin ermittelt. Sie wurde auf frischer Tat von einer Zivilstreife ertappt.

Betrugsserie - Über einen längeren Zeitraum bot eine Person aus dem Altlandkreis Bad Brückenau Gegenstände des täglichen Bedarfs wie Kleidung auf Portalen im Internet an, lieferte aber nach Zahlungseingang nicht. Die Täterin wurde 2021 ermittelt und hat mindestens 35 Straftaten begangen. Wegen der eher niedrigen Beträge haben wahrscheinlich nicht alle Geschädigten Anzeige erstattet, sodass die tatsächliche Zahl der Fälle wesentlich höher liegen könnte. Das Verfahren wegen gewerbsmäßigen Betrugs ist inzwischen bei Gericht anhängig.

Reifenstecherserie - Ein Mann ais Thüringen ging Mitte des Jahres 2021 allein in Bad Brückenau 48 Autos an und zerstach die Reifen oder verkratzte den Lack. Nach aufwendigen Ermittlungen identifizierte die Polizei einen 38-Jährigen als vermeintlichen Täter. Er kommt auch für gleichartige Taten in Hessen und in seiner Heimat in Frage. Hintergrund dürfte eine Beziehungsstreitigkeit sein. Mit dem Wegzug seiner Bezugspersonen aus dem hiesigen Bereich stoppte die Serie abrupt.